Ausstellung "Der Deutsche Orden in Hessen" in Marburg

Marburg. - Schlaglichter auf die 600-jährige Geschichte des Deutschen Ordens in Hessen wirft eine Ausstellung im Foyer des Hessischen Staatsarchivs Marburg.

Marburg. - Schlaglichter auf die 600-jährige Geschichte des Deutschen Ordens in Hessen wirft eine Ausstellung im Foyer des Hessischen Staatsarchivs Marburg. Von der ersten Schenkung im Jahr 1207 bis zur Auflösung der Ballei Hessen 1809 reicht der Zeitraum. In sieben Vitrinen werden vorwiegend Originale gezeigt: Karten und dicke Bücher zur Besitzverwaltung (etwa in Wetzlar), Urkunden, die mit eindrucksvollen Wachssiegeln bestückt sind, und Kerbhölzer, auf denen Abmachungen eingekerbt wurden.

Zwei farbige Zeichnungen zeigen den Wandel der Ordenstracht, die im 17. Jahrhundert von dem bekannten weißen Mantel mit roten Kreuz dominiert war, im 18. Jahrhundert aussah wie die von Hofbediensteten. Gab es im Mittelalter nur Rechnungsnotizen für den Nachweis eines Ordenseintritts, so kamen im 18. Jahrhundert aufwendig gestaltete Stammbäume dazu. Denn der Nachweis einer bestimmten Zahl adeliger Vorfahren war erforderlich für den Eintritt in den Deutschen Orden. Der jüngste der drei Ritterorden, die während der Kreuzzüge im Heiligen Land gegründet worden waren, begann ab 1226 in Preußen den so genannten "Ordensstaat" aufzubauen. Er erlangte im gesamten Reich umfangreichen Streubesitz, der von Kommenden und Kastnereien aus verwaltet wurde.

Eine der zwölf Balleien war Marburg, seit dem 16. Jahrhundert wird von der Ballei Hessen gesprochen. Hier nahmen nach der Reformation die Konflikte mit den Landgrafen von Hessen zu. Bis zur Reformation gab es auch Priesterbrüder, die sich um die Pfarrkirchen und -gemeinden kümmerten, danach nicht mehr. Die Verwaltung des Besitzes erforderte einen erheblichen Aufwand, der mit umfangreichem und vorbildlichem Verwaltungsschriftgut überliefert ist. Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind einige Fundstücke der Grabungen, die 2006 bis 2009 um die Elisabethkirche in Marburg herum und damit auf dem Gelände der großen Marburger Ordensniederlassung stattfanden. Nur im Oktober ist das Original des gemalten Leichenzugs für den Landkomtur Adolph Eitel von Nordeck zur Rabenau, der auch Komtur auf dem Schiffenberg bei Gießen war und dort im April 1667 verstarb, zu sehen (ausführlicher Bericht in der Hessischen Heimat 3/30.1.2010) Danach wird es wegen seiner Lichtempfindlichkeit durch ein Faksimile ersetzt. Leider gibt es keinen Führer durch die Ausstellung, den man als schriftliche Erklärung mit nach Hause nehmen könnte. Es bleibt nur das Anschauen und Lesen vor Ort. Dagmar Klein

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Ausstellung des Hessischen Staatsarchivs Marburg, Friedrichsplatz 15, 4. Oktober 2010 - 30. April 2011Mo: 8.30-16.30 Uhr, Di-Do 8.30-19.00 Uhr, Fr 8.30-16.30 Uhr, Sa./So geschlossen

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