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Aufwertung der Paulskirche

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Die Frankfurter Paulskirche gilt als die Wiege der Demokratie in Deutschland. Frankfurts OB will Ort und Symbol bundesweit sichtbarer machen - mit Geld aus Berlin. Vieles ist aber noch offen.

Die deutsche Buchbranche verleiht dort immer im Oktober ihren renommierten Friedenspreis. Im vergangenen September nutzten auch die Globalisierungskritiker von Attac das Gebäude, um mit einer Besetzung auf sich aufmerksam zu machen. Die Frankfurter Paulskirche ist so symbolträchtig wie wenig andere Orte in Deutschland. Dort tagte 1848/49 monatelang das erste gesamtdeutsche Parlament.

Doch die klassizistische Kirche aus rotem Sandstein, die im Zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern zerstört wurde, spielt in der Öffentlichkeit seit Jahren eine stiefmütterliche Rolle. Als nationale Erinnerungsstätte wird sie - von einigen Feiern mal abgesehen - kaum wahrgenommen. Und nur wenige der vielen Frankfurt-Touristen wissen um die Bedeutung der Kirche, die vor dem Krieg auch für Gottesdienste genutzt wurde.

Das soll sich nun ändern. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat die Wiederaufwertung der Paulskirche zur Chefsache gemacht. Er möchte das Kulturdenkmal sowohl stärker in Frankfurt, als auch auf nationaler Ebene sichtbar machen. Dazu schlägt Feldmann ein "Demokratiezentrum" vor. Das könnte in der Kirche oder außerhalb errichtet werden, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Nach der Zerstörung wurde die Kirche vom Architekten Rudolf Schwarz betont schlicht dem Zeitgeist entsprechend wiederaufgebaut. Die Säulen und großen Emporen, wo einst 1848 die Parlamentarier monatelang um eine Verfassung stritten, verschwanden für immer aus dem Kuppelbau. Der kühl wirkende Saal bietet heute Platz für mehr als 1000 Menschen. Im Eingangsfoyer des Gebäudes wurde 1998 auch eine Ausstellung geschaffen, die aber keine multimedialen Elemente hat und heute als hoffnungslos verstaubt gilt.

Nach einem Besuch im Berliner Schloss Bellevue im Februar hat Feldmann mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einen höchst prominenten und einflussreichen Mitstreiter gewonnen. Dieser beklagte jüngst in der "Zeit", dass Deutschland zu wenig in seine Orte der Demokratiegeschichte investiere. Für die Paulskirche, "Deutschlands bekanntester Ort demokratischen Ringens zur Mitte des 19. Jahrhunderts", habe der Bund "bislang keinen Cent" bezahlt, schrieb der Bundespräsident in seinem Beitrag Mitte März.

Feldmann sieht auch die für den Geldtransfer wichtige Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auf seiner Seite. Der OB will jetzt nach der Sommerpause in Frankfurt einen "Bürgerdialog" über die künftige Gestaltung der Paulskirche und des Umfelds beginnen. Die Gelegenheit ist günstig: Das Dach des Denkmals muss ohnehin grundlegend saniert werden. Das wiederum hat in Frankfurt einige auf die Idee gebracht, das Innere der Paulskirche "zurückzubauen", damit der Charakter der alten Parlamentsbühne wieder deutlich wird.

Dies wird jedoch von den Stadtvorderen abgelehnt. Der OB sieht die Frage der Architektur eher als zweitrangig an. Allerdings müsse der Charakter des Baus lebendiger werden. Für das geplante "Demokratiezentrum" sind derzeit drei Varianten im Gespräch, zwei davon außerhalb der Kirche. Diese steht derzeit - unweit vom Römer gelegen - ziemlich isoliert da.

Der im vergangenen Jahr gegründete Verein "Demokratiedenkmal Paulskirche" kann sich als Lösung einen zeitgemäßen Umbau vorstellen. Vorbild könne das Hambacher Schloss sein, sagt Vorsitzender Georg Wässa, der zugleich bei den Jungen Liberalen engagiert ist. Das Hambacher Schloss in der Pfalz, wo 1832 Tausende von Freiheitskämpfern zusammenkamen, wurde vor zwölf Jahren umfassend renoviert. Es wird jetzt von einer Stiftung getragen.

Eine organisatorische Lösung, die sich OB Feldmann aber nicht unbedingt vorstellen kann. "Die Paulskirche bleibt frankfurterisch", sagte er. Der Bund werde jedoch im Falle der finanziellen Unterstützung mit- reden. Die Zeit für eine neue Vision für die Paulskirche eilt: "Wichtig ist, dass wir ein Konzept haben, wenn sich 2023 die Revolution von 1848 zum 175. Mal jährt", so Feldmann.

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