UeberpruefungderPumpspeich_4c
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Auf Tour mit der Talsperrenaufsicht

In Hessen gibt es mehr als 75 Stauanlagen. Eine davon ist die Stauanlage der Pumpspeicherwerke Waldeck in Nordhessen. Um ihren sicheren Betrieb zu gewährleisten, finden neben betrieblichen Kontrollen regelmäßig behördliche Überprüfungen statt.

In der Ferne reckt sich der Herkules im rund 35 Kilometer entfernten Kassel empor - der Ausblick vom Oberbecken Waldeck II des Pumpspeicherwerks Waldeck hoch oben im nordhessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee ist beeindruckend und zieht viele Wanderer an. Stephanie Liebscher vom Regierungspräsidium Kassel allerdings ist beruflich hier. Gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten Martin Marburger vom Dezernat Oberirdische Gewässer, Hochwasserschutz, Heinz-Martin Möbus vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) sowie Verantwortlichen des Energie- und Betreiberunternehmens Uniper prüft sie im Rahmen einer Talsperrenaufsicht die »Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit« der Stauanlagen, wie es in Behördensprache heißt.

Um elektrischen Strom zu gewinnen, wird im Pumpspeicherwerk Waldeck Wasser aus der Eder beziehungsweise dem Unterbecken Affoldener See über Druckrohre in zwei Oberbecken gepumpt, das in Belastungsspitzen durch große Fallrohre wieder hinabstürzt. Danach strömt es durch Wasserturbinen und erzeugt Strom. Zusammengerechnet können die beiden Kraftwerke bis zu 620 Megawatt elektrische Leistung liefern. »Damit könnte eine Stadt wie Frankfurt etwas länger als einen Tag versorgt werden«, sagt Uniper-Betriebsleiter Jörg Lingelbach.

Neben engmaschigen Kontrollen durch den Betreiber Uniper werden die Stauanlagen einmal jährlich behördlich überprüft. Dazu geht es im Einlaufbauwerk des Oberbeckens zunächst etwa 18 Meter und gut 100 Stufen in die Tiefe. Im Sicherheitsbericht, den Uniper zuvor vorgestellt hat, gab es keinen Hinweis auf Auffälligkeiten. »Es kommt selten vor, dass an Stauanlagen im Regelbetrieb etwas passiert«, erläutert Liebscher. Störfälle gebe es kaum.

Mehr als 75 Stauanlagen gibt es in Hessen. Hierunter fallen Anlagen mit einem Volumen von mehr als 100 000 Kubikmeter bis zum Stauziel und einer Höhe des Absperrbauwerkes, also des Staudamms oder der Staumauer, bis zur Krone von mehr als fünf Metern. Sie unterstehen der Talsperrenaufsicht der Regierungspräsidien. Das HLNUG wird als beratende Instanz eingebunden. Wie viel Sickerwasser tritt aus dem Becken aus? In welchem Zustand sind Dammkrone und -böschung? Funktioniert die Auslösung der Fallschütze? All das kontrolliert die Talsperrenaufsicht gemeinsam mit Uniper.

Tief unten im Einlaufbauwerk, von dem aus das Wasser weitergeleitet wird, ist es ein wenig klamm. Trocknungsgeräte senken die Luftfeuchtigkeit. Unterhalb des Oberbeckens Waldeck II, das 4,8 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen kann, kontrollieren Lingelbach und die Stauwärter, wie viel Sickerwasser aus den Drainagerohren austritt. Sonden messen das stetig digital. Der Stauwärter greift zusätzlich zu Messbecher und Stoppuhr. Das macht er wöchentlich, berichtet er. »Da sehen wir, wo die Badewanne undicht ist«, erläutert Marburger. Denn wenn sie undicht ist, leidet ihre Stabilität.

Beim Oberbecken Waldeck II ist nur eines der Rohre leicht feucht. »Bei einer Austrittsmenge von 0,8 Litern pro Sekunde gäbe es eine Warnung«, erklärt Lingelbach. »Dann wäre der Messbecher innerhalb einer Sekunde vollgelaufen.« In dem Fall würde das Oberbecken zur Entlastung abgelassen und um das Leck zu reparieren, erklärt der Betriebsleiter. Auch die Fallschütze funktionieren einwandfrei. Innerhalb weniger Sekunden schließen die schweren Stahlklappen, die sicherstellen sollen, dass kein Wasser unkontrolliert nach oben oder unten fließen kann.

Um die Fallschütze des etwas tiefer gelegenen Oberbeckens Waldeck I zu schließen, setzen sich die großen Zahnräder und Drahtseilwinden im Einlaufbauwerk ächzend in Gang. »Die Technik hier ist alt, aber sie funktioniert«, sagt der Stauwärter. Bereits ab 1929 wurden dieses Kraftwerk und Oberbecken gebaut. Im Laufe der Zeit sind Teile modernisiert worden, aber im Kern wird dort noch die alte Technik verwendet. Stephanie Liebscher ist zufrieden. »Läuft alles gut«, sagt sie.

Auch am Unterbecken Affoldern, dessen Wasser zu den Zeiten, in denen wenig Strom verbraucht wird in die zwei Oberbecken gepumpt wird, gibt es keine Beanstandungen. Dort werden unter anderem die Wehrklappen kontrolliert. Ferngesteuert von einer zentralen Warte in Landshut, senkt sich ein Wehr langsam ab. Das überlaufende Wasser, das zunächst langsam in die Eder plätschert, entwickelt schnell eine überraschende Dynamik. Das Wehr schließt wieder. Alles funktioniert reibungslos.

Abschließend kontrollieren Liebscher, Marburger und Möbus noch den Damm. »Wir überprüfen, ob die Grasnarbe geschlossen ist, ob sich Jungbäume angesiedelt haben, die mit ihren Wurzeln dem Damm schaden könnten, und ob es Wühltiere gibt, die Schäden hervorrufen könnten«, erklärt Liebscher. Doch bis auf ein paar Büsche, die zurückgeschnitten werden müssen, gibt es nichts zu beanstanden.

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