Atze Schröder: "Frauen sind die besseren Kerle"

Wetzlar (chl). Das elektronische Ortungssystem hat die Rittal-Arena erfasst, dann flackert das Licht, Rauchschwaden steigen auf, es kracht. Aus einer Trümmerhaufen-Kulisse kämpft sich aber kein Rambo, kein Terminator, kein John McLane und auch kein Captain Ivan Danko heraus. Stattdessen erscheint "Il Commandante" Atze Schröder und verkündet dem Volk: "Die Revolution steht bevor".

Zuvor hat sich der prollige Lockenkopf aus Essen-Kray nämlich noch in einem Diaschau-Einspieler als Partisan und Revoluzzer an die Seite von Che Guevara, ja sogar an dessen Stelle gemogelt.

So ein charismatische Guerillaführer und ein harter Kerl wäre der Komiker scheinbar auch gern. Doch seine Potenz steigert er lieber mit Porschefahren, Cowboystiefeln, engen Jeans und Macho-Sprüchen. Das sind nun einmal die Wesenszüge der Kunstfigur Atze Schröder. Statt der politischen und militärischen Auseinandersetzung stellt er sich dem Kampf gegen eine zunehmende Verweichlichung der Männerwelt. Denn die von ihm prophezeite Revolution ist die zwischen den Geschlechtern. "Die Frauen sind auf einmal so gut drauf", stellt er fest. Vor seinen 4000 Zuschauern in der ausverkauften Halle klopft Atze mit großen Gesten sodann in seinem neuen Programm "Revolution" (Wetzlar gehört zu den Auftaktvorstellungen der Tournee) die von ihm beobachteten Veränderungen der tradierten Rollenbilder ab. Seine leidige Erkenntnis: "Frauen sind die besseren Kerle".

Dabei wagt er einen Blick in den Bundestag, in dem das Chic-Sein in Mode und überhaupt alle bekloppt zu sein scheinen. Jedoch sind seine Schenkelklopfer oberflächlicher Natur und besitzen nicht den Biss und die Tiefe politischen Kabaretts. Als die Galionsfigur der modernen Männergarde enttarnt Atze dort Verteidigungsminister Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg. Dieser habe nicht nur eine ganze Menge Vornamen, sondern ein jeder wolle neben so einem hübschen Kerl einmal sitzen. Revolutionär auch die Tatsache, dass "wir das einzigste Land mit zwei Frauen an der Regierungsspitze sind" - er meint Angela Merkel und Guido Westerwelle.

"Doch wo sind die ganzen Kerle hin", fragt sich Atze und ruft nach Winnetou, Old Shatterhand, Schimanski und selbstverliebt nach sich selbst. Männer, die kuscheln und zuhören wollen, oder gar den Mondkalender auswendig kennen, sind ihm zuwider - so wie Fußballprofis, die sich bei einer Pediküre verletzen. Früher wären die Fußballer noch mit Hufeisen und Flex zugange gewesen, glaubt Atze. Deshalb galoppiert der frustrierte Ruhrpottler zum Amüsement seines Publikums in gewohnt machohafter Art von einer Begegnung mit militanten Tofu-Müttern im Öko-Guantanamo-Kindergarten zu einem Treffen mit "osmanischen Mittelmeer-Ostfriesen".

Er mokiert sich in Stammtischmanier und mit leichtem Rechtsdrall über deren mangelnde deutsche Sprachfähigkeiten und darüber, wie wahrscheinlich es wohl sei, einen Schweinemett-Brötchen-Imbiss jenseits des Bosporus zu eröffnen. Zudem macht sich der Porschefan über die Ferrari-Konkurrenz als "sportwagenähnliche Rollatoren" lustig, dürstet nach reifen Frauen à la Simone Thomalla, parodiert Alkohol-Sauf-Arien oder lässt sich nicht ganz jugendfrei über die weibliche Schambehaarung sowie seinen stetigen Kampf zwischen Sextrieb und Vernunft aus.

Die sooft auf seine teils freche, schelmische, teils ördinäre Art beäugten alltäglichen Absurditäten bringt die Zuhörer am laufenden Band zum Lachen. Doch die Rolle als knallharter Revoluzzer muss sich Atze wohl weiter vor der Mattscheibe erträumen. (Foto: chl)

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