Atzbacher demonstrieren für Erhalt der Schule

Lahnau (ür) 350 Bürger sprechen sich für angestammten Standort der Grundschule im Amtshof aus. Viele wollen den alten Standort erhalten und keine Erweiterung der Lahntal-Gesamtschule.

Lahnau (ür). Der Atzbacher Grundschulleiter Wolfgang Dinter ist überwältigt. 350 Lahnauer bekundete am gestrigen Sonntag bei einem historischen Rundgang ihre Solidarität mit dem alten Amtshof und der dort seit Menschengedenken - bis zum Feststellen baulicher Mängel und der provisorischen Umsiedlung nach Krofdorf-Gleiberg- untergebrachten Grundschule.

Am Nachmittag hatten sich die genannte Anzahl Interessierter am Backhaus zusammengefunden, um bei dem Rundgang die Ausführungen von Margot Reinstädtler zur Geschichte des Amtshofes zu hören. Dazu eingeladen hatten die Initiative Grundschule Atzbach im Amtshof (IGA), die Fotofreunde Lahnau und der Landfrauenverein Atzbach. Hintergrund sind die Schließung der Grundschule vor fast einem Jahr und die Pläne des Lahn-Dill-Kreises zum Anbau von sechs Klassenräumen für die Grundschüler an die Lahntalschule, die örtliche Gesamtschule. Mit Plakaten am Backhaus informierte die IGA über die Baupläne des Kreises und ihre Vorstellungen zur Sanierung des Amtshofes. Diese Sanierung diene der Grundschule und zugleich dem Erhalt des Kulturdenkmals.

Reinstädtler sagte, dass der Amtshof im 18. Jahrhundert eine bedeutende Rolle für Atzbach und weit darüber hinaus gespielt habe. Damals gehörte das Dorf zum nassauisch-weilburgischen Amt Gleiberg. Bis dahin gab es zwei Verwaltungen innerhalb des Amtes und man fand mit Atzbach einen gemeinsamen Standort, der etwa in der Mitte der beiden entferntesten Ortschaften lag - Salzböden und Niederkleen.

1726 eröffnete sich die Möglichkeit, das Amt in Atzbach unterzubringen, denn der Adelshof im Ort mit all seinen Gebäuden war gerade an den Fürsten zu Weilburg zurück gefallen. 1734 schließlich siedelten die Beamten von Gleiberg und Niederkleen nach Atzbach in den einstigen Adelshof. Die Anzahl der Menschen, die damals nach Atzbach kamen, soll beträchtlich gewesen sein. So kaufte das Amt noch zwei Häuser in der Landschreibergasse und mietete ein weiteres Gebäude in der Borngasse an.

Banner für die Ortsdurchfahrt mit der Auschrift: "Das ist unsere Schule!"

Auch die Zünfte suchten nach Räumen für ihre Zusammenkünfte. Als die Aufgaben des Amtes wuchsen und ein Sturm 1751 das Gutshaus stark beschädigte, wurde ein Neubau beschlossen. Angeordnet wurde, nach Angaben von Margot Reinstädtler, der Bau eines Amtshauses, eines Waisenhauses und einer Kirche.

Im ersten Bauabschnitt 1753/56 wurden das Amthaus und unweit davon das Stockhaus errichtet, eine Gefängnis mit zwei Zellen. Das Stockhaus wurde im vergangenen Jahrhunderte niedergrissen. 1772 ist der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe dreimal in Atzbach gewesen. Eine Plakette am Amtshof erinnert daran. 1816 wurde das Amt geschlossen. Der letzte Amtsmann Funkel verließ Atzbach, weil er zum ersten Landrat des neu geschaffenen Landkreises Wetzlar ernannt worden war.

1849 schließlich wurde auch das Justizamt aufgelöst, dessen Aufgaben das neue Amtsgericht in Wetzlar übernahm. Bis 1836 stand das alte Amtshaus zunächst leer und ging in den Besitz der preußischen Domänenkammer über. Im westlichen Teil zog eine Zigarrenfabrik ein. 1884 begann die Geschichte des Gebäudes als Schule.

Damals wurden zwei Schulsäle nebst Lehrerwohnung ihrer Bestimmung übergeben. Die derzeit 100 Schüler werden wegen der Bauschäden am Amtshof seit Februar 2010 in Krofdorf-Gleiberg unterrichtet.

Unter den Teilnehmern waren der Lahnauer Bürgermeister Eckhard Schultz (SPD) und Vertreter aller Lahnauer Parteien, der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer, die Kreis-Grünen Klaus Hugo und Heinz Schreiber sowie die Gemeindevertreter Thomas Kraft (SPD), Ronald Döpp (CDU), Martin Krohn (Grüne) und Bernd Weber (Freie Wähler).

Dem Rundgang schloss sich einer Kundgebung an. Die IGA entrollte ein Banner, übergab es Schulleiter Wolfgang Dinter mit der Bitte, dieses an der Ortsdurchfahrt zu befestigen. Darauf ist zu lesen: "Das ist unsere Schule!"

Brigitte Schwarz von der IGA gab bekannt, dass am 7. Februar im Lahn-Dill-Kreistag über den Haushalt beraten wird und damit auch über Mittel für Amtshof und Grundschule. Am selben Abend lädt die IGA um

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