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»Arche« für alte Apfelsorten

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Der Apfelbaum vor dem Gutshaus Engelbach ist einer der schönsten im Hessenpark. © Red

Herbstzeit ist Apfelzeit - und so gibt es »Apfel satt« am 22. und 23. Oktober im Hessenpark. Jeweils von 9 bis 18 Uhr dreht sich im Freilichtmuseum alles um das gesunde und beliebte Obst. Aber nicht nur am kommenden Wochenende kümmert sich der Hessenpark um Äpfel und vor allem um die Bäume. Im Freilichtmuseum werden besonders die alten Sorten gehegt und gepflegt.

Der Rheinische Winterrambur sieht sehr verführerisch aus mit seinen roten Bäckchen und seiner glänzenden Schale. Der Baum hängt noch voller Äpfel, also könnte man doch vielleicht gerade mal einen probieren? »Klar«, sagt Volker Weber und grinst, »aber er schmeckt nicht besonders.« Diese alte Apfelsorte wird im Hessenpark nämlich nur verwendet, um daraus Saft zu pressen, und nicht, um sie zu essen. Es handelt sich also um einen sogenannten Kelter- oder Wirtschaftsapfel.

Diese machen im Freilichtmuseum einen großen Teil aus, wie der Fachbereichsleiter Historische Landwirtschaft erklärt, und für sie gelten auch andere Kriterien als für einen Tafelapfel. »Ein guter Mostapfel muss Säure haben, und er muss safthaltig sein«, sagt Weber und nennt neben dem Winterrambur Sorten wie den Bohnapfel und den Trierer Weinapfel. »Weil man früher keine Kühlhäuser hatte, um die Äpfel zu lagern, war es für die Menschen einfacher, sie zu verarbeiten.«

Genauso wie es im Hessenpark zum Leitbild gehört, gefährdete Haustier-Rassen und besondere Pflanzen zu erhalten, so übernimmt er diese »Arche-Funktion« auch für alte Apfelsorten. Weber führt eine Liste, auf der auch der Standort eines jeden Baumes und dessen Verwendung verzeichnet ist. Er ist stolz, dass im Gelände inzwischen 54 Sorten bestimmt wurden, und dazu gehören viele altehrwürdige Sorten - von A wie Ananasrenette bis Z wie Zuccalmaglios Renette.

Insgesamt stehen 200 Bäume verstreut im Gelände, und der Chef-Landwirt berichtet von einer guten Ernte. Allerdings mit Einschränkungen, denn wegen des trockenen Sommers sind auch die Früchte trockener geraten. Und ein bisschen kleiner sind sie auch. Überhaupt kommen von den 54 Sorten nur 16 in den Verkauf. Die anderen werden gekeltert oder sie tragen nicht, weil sie entweder zu jung sind, die Äpfel aufgrund der Trockenheit abgeworfen haben oder alternieren, also im vergangenen Jahr getragen haben und dieses Jahr pausieren.

Aroma muss sich noch entwickeln

Trotzdem: 200 Kilogramm konnten bereits beim Erntefest verarbeitet werden. Weber schätzt, dass noch über eine Tonne Kelteräpfel beim Sortieren anfallen oder vom Baum geschüttelt werden, um bei den Apfeltagen am kommenden Wochenende, dem 22. und 23. Oktober, gekeltert zu werden. Inzwischen ist die Ernte auf dem Gelände übrigens fast durch, und vor allem das Speiseobst lagert längst im Kühlhaus. »Wegen der Hitze und der Trockenheit sind wir ein bis zwei Wochen früher als sonst«, erklärt Weber. Im Freilichtmuseum gibt es nur Hochstämme, nicht Spindelbäume oder Halbstämme wie in Plantagen. Bei Hochstämmen dauert es an die zehn Jahre, bis sie tragen. Weber ist aber der Meinung, dass zum Beispiel ein Gravensteiner nur als Hochstamm schmeckt. Denn: »Das Wuchsverhalten beeinflusst den Geschmack.« Er schätzt den süß-säuerlichen Apfel, der seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bekannt ist, genauso wie den Freiherr von Berlepsch, der an die 100 Jahre jünger, aber ebenfalls sehr aromatisch ist. »Er bleibt lange fest und ist würzig.«

Und noch einen Unterschied zu den Plantagenobstanlagen gibt es: Im Hessenpark wird der immer seltener werdende Streuobstbau gepflegt, bei dem die Bäume »verstreut« in der Landschaft stehen und die Äpfel mit umweltverträglichen Bewirtschaftungsmethoden bearbeitet werden. Als Bioland-Betrieb wird im Hessenpark natürlich auch das Obst nach Biorichtlinien bewirtschaftet. Große Keltereien sind auf große Mengen angewiesen und kaufen ihre Äpfel natürlich auch von entsprechenden Betrieben, aber auch sie wissen die Äpfel von Streuobstbäumen zu schätzen, wie Weber weiß.

Nur Hochstämme im Hessenpark

Weil aber auch im Hessenpark Bäume eingehen, wird in jedem Jahr neu gepflanzt. »Das ist auch wichtig, um alte Sorten zu erhalten«, sagt Weber - und bei Äpfeln, die »Fremdbefruchter« sind, nicht über den Samen, sondern nur über die lebende Pflanze möglich. Hier wird ein Jungtrieb abgeschnitten und auf eine geeignete Unterlage, zum Beispiel eine Quitte, aufgepfropft. Ein Vorgang, der sich »Veredeln« nennt. Dem Landwirt ist es auch wichtig, das Sortenspektrum abzurunden. Das ist nicht einfach, denn seltene Sorten gibt es nicht überall zu kaufen. Er möchte aber auf jeden Fall versuchen, die hessische Lokalsorte des Jahres, den Friedberger Bohnapfel, zu bekommen. Auch vom Heuchelheimer Schneeapfel hätte er gerne noch ein paar Bäume, da er nachgewiesenermaßen im mittelhessischen Heuchelheim, seinem Heimatort, entdeckt wurde. »Viele Sorten sind ja auch aus anderen Regionen oder sogar Ländern zu uns gekommen, was ein Glück für unsere Sortenvielfalt ist.«

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Bereit für die Kelter: Im Hessenpark gibt es beim Apfelfest frisch gepressten Süßen. © Red

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