Bis zu 100 Arbeitsplätze im US-Depot gefährdet

Gießen (si). Im Warenverteilungszentrum der amerikanischen Streitkräfte (AAFES) im Oberlachweg/Rödgener Straße droht ein weiterer Personabbau. Bis zu 100 Stellen könnten gestrichen werden, sagte Dienststellenleiter Dale Fricker bei einer Personalversammlung.

Zur Zeit sind dort noch 430 zivile Mitarbeiter beschäftigt, damit wäre knapp jeder vierte Arbeitsplatz gefährdet. Diese Zahl entspricht dem Umsatzverlust, den das Depot nach Frickers Angaben in den vergangenen drei Jahren verzeichnete. Demnach hat AAFES seit 2008 von Gießen aus etwa 25 Prozent weniger Waren an Armee-Standorte in aller Welt geliefert.

Fricker zufolge setzt Arbeitgeber AAFES (Army and Air Force Exchange Service) nicht gleich und nicht vorrangig auf Entlassungen. Alternative sei eine 30-Stunden-Woche für alle Beschäftigten ohne Lohnausgleich. Zumindest ein Teil des Personalabbaus könne auch über Vorruhestandsregelungen und vorzeitige Auflösungen von Arbeitsverträgen erreicht werden. Fricker deutete an, dass es in diesen Fällen Abfindungen geben könnte. Details erfahren die Beschäftigten allerdings nur dann, wenn sie sich bis Ende nächster Woche an die Dienststellenleitung wenden. Da läuft das Angebot angeblich auch aus. Eine Anfrage der Allgemeinen Zeitung dazu ließ Fricker gestern unbeantwortet.

Dagegen bestätigte die Betriebsvertretung die Angaben aus der Personalversammlung. Vorsitzender Manfred Muth räumte ein, dass die täglichen Lieferungen "drastisch" zurückgegangen seien. Mit der 30-Stunden-Woche könne der Umsatzverlust nicht aufgefangen werden, selbst wenn alle mitmachten. Viele Bedienstete könnten sich den Lohnverzicht jedoch gar nicht leisten. Unter den 430 Mitarbeitern – 20 US-Zivilbeschäftigte eingerechnet – hat jeder zweite einen Job als Arbeiter, viele sind angelernt. Etliche kämen bei einer Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich in die Nähe von "Hartz-IV". Muth forderte deshalb nachdrücklich "sozialverträgliche Lösungen", die die besondere Situation im Depot berücksichtigen. Viele Mitarbeiter sind älter und dort schon sehr lange beschäftigt. Dass es ganz ohne Stellenabbau gehen könnte, glaubt allerdings auch die Betriebsvertretung nicht.

Damit bekommt das US-Depot jetzt mit zeitlicher Verzögerung die Änderung der weltpolitischen Lage zu spüren. Hatte der Standort im letzten Jahrzehnt noch von verschiedenen Kriegseinsätzen des US-Militärs profitiert, macht ihm jetzt dessen Rückzug – etwa aus dem Irak – zu schaffen. Denn das Gießener Depot hat zwar längst nicht mehr die Bedeutung wie vor 20 Jahren; als noch rund 1600 zivile Beschäftigte auf dem Gelände an der Rödgener Straße arbeiteten. Es ist aber immer noch das weltgrößte Warenverteilungszentrum der US-Armee außerhalb der Vereinigten Staaten. An- und ausgeliefert werden hier zivile Güter aller Art: vom Keks über die Cola-Dose bis zur Matratze – übrignes nicht nur an Truppen, sondern auch an US-Botschaften in aller Welt.

Nach den Plänen, die die US-Streitkräfte im letzten Jahr verkündeten, sollte das Depot in Gießen 2015 eigentlich ganz geschlossen und das Zentrum nach Germersheim in Rheinland-Pfalz verlegt werden. Nach Angaben der Betriebsvertretung ist jedoch fraglich, ob dieser Termin eingehalten wird. In Germersheim stünden zwar die Lagerhallen. Insgesamt seien dort aber Investitionen von rund 23 Millionen Euro notwendig, um den Standort herzurichten.

Derzeit sei völlig unklar, ob das Geld dafür bereitgestellt werde, sagte Muth. Eine Aufgabe des Gießener Depots vor 2015 – die zwischenzeitlich auch schon diskutiert wurde – sei aus heutiger Sicht ausgeschlossen, sagte Muth.

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