Arbeitslosigkeit steigt weiter an

  • vonGerd Chmeliczek
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Nürnberg/Gießen- Die Corona-Krise nimmt dem deutschen Arbeitsmarkt weiter die Luft zum Atmen: Völlig untypisch für einen Mai ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum April noch einmal um 169 000 Menschen auf 2,813 Millionen gestiegen. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, geht davon aus, dass inzwischen 578 000 Menschen wegen der Folgen der Corona-Pandemie in die Arbeitslosigkeit gerutscht sind. Immerhin hat sich die Zahl der Neueinstellungen im Mai im Vergleich zum April etwas gefangen.

Die Arbeitslosigkeit ging im Mai weniger stark nach oben, als im April. Damals waren mehr als 300 000 Menschen wegen der Corona-Krise in die Arbeitslosigkeit gegangen. Für den Juni prognostizierte Scheele ein weiteres Abflachen des Anstiegs, aber noch keine Rückkehr zu einer annähernd normalen Situation.

Die Bundesagentur geht aufgrund einer Schätzung davon aus, dass bis zum 30. April rund sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit gewesen sind - in der Spitze könnten es sogar 7,5 Millionen werden. Bis Ende März waren es Hochrechnungen zufolge 2,02 Menschen. Der bisherige Höchststand war im Mai 2009 in der Finanzmarktkrise mit 1,44 Millionen Menschen erreicht worden.

Im Mai wurde von den Unternehmen für weitere 1,06 Millionen Menschen Kurzarbeit angezeigt, sagte Scheele. Diese kommen zu den bereits zuvor getätigten Anzeigen für 10,66 Millionen Menschen hinzu. Die Zahl der tatsächlichen Kurzarbeiter liegt erfahrungsgemäß deutlich darunter, weil Unternehmen die Anzeigen zum Teil vorsorglich vornehmen.

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist erneut sprunghaft gestiegen. Im Mai waren 192 149 Frauen und Männer im Land arbeitslos gemeldet. Das waren 8,8 Prozent mehr als im April und satte 29 Prozent mehr als im Mai 2019. Die Arbeitslosenquote kletterte binnen eines Monats um 0,4 Prozentpunkte auf nun 5,6 Prozent. Gut 15 500 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz.

Für den Zeitraum März bis Mai wurden bei den Arbeitsagenturen fast 61 000 Anzeigen für Kurzarbeit erfasst. Sie umfassen knapp 840 000 Menschen - weit mehr als im Krisenjahr 2009 nach der Finanzkrise. Zugleich fiel die Zahl der offenen Stellen im Mai um mehr als 27 Prozent auf 39 727. Auch die Zahl der Ausbildungsstellen sank. Martin sieht aber auch Lichtblicke. So sei die Bereitschaft, Mitarbeiter einzustellen, in einzelnen Branchen wieder gestiegen, zum Beispiel im Baugewerbe und im Gesundheitswesen.

Rückgang im Vogelsbergkreis

Auch in der Region ist der Arbeitsmarkt unter Druck, allerdings lässt die Dynamik etwas nach, wie der Gießener Agenturchef Eckhart Schäfer erklärt. 19 719 Menschen waren im Mai in den Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau arbeitslos gemeldet. 1065 mehr als im April. Die Quote stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent im Vergleich zum April. Ein Jahr zuvor waren im Mai 3547 Arbeitslose weniger registriert. Damals lag die Arbeitslosenquote bei 4,4 Prozent.

Sorgen macht Schäfer die Zahl der Menschen, die eine neue Arbeitsstelle antreten. Diese sei vergleichsweise klein. Arbeitgeber seien zurückhaltend mit Neueinstellungen. Besonders Jugendliche hätten es derzeit schwer. "Daher appellieren wir an die Arbeitgeber, jungen Menschen wie üblich einen Ausbildungsplatz anzubieten und einzustellen", erklärt Schäfer.

Beim Blick in die Landkreise ergibt sich ein uneinheitliches Bild: Während im Landkreis Gießen und im Wetteraukreis ein deutlicher Zuwachs verzeichnet ist, ist die Arbeitslosigkeit im Vogelsbergkreis gesunken. Das liegt laut Schäfer zum einen daran, dass es dort weniger Unternehmen gebe, die besonders anfällig für konjunkturelle Schwankungen seien. Zum anderen sehe man die Effekte der demografischen Entwicklung: Der Anteil der älteren Arbeitnehmer steige, die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt sei dadurch nicht so groß wie in anderen Kreisen. Die Zahlen im Einzelnen:

Arbeitslosigkeit

Kreis Gießen:Hier waren im Mai 9206 Menschen erwerbslos gemeldet, 600 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 auf 6,2 Prozent. Im Mai 2019 lag die Quote bei 5,2 Prozent. Damals waren 1624 Menschen weniger registriert.

Wetteraukreis:Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 484 auf 8103 Personen. Die Quote kletterte um 0,2 auf 4,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren im Mai dieses Jahres 1684 Erwerbslose mehr gemeldet. Die Quote lag bei 3,8 Prozent.

Vogelsbergkreis:2410 Menschen waren im Mai 2020 arbeitslos gemeldet, 19 weniger als im April. Die Quote sank um 0,1 auf 4,1 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 239 Erwerbslose weniger gemeldet. Die Quote lag damals bei 3,7 Prozent.

Kurzarbeit

Im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen haben im Mai 631 Betriebe eine Anzeige auf Kurzarbeit gestellt. Zum Vergleich: Im April waren es noch mehr als siebenmal so viele. Seit Beginn der Corona-Krise haben 5854 Betriebe eine entsprechende Anzeige gestellt. Bis zu 63 462 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Menschen sind oder waren potenziell davon betroffen. In den drei Landkreisen gibt es insgesamt 17 114 Betriebe mit 220 600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Das heißt, dass in etwa jeder dritte heimische Betrieb Kurzarbeit angemeldet hat und knapp jeder dritte Arbeitnehmer potenziell betroffen ist. Die Zahlen im Einzelnen:

Kreis Gießen:255 Betriebe haben im Mai eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, von der insgesamt bis zu 3855 Beschäftigte betroffen waren. Rechnet man die Anzeigen von März und April hinzu, sind 2276 Betriebe und bis zu 26 519 Personen betroffen.

Wetteraukreis:299 Betriebe haben im Mai eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, bis zu 4164 Beschäftigte sind betroffen. Insgesamt sind 2733 Betriebe und bis zu 27 684 Personen betroffen.

Vogelsbergkreis:77 Betriebe haben im Mai Kurzarbeit angemeldet, 830 Beschäftigte sind potenziell betroffen. Zusammen mit den Monaten März und April sind im Vogelsbergkreis aktuelle 845 Betriebe und bis zu 9259 Personen betroffen. dpa/gäd

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