Arbeitslosigkeit in Hessen weiter gesunken

Hessens Arbeitsmarkt ist in so guter Verfassung wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Aber immer noch gibt es viele Langzeitarbeitslose. Wie können auch sie noch in existenzsichernde Jobs gebracht werden?

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Arbeitslosigkeit in Hessen ist im Mai weiter zurückgegangen. Zum Stichtag waren 171 125 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Frankfurt am Dienstag mitteilte. Das waren im besten Mai seit 23 Jahren 2,8 Prozent weniger als im April und 3,5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 5,2 Prozent.

Die Zahl der offenen Stellen stieg nach Angaben der Behörde zuletzt stark und lag mit 48 700 um gut 18 Prozent über dem Vorjahresmonat. Die stabile Nachfrage habe dafür gesorgt, dass auch Langzeitarbeitslose, Ältere und Menschen ohne deutschen Pass von der aktuellen Entwicklung profitieren konnten.

Der Arbeitsagentur zufolge können die hessischen Betriebe ihre Stellen auch deswegen besetzen, weil zunehmend Fachkräfte aus dem Ausland eingestellt würden.

"Ohne Zuwanderung wäre das Beschäftigungswachstum im letzten Jahr gar nicht möglich gewesen, und auch in Zukunft werden wir weiter Fachkräfte aus dem Ausland benötigen", erklärte Direktionschef Frank Martin in einer Mitteilung.

Nach der jüngsten Auswertung zum 30. September 2015 waren von rund 2,8 Millionen Beschäftigten in Hessen etwa 379 000 Ausländer, was einem Anteil von knapp 14 Prozent entspricht. Ihre absolute Zahl sei binnen eines Jahres um 7,7 Prozent gestiegen, wofür vor allem Bulgaren, Rumänen und Kroaten gesorgt hätten. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ist bis Ende März auf 2,448 Millionen gewachsen. Das waren 2,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Trotz des langen und stabilen Aufschwungs verbleibt eine große Zahl von Menschen ohne Job. Die Agentur bezifferte die Unterbeschäftigung in Hessen auf 227 900 Menschen. Gezählt werden neben Arbeitslosen auch kurzfristig Arbeitsunfähige und Besucher von Förderkursen.

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) kritisierte, seit 2012 sei die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Hessen auf 65 000 gestiegen. Die Jobcenter müssten die Menschen besser unterstützen, gesundheitliche Einschränkungen erfassen und schnell Reha-Maßnahmen einleiten, erklärte VhU-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender. Auch müssten Langzeitarbeitslose zum Einstieg zwölf statt bislang sechs Monate unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns bezahlt werden können.

Der DGB wandte sich dagegen, ältere Arbeitslose vorzeitig in die Rente zu drängen. Die Bundesregierung habe es im Zuge ihres Hartz-IV-Rechtsvereinfachungsgesetz versäumt, die vorzeitige "Zwangsverrentung" von Hartz-IV-Empfängern zurückzunehmen, erklärte die hessische DGB-Vorsitzende Gabriele Kailing: "Die Rentenabschläge, die ältere Arbeitslose dadurch hinnehmen müssen, machen die allermeisten von ihnen lebenslang arm."

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