"Aquariohm" offiziell eingeweiht

Mücke (rs). "Geht mal nach Mücke, da sieht man, wie man mit Engagement etwas erreichen kann", "Mücke hat Modellcharakter" - mit diesen Feststellungen machten am Freitagabend die beiden Landtagsabgeordneten Manfred Görig (SPD) und Kurt Wiegel (CDU) deutlich, dass sie der Wandel vom maroden Hallenbad zum modernen und vor allem atmosphärisch gelungenen "Aquariohm" beeindruckt hat.

In einer Zeit des Bevölkerungsrückganges und der angespannten öffentlichen Haushalte haben die Bürgergenossenschaft Hallenbad, der Förderverein und die Kommunalpolitik letztlich an einem Strang gezogen, wurde bei der offiziellen Eröffnungsfeier im Hallenbad deutlich.

Ein umfassender Rückblick von Dr. Thorsten Reichel zeigte, dass das jetzt vielgelobte Ergebnis vor viereinhalb Jahren bei ersten Treffen von Bürgern in zunächst kleinem Kreis keineswegs absehbar gewesen war. Inzwischen ist das Hallenbad seit vier Monaten wieder geöffnet und wird sehr gut angenommen, wie Vorstandsmitglied und Betriebsleiter Günter Zeuner, berichtete. Es wurden bereits 12 000 Besucher gezählt.

Rund 70 geladene Gäste hatte sich am Freitagabend zunächst im Eingangsbereich und auf der Terrasse des Bades eingefunden, bevor es - die Schuhe in Kunststoffhüllen, mit Badeschlappen oder auch barfuß - in die Ruhezone zur Einweihungsfeier ging.

Aus dem Hintergrund instrumentale Klänge der Gruppe "Ayers Rock", dazu die indirekte Beleuchtung an den Wänden und die sich in der Spiegeldecke wiederfindenden Unterwasserscheinwerfer - das grundlegend erneuerte Hallenbad verbreitete Wohlfühlatmosphäre pur. Gekommen waren zur Einweihung neben den Vertretern der Bürgergenossenschaft und des Fördervereines die Spitzen der Kommunalpolitik, eingeladen worden waren auch Berater von außerhalb, die den langen Weg bis zum wieder funktionierenden Badebetreib mit Rat und Tat unterstützt hatten.

"Nach den Reden können Sie sich vom ordnungsgemäßen Zustand des Bades persönlich überzeugen", lud Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Bürgergenossenschaft, Matthias Weitzel, die Gäste ein, nach offizieller Einweihung und Buffet eine Runde zu schwimmen. Die wenigen Monate nach der Wiedereröffnung zeigten, dass das Hallenbad sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickele. Schaue man sich in Schwimmhalle und den teilweise neuen Nebenräumen um, müsse man feststellen, dass sich das Unternehmen gelohnt habe.

Günter Zeuner, stellvertretender Vorsitzender der Bürgergenossenschaft, dankte allen, die geholfen haben, das Projekt zu verwirklichen. Denn ohne das Bürger-Engagement sei das Vorhaben nicht umzusetzen gewesen. Dieses Engagement sei in der größten Demonstration in Mücke gegipfelt, bei der rund 1000 Menschen im Vorfeld einer Gemeindevertretersitzung für den Erhalt des Bades eingetreten seien. Die folgende Schließung des Bades habe Menschen motiviert, sich für die Wiedereröffnung einzusetzen, und mit Experten verschiedener Fachrichtungen habe man dafür eine solide Grundlage gelegt.

Zur Erfolgsgeschichte des Wiederaufbaues gehöre auch die Beratung durch Initiativen von außerhalb, so durch den Hallenbadverein Buseck und die Bürgergenossenschaft in Hochheim, die letztlich den Ausschlag gegeben habe, es in Mücke ebenfalls in dieser Rechtsform zu versuchen. Dazu gehöre dann auch der besondere Dank an den Genossenschaftsverband und dessen Vertreter Kaiser, der den Mücker Aktivisten den richtigen Weg gewiesen habe.

Zeuner erinnerte auch daran, dass sich nach dem Schaffen der formalen Voraussetzungen für eine Sanierung und Wiedereröffnung viele Bürger zu Arbeitseinsätzen gefunden hätten. Zehn Samstage habe Koordinator Holger Seng veranschlagt, letztlich seien es dank der vielen helfenden Hände nur neun Wochenendeinsätze geworden.

So sei es u. a. gelungen rund 20 Tonnen Metall aus dem Gebäude zu entfernen. Nach der Wiederinbetriebnahme des Hallenbades laufe das ehrenamtliche Engegament weiter, so etwa durch die Wasserwacht, die sich bei der Badeaufsicht zu einer tragenden Säule des Vorhabens entwickelt habe. Zu den guten Besucherzahlen aus der Bürgerschaft komme noch das Schulschwimmen hinzu, berichtete Zeuner. Die Schottener Reha sei jetzt mit mehr Gruppen vertreten als vor der Schließung, und montags sei jetzt neu das Vereinsschwimmen fest im Programm. Angeboten würden zudem Baby- und Kinderschwimmen, insbesondere letzteres werde sehr stark nachgefragt. Im Programm seien ferner Aquajogging und Aquafitness sowie viele andere Kurse, die mit Aqua beginnen. Als Renner habe sich auch der "Kindergeburtstag im Bad" erwiesen. Man habe bereits drei Großveranstaltungen im Hallenbad ausgerichtet, sagte Zeuner, weitere seien geplant.

Zudem strebe man freitags Wellnessabende an, Gesundheitstage mit örtlichen Firmen seien in Planung. Neben den vielen ehrenamtlichen Helfern werde der Badebetrieb und das gastronomische Angebot von inzwischen 23 Beschäftigten aufrecht erhalten, diese Mitarbeiter hätten auch das Buffet zum Abend erstellt.

Dr. Thorsten Reichel stellte dann umfassend den Werdegang des Hallenbades von einem wenig einladenden Betonklotz mit maroder Technik und hohen Betriebskosten zum modernen Wohlfühlbad vor, damit einhergehend auch die Entwicklung der Bürgerbewegung, bei der ein kleiner engagierter Kreis von vielen Unterstützern getragen worden sei. Die offizielle Einweihung sei nun ein bewegender Augenblick nach viereinhalb Jahren des Suchens, des Überlegens und der harten Arbeit. Zufrieden bilanzierte Reichel, dass von den im Vorfeld bei einer Bürgerbefragung herausgekommenen Antworten, wie sich die Menschen "ihr" Bad wünschen würden, alles außer einem Whirlpool umgesetzt worden sei. I

SPD-Landtagsabgeordneter Manfred Görig wertete es als besonders positiv, dass sich aus dem ersten Bürgerprotest gegen die Schließung des Hallenbades dann eine konstruktive Bürgerbewegung zur Wiedereröffnung ergeben habe.

CDU-Landtagsabgeordneter Kurt Wiegel erinnerte daran, dass es unter anderem die Mücker Union gewesen sei, die in Wiesbaden gedrängt habe, das Land müsse mal was für die Hallenbäder tun. Schließlich habe die Landesregierung ein 50-Millionen-Euro-Programm auf zehn Jahre eingerichtet, und Mücke habe aus diesem Fördertopf über 600 000 Euro erhalten. Bei aller Förderung auch durch die Gemeinde bleibe als wichtigstes Element das Bürgerengagement.

Vor diesem Hintergrund habe die Mücker Variante durchaus Modellcharakter.

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