Annie aus Neukölln traf ins Schwarze

Wetzlar (mfr). Mehr als 100 Schüler aus dem Berliner Stadtteil Neukölln - seit 50 Jahren partnerschaftlich mit Wetzlar verbunden - wirken an einer Inszenierung des Musicals "Annie get your gun" mit, das am Dienstag in der Wetzlarer Stadthalle aufgeführt wurde.

Wetzlar (mfr). Der Berliner Stadtbezirk Neukölln ist seit 50 Jahren Partnerstadt von Wetzlar. Mehr als 100 Schüler des Neuköllner Albert-Einstein-Gymnasium wirken an einer Inszenierung des Musicals "Annie get your gun" mit. Nun ist das Musical auf Tournee. Am Dienstagabend fand eine großartige Aufführung in der Wetzlarer Stadthalle statt.

Berlin-Neukölln ist zuletzt durch die Ereignisse der Rütli-Schule in den Medien präsent gewesen. Sicher ist die Inszenierung von "Annie get your gun", welches seit der Premiere für Furore sorgt, ein kulturelles Glanzlicht. Wetzlars Oberbürgermeister Wolfram Dette freute sich in seinen Begrüßungsworten über die Kooperation der Berliner mit der Wetzlarer Musicalgruppe der Goetheschule. Zur Einstimmung sangen die Wetzlarer Schüler einen Song aus ihrem neuen Musical "Dr. Jekyll and Mr. Hyde", ehe die Bühne für "Annie get your gun" freigegeben wurde.

Amerika um 1880: "Buffalo Bill`s Wild West Show" gastiert in Cincinnati; geworben wird mit einem Wettschießen gegen den Star-Schützen Frank Butler (Paolo Patané). Annie Oakley (Joelle Balan), eine tollkühne, derbe Frau vom Land, nimmt an dem Wettschießen teil und gewinnt. Die Showveranstalter engagieren Annie zunächst als Butlers Assistentin. Beide verlieben sich ineinander. Doch Butler ist auf Annies wachsenden Erfolg eifersüchtig und verlässt die Show zu einem Konkurrenzunternehmen. Beiden Shows geht das Geld aus. In einem furiosen Finale, bei dem auch Indianerhäuptling "Sitting Bull" (Kevin Tribowski) anwesend ist, treten Annie und Frank noch einmal gegeneinander an...

Geschickt hatten die Berliner den Zuschauersaal längs geteilt, so dass es genügend Platz für die hervorragenden Choreografien (Britta Köhler) gab. Indianertänze, Ballabende, Zugfahrten, Tanzeinlagen und Schießwettbewerbe fanden auf Augenhöhe der Zuschauer statt, während das Orchester auf der Bühne spielte. Das Tempo der Inszenierung war furios. Gelungene Tänze unterstüzten die Gesangsparts, fließende Auf- und Abgänge ließen keine Pause aufkommen. Die szenischen Handlungen gingen ineinander über, so dass fast drei Stunden schnell vergingen.

Joelle Balan brillierte in ihre Hauptrolle. Mit sympathisch, unbekümmertem Charme sang und spielte sie sich in die Herzen der Zuschauer. Ihre Wandlung von einem burschikosen "Flinten-Weib" bis zur ladyhaften Attraktion einer Wild-West-Show wirkte überzeugend. Auch die Gesangseinlagen waren stimmlich ein Genuss. Das Musical lebte von der Spannung zwischen Annie und Frank, den Paolo Patané süffisant spielte. Komischer und erotischer Höhepunkt zugleich war eine Kussszene zwischen Annie und Frank, bei der das Publikum stürmisch applaudierte. Insgesamt spielten die Darsteller mit energischem Charme, dem man das Herzblut anmerkte. Für manchen Darsteller dürfte diese aufwendige Inszenierung - allein die Proben nahmen zwei Jahre in Anspruch - ein Sprungbrett zu einer Musicalkarriere sein. Genügend Talent sahen die 200 Zuschauer an diesem Abend. Stehend wurde lange applaudiert.

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