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Angeklagter: »Auf einmal war überall Blut«

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Gießen/Bad Nauheim (ti). Ein brutales Verbrechen schockte im vergangenen Sommer die Menschen in der Wetterau. Die Rechtsanwältin Karin Prokein wurde am 22. Juni in ihrer Kanzlei in der Küchlerstraße in Bad Nauheim tot aufgefunden (die AZ berichtete).

Das Obduktionsergebnis ergab, dass die 48-jährige Geschäftsführerin der Parkinson-Klinik erwürgt worden war. Der Verdacht fiel auf einen Geschäftspartner, der sich seit Donnerstag wegen Totschlages vor der Fünften Großen Strafkammer des Gießener Landgerichtes verantworten muss. Der 46-jährige Ägypter machte zwar Angaben, den Totschlag räumte er allerdings nicht ein. Als er das Büro verlassen habe, habe die Frau noch geatmet, versicherte er dem Schwurgericht.

Laut der Aussage des 46-Jährigen sei es am 22. Juni, einem Sonntag, zu einem Streit zwischen den beiden gekommen, der dann eskalierte. Karin Prokein habe ihn in der Küchlerstraße - dort hatte auch der Angeklagte aufgrund seiner geschäftlichen Beziehungen zu dem Opfer ein Büro - aufgesucht. »Sie hat mich angeschrien und mir eine gescheuert.« Reflexartig habe er zurück geschlagen, so dass ihre Nase zu bluten begann. Daraufhin habe sie ihn geschubst, und er fiel zu Boden. »Sie hat mich angespuckt und wie einen Hund behandelt«, sagte der 46-Jährige unter Tränen aus. »Auf einmal war überall Blut. Mein Hemd und mein Hose waren voll«, so der Ägypter, der sich nicht mehr daran erinnern konnte, die Frau vor ihrem Tod gewürgt oder auch nur seine Hände an ihrem Hals gehabt zu haben. »Ich weiß nicht, wie das gekommen ist.«

Der Angeklagte behauptete, dass die Juristin noch gelebt habe, als er das Gebäude verließ. Erst später habe er von ihrer Freundin erfahren, dass Karin Prokein tot ist. Jener Freundin, die er von unterwegs aus angerufen und gebeten hatte, den Ehemann des Opfers über den Vorfall zu informieren. »Da ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich das gemacht haben soll mit dem Menschen, den ich liebe.« Denn angeblich hatten die beiden fünf Jahre lang ein heimliches Verhältnis. Zwei Tage vor der Tat rief er jedoch bei Mutter und Ehemann der 48-Jährigen an, weil er sie selbst nicht erreichen konnte - gegen die Abmachung, denn die Klinikchefin habe die Beziehung geheim halten wollen. Am Sonntag sei sie dann im Büro erschienen und habe ihn deswegen beschimpft. Seine Reaktion: »Ich habe ihr gesagt, ich gehe zu deiner Familie.« Er wollte alles offenbaren. Die Situation eskalierte. Was den Angeklagten möglicherweise zu der Tat bewegt haben könnte, ist noch unklar. Zur Sprache kam am Donnerstag die Beziehung des Opfers zu einem anderen Mann. Der 46-Jährige behauptete aber, die Verbindung zwischen diesem Mann und Karin Prokein sei rein geschäftlich und er deswegen keinesfalls eifersüchtig gewesen.

Auch finanzielle Probleme wurden thematisiert. Zwar hatte der Ägypter vor Jahren Verbraucherinsolvenz anmelden müssen. Nun beteuerte er allerdings, das seien Schulden seiner Frau gewesen. Er habe von der Parkinson-Klinik monatlich 3000 Euro brutto bekommen. Der Ägypter unterstützte die Aktivitäten seiner angeblichen Geliebten im arabischen Raum. Prokein versuchte dort, Patienten zu akquirieren. Ihr Partner war als Berater und Dolmetscher tätig. Gemeinsam hatten die beiden vor Jahren in Kairo die »GermanHealth Group« gegründet. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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