Ambitionierte Neubau-Projekte im Lahntal

Gießen/Marburg (süd). Es tut sich was im Lahntal: Wer von Universitätsstadt zu Universitätsstadt blickt, von Gießen nach Marburg, kann dort vielfältige Bautätigkeiten beobachten. Darunter einige Hochkaräter, sprich Firmen, die hier neu bauten oder bauen beziehungsweise ihre Standorte stärken – und somit Arbeitsplätze sichern.

Nur einige Beispiele in Stichworten: In Lollar will die Firma Bosch KWK-Systeme (früher Köhler und Ziegler) eine 20 000 Quadratmeter große Produktionshalle für bis zu 350 neue Mitarbeiter dem bisherigen Firmengelände (Justus-Kilian-Straße) angliedern. Ein neues Kompetenzzentrum für Elektro-Wärmepumpen soll hier entstehen.

Der Optikmaschinenhersteller Schneider aus Steffenberg baut seinen neuen Hauptsitz mit 150 Arbeitsplätzen in Fronhausen. Auf einem über 50 000 Quadratmeter großen Grundstück entsteht zurzeit ein zweigeschossiger Gebäudekomplex, in dem die Verwaltung, das Entwicklungszentrum, Ausstellungsräume und ein Schulungszentrum untergebracht werden. Hinzu kommt eine eingeschossige Produktionshalle mit Hochregallager. Geschäftsführer Gunter Schneider unterstrich bei Baubeginn die Nähe zu den beiden Universitätsstädten Gießen und Marburg sowie die gute Verbindung nach Frankfurt und zum Flughafen.

In unmittelbarer Nähe zu Schneider hat die Firma Seidel ihr neuestes Werk in Betrieb und produziert dort vor allem Design artikel für die internationale Kosmetikbranche. Seidel hat – zwei weitere Standorte in Mittelhessen eingeschlossen – rund 650 Mitarbeiter.

Bekenntnis zum Standort

Ein weiteres ambitioniertes Projekt, dieses in Marburg: Dort entsteht ein Informations- und Kongresszentrum, Bauherr ist der Unternehmer Reinfried Pohl, Stifter und Vorsitzender des Kuratoriums der Dr. Reinfried Pohl-Stiftung mit Sitz in Marburg. Untergebracht wird dort auch der Firmensitz der von Pohl gegründeten Deutschen Vermögensberatung. Mehr als 40 Millionen Euro werden investiert. Künftig sollen in dem Zentrum jährlich rund 50 000 Vermögensberater aus- und weitergebildet werden. Der Neubau ist für Pohl ein Bekenntnis zum Standort Marburg.

Für den Regierungspräsidenten sind all diese Aktivitäten erfreulich. Denn Dr. Lars Witteck begrüßt sie auch und vor allem unter dem Aspekt, Fachkräfte an die Region zu binden. Im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung sagte er, es gebe ein großes Potenzial, unter anderem die rund 60 000 Studierenden an den Hochschulen. "Wir müssen möglichst viele von denen halten." Dazu sollten ihnen die Vorteile Mittelhessens vor Augen geführt werden. Ein Beispiel, das Witteck vorschwebt: Führe ein Bewerber ein Vorstellungsgespräch in einer Firma, könnte das Regionalmanagement als Service Familienmitglieder durch die Region führen, ihnen das Schloss in Marburg, den Limburger Dom, den Botanischen Garten in Gießen, Kindergärten und Schulen zeigen und damit verdeutlichen: "Hier kann man leben, ausgehen und einkaufen". Die Familien rund um den Bewerber müssten überzeugt werden, so der RP. Das biete so noch niemand an, "keiner fühlt sich für die Region verantwortlich". Witteck will dabei auch gegen das kleinteilige Denken angehen. Und die Stärken des Lahntals sollten offensiver herausgestellt werden. Dazu gehört vor allem die Wissenschaft vor Ort mit zwei Voll-Universitäten innerhalb von 30 Kilometern, daneben eine Technische Hochschule mit Dependancen in der Region.

Mittelhessen sollte Themen setzen beziehungsweise sich auf Stärken konzentrieren. Fachkräfte – Bildungsregion – grüne Technologien sind drei beispielhafte Stichworte, die der Regierungspräsident nannte.

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