Im Frühjahr überfällt viele Menschen die große Müdigkeit. Der Körper stellt von Winter- auf Sommermodus um. Das geht nicht bei jedem problemlos. Hinzukommen die Zeitumstellung und die Sorgen und Ängste durch die Corona-Krise, die nicht wenigen den gesunden Schlaf rauben. FOTO: DPA/FREYA ALTMÜLLER
+
Im Frühjahr überfällt viele Menschen die große Müdigkeit. Der Körper stellt von Winter- auf Sommermodus um. Das geht nicht bei jedem problemlos. Hinzukommen die Zeitumstellung und die Sorgen und Ängste durch die Corona-Krise, die nicht wenigen den gesunden Schlaf rauben. FOTO: DPA/FREYA ALTMÜLLER

Alljährliches großes Gähnen

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
    schließen

Der Frühling ist da, eigentlich möchte man jetzt raus, an die Luft, in die Sonne, in die Natur. Doch Corona bremst unseren normalen Rhythmus aus. Und dann ist da auch noch diese jahreszeitlich bedingte Trägheit. Was tun?

Noch hält uns die eisige Kälte aus Russland vom Drang nach draußen etwas ab. Doch am Wochenende sollen laut Wetterdienst die Temperaturen steigen. Passend zu Ostern. Allerdings beschleicht viele gerade jetzt eine jähr- lich wiederkehrende Faulheit: die Frühjahrsmüdigkeit. Und dann sorgt auch noch das um sich greifende Coronavirus für einschneidende Einschränkungen. Trotzdem muss man sich nicht auf die faule Haut legen. Ein paar Ratschläge hat Diplom-Psychologe Werner Cassel vom schlafmedizinischen Zentrum des Universitätsklinikums Gießen-Marburg auf Lager.

Es ist nicht allein die berühmte Frühjahrsmüdigkeit, die vielen Menschen derzeit Probleme bereitet, sie träge und missmutig macht oder sogar deprimiert. Die Corona-Krise macht zusätzlichen Stress und nicht zuletzt Angst vor der Zukunft. Die Ungewissheit, wie lange die aktuellen Einschränkungen noch notwendig sein werden und ob sie gar noch verschärft werden müssen, raubt vielen im wahrsten Sinne des Wortes den Schlaf, berichtet Cassel. Das wiederum mindere die Leistungsfähigkeit und könne sich negativ auf das Immunsystem auswirken. Cassel gibt zu bedenken, dass es unserer Gesellschaft bis vor ein paar Wochen noch "fast übernatürlich gut" gegangen sei. Besser als früheren Generationen, für die Existenzängste das tägliche Brot waren: Überleben alle Familienmitglieder die harten Wintermonate, reichen die Vorräte? Das seien Fragen, die man sich heute in unserer Gesellschaft nicht mehr stellen müsse. Umso eher entwickelten sich Ängste, wenn sich die Situation so ändere wie aktuell durch Corona. Um diese Ängste bewältigen und mit ihnen umgehen zu können, müsse man versuchen, "die Situation von außen anzuschauen". Das heißt: "Das Virus existiert weltweit. Aber wo möchte ich jetzt lieber sein? In Italien, Indien, Großbritannien? Oder in Deutschland?" Hierzulande gebe es immer noch die geringste Todesquote durch Corona. "Man sollte deshalb richtig vorsichtig sein, sich aber auch nicht von der Angstmaschinerie ersticken lassen", sagt Cassel. "Wir werden von allen Seiten mit der Angst bombardiert." Der Experte rät deshalb auch zu einer "Corona-Pause im Kopf": Nach 20.15 Uhr keine Nachrichten mehr schauen oder im Internet nach der aktuellen Totenzahl recherchieren. "Diese Informationen reichen auch noch am nächsten Morgen." Stattdessen einen Krimi lesen oder einen Liebesfilm gucken, ein gutes Buch lesen, mit der Familie Spiele spielen. Und man sollte sich bewusst auch darauf fokussieren, sich etwas Schönes vorzunehmen, "wenn die Welt wieder funktioniert. "Dann klappt auch das Schlafen besser."

Bleibt aber noch die Frühjahrsmüdigkeit. Was kann man gegen sie tun? Der Experte rät:

Licht und Luft:Solange es keine weiteren Beschränkungen verhindern, sollte man auf jeden Fall so oft es geht raus an die Luft und gerade jetzt Licht und Sonne tanken. Das unterstützt die Produktion des Glückshormons Serotonin. Dabei sollte man aber immer gebührend Abstand halten zu anderen. Wichtig auch: Man sollte den Tag strukturieren und nicht zu spät aufstehen, empfiehlt Cassel. Wer ans Haus gebunden ist, könnte - sofern vorhanden - sich an ein Südfenster in die Sonne setzen. Auch das unterstützt die Serotoninproduktion - selbst in einer geschlossenen Wohnung.

Gesunde Ernährung:Kräftiges, fleischreiches Essen ist beliebt, aber nicht unbedingt sinnvoll, will man der Mattigkeit im Frühling gegensteuern. Vitaminreich und ausgewogen sollte daher die Ernährung sein: mehr Gemüse, Obst und Salate.

Zeitumstellung:Nicht wenigen Menschen macht die Umstellung auf Sommerzeit Probleme, manchen sogar während ihrer gesamten Dauer. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene sind betroffen. Sie sind oft sogenannte Spättypen, die abends lange wach und aktiv sind, dafür morgens aber schlecht aus den Federn kommen. Besonders jetzt, wenn die Tage abends länger hell sind, wirke sich das auf die Leistungsfähigkeit tagsüber aus. Auch die Spättypen sollten deshalb nicht zu spät ins Bett gehen, um am nächsten Morgen eher munter zu sein.

Vitamin D:Wichtig für das Immunsystem ist Vitamin D. Es hat auch damit zu tun, wie aktiv und leistungsbereit man ist. Nach dem Winter haben viele Menschen einen Mangel an Vitamin D, geschuldet dem Mangel an Sonne. Der lässt sich jetzt eher beheben, zumindest zum Teil. Bei erheblichem Mangel kann man Vitamin D auch einnehmen.

Mittagsschlaf:Wird oft empfohlen, um kurzfristig wieder neue Energie zu tanken. Das ist besonders für die Frühtypen, die "Lerchen", empfehlenswert, sagt Cassel. Wenn man die Gelegenheit dazu hat und abends gut einschlafen kann, sei ein maximal 30-minütiger Mittagsschlaf gut. Möglichst täglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare