Akribische Vorbereitung auf historischen Schritt

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Frankfurt- Der Kirchenhistoriker und katholische Priester Hubert Wolf hat sich geradezu generalstabsmäßig auf die Öffnung der Vatikan-Archive zu Papst Pius XII. vorbereitet. "Das ist ein bisschen wie Troja auszugraben - das kann man nur mit einem großen Team", sagte er am Montagabend in Frankfurt über die Arbeit zu jenem Papst, der seit dem Theaterstück "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth mit dem "Schweigen der Kirche" zum Holocaust in Verbindung gebracht wird. Ein schwieriges Thema für die Kirche, aber auch für den katholisch-jüdischen Dialog.

Bei der Frankfurter Podiumsdiskussion saßen daher nicht nur Historiker, sondern auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, auf dem Podium. "Die katholische Kirche sollte neue Erkenntnisse zum Anlass nehmen, sich deutlich zu ihrer Verantwortung zu bekennen", forderte er. Er begrüße es, dass von März an die Archive geöffnet werden und das von 1939 bis 1958 währende Pontifikat von Pius XII. nun fundiert mit Quellenmaterial erforscht werden könne.

"Gerade dann, wenn es um die Seligsprechung geht, die von jüdischer Seite bislang ja doch sehr skeptisch und nach heutigem Stand als eine Belastung des katholisch-jüdischen Verhältnisses gesehen wird", sagte er mit Blick auf das seit 1965 laufende Seligsprechungsverfahren. "Vielleicht sieht die Situation nach der Erforschung der Archive ganz anders aus", wollte sich Schuster aber nicht an einer Vorverurteilung des umstrittenen Papstes beteiligen.

Das Wissenschaftler-Team will sich vor allem mit dem möglichen Wissen des Papstes über den Holocaust und dem Verhalten angesichts der Judenverfolgung durch die Nazis auseinandersetzen. Aber es stellt auch Fragen zur Haltung zum Staat Israel und den "Rattenlinien", der Fluchthilfe für ehemalige SS- und Wehrmachtsangehörige vor allem nach Südamerika - unter ihnen Adolf Eichmann, der Organisator der Deportation der europäischen Juden in die Todeslager. dpa/lhe

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