Absolventen aus aller Welt bei der Pianale

Schlitz (pm/süd). Als im Frühjahr 2007 angekündigt wurde, in Schlitz werde eine internationale Klavierakademie stattfinden, gab es skeptische Stimmen.

Warum sollten sich junge Musiker aus fernen Ländern auf den langen Weg machen, um in der hessischen Landesmusikakademie im Schloss Hallenberg einen Klavierkurs zu absolvieren? Ob sich da wohl wirkliche Talente einfinden würden?

Wenn Uta Weyand-Schäfer, die Initiatorin der "Pianale", heute ihre Anmeldungen durchgeht, hat sie ein ganz anderes Problem. Schon vor Wochen war die diesjährige Veranstaltung "überbucht" und sie musste auswählen, wer überhaupt dabei sein darf. "Die Pianale ist modern, und dadurch unterscheidet sie sich deutlich von herkömmlichen Klavierkursen", so Weyand-Schäfer. "Alle Musiker dürfen auftreten, alle erhalten Unterricht von international renommierten Professoren. Es gibt Konzerte und Stipendien zu gewinnen. Wir sorgen uns um die Zukunft dieser jungen hochtalentierten Menschen, zum Beispiel indem wir ihnen Möglichkeiten bieten neue Professoren kennenzulernen. Und das i-Tüpfelchen sind die Sprachkurse. Kein anderer Klavierkurs hat ein so ganzheitliches Konzept. Mit der Pianale können wir eine große Lücke füllen und wirkliche professionelle und menschliche Hilfestellung geben. So, wie ich es mir als Studentin immer gewünscht hatte."

Wie Weyand-Schäfer erläuterte, basiert die Pianale auf drei Säulen: dem intensiven Klavierunterricht, einem täglich angebotenen Sprachkurs und der Chance zum öffentlichen Auftritt im Rahmen der "Schlosskonzerte Osthessen". Das Ganze hat zudem Wettbewerbscharakter, denn am Ende gibt es Sieger, die nicht nur durch ein Stipendium in Höhe ihrer Kurs- und Unterbringungsgebühr geehrt werden, sondern bis zu acht Konzerte im In- und Ausland gewinnen können.

In Schlitz richtigen Ort gefunden

Seit ihrem Studium habe sie die Idee mit sich herumgetragen, berichtete Weyand-Schäfer, selbst Pianistin und Professorin für Klavier. Doch erst als sie 2006 die Landesmusikakademie in Schlitz kennenlernte, hatte sie den richtigen Ort gefunden. Deren Räumlichkeiten sind für eine solche Klavierklausur bestens geeignet: Die Teilnehmer können hier wohnen, an insgesamt 15 Tasteninstrumenten (vier Flügel, elf Klaviere) üben und in zwei unterschiedlich großen Sälen auftreten. Alles auf kurzen Wegen unter einem Dach, fokussiert auf das Wesentliche: die Musik.

Die Attraktivität einer Klavierakademie steht und fällt mit der Qualifikation der Dozenten, denen die Initiatorin keine nennenswerten finanziellen Anreize bieten kann, denn die Pianale muss mit überschaubaren Teilnahmegebühren und begrenzten Sponsorenleistungen auskommen. Doch dank ihrer eigenen Lehrtätigkeit an der Hochschule in Madrid sowie ihrer Mitgliedschaft in verschiedenen Jurys verfügte Weyand-Schäfer über Kontakte zu vielen Hochschullehrern. "Ich musste es schaffen, die Dozenten für ein erstes Mal zu gewinnen. Danach hatte sie das Pianale-Fieber gepackt. Die jungen Leute sollen bei uns mit unterschiedlichen Typen von Dozenten zusammentreffen. Diese Erfahrung bringt sie weiter."

In fünf Jahren kamen 120 Teilnehmer aus aller Welt. 31 Teilnehmer aus 14 Ländern kommen in diesem Jahr vom 12. bis 27. August zur fünften Pianale nach Schlitz, für inzwischen 15 Tage, denn die zehn Tage der ersten Kurse erwiesen sich als zu kurz. Die Absolventen kommen unter anderem aus Spanien, Russland, Kanada, Brasilien, Südkorea, China und Japan. Sind die Teilnehmer wieder abgereist, bleibt in vielen Fällen der Kontakt bestehen. So können die Organisatoren und Dozenten verfolgen, was aus den vielversprechenden Absolventen geworden ist.

Anfragen von jungen Musikern

Als die Zahl der Anmeldungen im Laufe der Jahre ständig anstieg, trafen auch viele Anfragen von jungen Musikern unter 18 Jahren ein, die laut Teilnahmebedingungen abgelehnt werden mussten. 2010 machten die Organisatoren aus der Not eine Tugend und schrieben erstmals auch eine Pianale Junior für talentierte Nachwuchspianisten zwischen 12 und 17 Jahren aus. 21 junge Leute aus elf Ländern fanden sich ein. Vor dem Hintergrund der guten Erfahrungen im Vorjahr gibt es in diesem Jahr wieder eine Pianale Junior mit 21 Teilnehmern aus sieben Ländern von Armenien bis Malaysia.

www.pianale-junior.com

www.pianale.com

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