2013 beginnt mit Schmuddelwetter

Offenbach (dpa/lhe). Grauer Himmel, Regen und milde Temperaturen: Der Winter lässt in Hessen auch im neuen Jahr auf sich warten. "Es geht insgesamt recht schmuddelig los", sagte Meteorologe Jens Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am gestrigen Dienstag in Offenbach.

Zwar sorge die Kaltfront des Skandinavientiefs Udine bis zum heutigen Mittwoch für etwas kälteres Wetter, Frost sei aber unwahrscheinlich. Danach lässt milde Atlantikluft die Temperaturen wieder klettern.

Wintersportfreunde sollten sich demnach keine allzu großen Hoffnungen auf Schnee und Kälte machen. "Ein Wintereinbruch ist bislang weiter nicht in Sicht", sagte Hoffmann. Am Donnerstag steigen die Werte in Hessen laut DWD auf acht bis neun Grad, am Freitag werden zweistellige Temperaturen erwartet. "Dazu gibt es viel Bewölkung und immer wieder Regen", sagte Hoffmann. "Sonnenschein bleibt eher die Ausnahme."

Udine war laut Hoffmann vorerst das letzte weibliche Tief: "2013 bekommen Tiefdruckgebiete wieder männliche und Hochdruckgebiete weibliche Vornamen." Wann das erste männliche Tief des neuen Jahres auf der Wetterkarte auftauche, sei noch nicht ganz klar. Bekannt ist nur schon der Name: Das erste neue Tief im Jahr 2013 wird Alfredo heißen, das erste Hoch Annegret.

"Die Hauptauswirkung des gegenwärtigen Wetters ist eine enttäuschte Erwartungshaltung auf die Psyche", sagt Medizin-Meteorologin Christina Koppe vom DWD). Für die körperliche Gesundheit sei das Wetter jedoch eher positiv. "Der Vorteil ist: Man kann sich draußen bewegen. Das tut auch dem Weihnachtsspeck gut."

Die Natur ist früher dran als sonst. Die Bauern rechnen aber erst mit Einbußen, wenn noch kräftiger Frost kommt. Vor allem der Einzelhandel und die Schulkinder hoffen unterdessen auf Schnee: Der Handel, um die liegen gebliebene Winterkleidung zu verkaufen. Die Kinder, um bis zum Ferienende am 13. Januar noch einmal kräftig Rodeln oder Schlittschuh laufen zu können.

Die mild-feuchte Witterung fördere Erkältungsviren nicht besonders, sagt Koppe. Diese hätten viel größere Chancen, wenn die Schleimhäute bei Kälte schlecht durchblutet und ausgetrocknet seien. Für Wetterfühlige und Menschen mit einer Neigung zu Kopfschmerzen oder Migräne sei die Wetterlage, bei der ein Tief nach dem anderen durchs Land zieht, allerdings unangenehm. "Gerade Menschen mit niedrigem Blutdruck fühlen sich auch schlapp." Koppe rät auch bei grauem Himmel und Regenwetter zur Bewegung an der frischen Luft. "Nur wenn es stürmt, sollte man nicht gerade in den Wald gehen."

Wenn es nicht bald deutlich kälter wird, kann die Haselblüte nach Einschätzung von Agrar-Meteorologin Brigitte Klante schon im Januar beginnen. "Damit fängt dann für Allergiker auch schon die Saison an", sagt Klante von der DWD-Außenstelle für Agrar-Meteorologie in Geisenheim. "Die Vegetation hat so langsam wieder angefangen. Das Gras ist schon grün und wächst auch schon wieder, und die ersten Schneeglöckchen blühen." Auch Frühblüher wie Krokusse und Narzissen treiben den Fachleuten zufolge "und die Haselsträucher-Kätzchen strecken sich".

Die Winterruhe für das Getreide werde auch langsam gelockert, sagte Klante. Problematisch werde dies aber erst, falls es Ende Januar/Anfang Februar, wenn die Temperaturen gewöhnlich den Tiefpunkt erreichen, sogenannte Kahlfröste gebe. Dabei dringt der Frost in den Boden ein, ohne dass dieser von einer Schneedecke geschützt ist. Dann können die Pflanzen nicht nur oberirdisch, sondern auch ganz abfrieren. Mancher Acker müsse dann wie Anfang 2012 neu eingesät werden. Cornelius Mohr, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Hessenbauer", dem Organ des Bauernverbands, sieht aber noch kein Problem. Das Wetter mache dem Weizen und dem Raps noch nichts aus. Die letzten Rüben seien längst geerntet.

Dem Einzelhandel hat das Winterwetter schon mal das Umsatzziel für Weihnachten verhagelt. Dicke Jacken, Mäntel und Pullover bleiben in den Läden hängen, viele haben schon vor Neujahr die Preise heruntergesetzt, weit vor dem angestammten Termin des zwischenzeitlich abgeschafften gesetzlichen Winterschlussverkaufs Ende Januar.

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