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148-mal in Umkleidekabinen hineingefilmt

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Gießen (sha). »Darf ich jetzt gehen?« – Der Angeklagte zögerte, als am Dienstag das Verfahren gegen ihn am Amtsgericht nach einer halben Stunde eingestellt wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, vom Sommer 2008 bis November 2011 mit seinem Mobiltelefon in Damen-Umkleidekabinen hineingefilmt zu haben.

Die insgesamt 148 Bild- und Videoaufnahmen machte er in der Schwesternumkleide des Uniklinikums sowie in die Damenkabinen des Schwimmbades an der Ringallee. Damit habe er den höchstpersönlichen Lebensbereich der Opfer verletzt, hielt Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg dem Mann vor. Einmal hatte der Angeklagte auch ein Pärchen beim Geschlechtsverkehr gefilmt.

»Eigentlich gibt es nicht viel zu sagen«, bekannte der 28-Jährige reumütig gleich zu Verhandlungsbeginn. Er sei »durch mich selbst beschämt« und habe damals »nicht nachgedacht«. Erst als er auf frischer Tat im Uniklinikum ertappt worden war, sei ihm das ganze Ausmaß seines Tuns klar geworden.

Er habe selbst bemerkt, dass »ich da ein Problem habe«, und sich bereits nach einer Therapie umgesehen. Außerdem habe er mit dieser Aktion einiges »in den Sand gesetzt«. So habe er bei der Uniklinik zwar seine Lehre als Gebäudereiniger beenden können, aber Zukunftsperspektiven habe es für ihn dort nicht mehr gegeben.

»Es wird weniger passieren, als Sie befürchtet haben«, äußerte Strafrichter Jürgen Seichter mit Blick auf das Geständnis des Mannes sowie dessen Ankündigung, sich therapeutisch beraten lassen zu wollen. Da bei 147 von 148 Fällen keine Strafanzeige erhoben worden war, schlug der Richter vor, die Dateien samt Smartphone und Laptop des Angeklagten einzuziehen und das Verfahren einzustellen.

Die Staatsanwaltschaft stimmte zu. Allerdings warnte Sehlbach-Schellenberg den Mann, so etwas »nie wieder« zu tun.

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