1000 Schüler demonstrierten gegen Rechts

Gießen (si). Rund 1000 Schülerinnen und Schüler aus Stadt und Kreis Gießen haben gestern in der Innenstadt für Toleranz, Völkerverständigung und Demokratie demonstriert.

Unter dem Motto "Gemeinsam gegen Rechts" zogen sie am Vormittag vom Berliner Platz eineinhalb Stunden durch die Innenstadt und zurück zum Rathaus, wo es eine Abschlusskundgebung gab. Aufgerufen hatte der Stadtschülerrat – um ein "deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen", wie Stadtschulsprecher Jonas Falk sagte. Dies auch deshalb, weil die NPD bei einer Abstimmung unter Jugendlichen parallel zur Bundestagswahl in Gießen knapp elf Prozent der Stimmen bekommen hatte. "Ein beschämendes Ergebnis", wie die stellvertretende Landesschulsprecherin Fevzije Zeneli (Gießen) betonte.

Es sei wichtig, "Nazis zu zeigen, dass ihnen nicht die Straße gehört", sagte Kreisschuldezernentin Christiane Schmahl (Grüne) in ihrem Redebeitrag. Auch im Landkreis Gießen – beispielsweise im Lumdatal – seien Rechtsextreme schon gewalttätig geworden. Dagegen müsse sich die Öffentlichkeit wehren. Rechte sollten wissen, dass sie jederzeit mit Widerspruch rechnen müssten. Schmahl erinnerte auch daran, dass der Landkreis Fahrten in Gedenkstätten früherer Konzentrationslager unterstütze. Dort könne man sehen, wohin nazistische Ideologie führe, so die Dezernentin.

Unterstützung erhielten die protestierenden Schüler außerdem vom Geschäftsführer der DGB-Region Mittelhessen, Matthias Körner. Es sei gut und richtig, dass sie "Flagge zeigen", sagte er. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Goldbach unterstrich, dass es Zufall sei, wo jemand geboren werde – ob in Deutschland, der Türkei oder in Syrien. Jeder Mensch habe die gleiche "unantastbare" Würde. Der SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Merz ging in einem schriftlichen Grußwort auf die "Armutszuwanderung" ein, über die derzeit debattiert wird. Auch hier zeige sich Fremdenfeindlichkeit, gegen die man sich wehren müsse.

Am Ende gab der Stadtschülerrat an die Demonstranten symbolische Teilnahmebescheinigungen aus. Sie enthielten den rechtlichen Hinweise an die Schulleitungen und Lehrer, dass Schüler wegen ihres Engagements nicht benachteiligt werden dürften.

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