Gießener Hausärzte wie Witold Rak erhalten ihre Schutzausrüstung aktuell nicht mehr über die KV.
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Gießener Hausärzte wie Witold Rak erhalten ihre Schutzausrüstung aktuell nicht mehr über die Kassenärztliche Vereinigung.

Corona-Pandemie in Gießen

Gießen: Hausärzten mangelt es erneut an Corona-Schutzausrüstung

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Aufgrund von Differenzen zwischen den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung mangelt es Gießener Hausärzten erneut an Schutzkleidung.

Gießen - Im März waren Gießener Hausärzte noch in Baumärkten unterwegs, um sich für die Corona-Pandemie mit Schutzmasken und -kleidung zu wappnen. »Mittlerweile haben wir wieder so eine Situation, dass es an der Ausrüstung mangelt«, sagt Witold Rak, Sprecher des Gesundheits-Netz Gießener Hausärzte (GNGH), im Gespräch mit dieser Zeitung. Er warnt: »Wir fokussieren uns aktuell so sehr auf High-Tech wie Schnelltests, dabei mangelt es an der Basis.«

Gießen: Hausärzte hoffen, dass Webshop mit Arbeitsmaterial zurückkommt

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hatte im Frühjahr als bundesweit erste KV einen Webshop mit zugehöriger Logistik aufgebaut. Dort bekamen Ärzte die Schutzausrüstung zu Verfügung gestellt. Damit reagierte die KV auf den Mangel an Arbeitsmaterial, das die Ärzte bis heute benötigen, um ihren Praxisbetrieb zu gewährleisten. Die Finanzierungsvereinbarung ist jedoch bereits zum 30. Juni ausgelaufen, sagt ein Sprecher der KV Hessen gegenüber dieser Zeitung. Die hessischen Krankenkassen seien - anders als in den anderen Bundesländer - »an dieser Stelle wenig kooperativ«. Die Kassenärztliche Vereinigung dürfe im Moment keine Materialien besorgen und sei deshalb nicht in der Lage, den Webshop aufzufüllen. »Wir hoffen auf Besserung«, sagt der Sprecher - ohne sagen zu können, wann die Materialien eintreffen werden.

Gießener Hausärzte: Rückkehr zur alten Lösung

Das bedeutet auch für die Gießener Ärzte, dass sie seit mehreren Wochen selbst die Schutzausrüstung organisieren - und diese eben auch selbst bezahlen müssen. Hinzu kommt: Aufgrund der Materialknappheit würden die Kosten steigen, betont der GNGH-Sprecher. Kostete eine Packung mit Schutzhandschuhen mal acht Euro, würde mittlerweile 18 Euro dafür verlangt. »Wir arbeiten an der Front«, sagt Rak, »aber gleichzeitig gibt es Berufsgruppen, die die Schutzausrüstung gestellt bekommen. Das kann nicht sein.« Die Utensilien seien wichtig, damit die Praxen geöffnet bleiben können, betont Rak gegenüber dieser Zeitung. Hinzu kommt: Die meisten Abklärungen und Behandlungen von Covid-19-Erkrankung geschehen im ambulanten Sektor, sagt der Mediziner. »Für den Schutz des Personals und der Ärzte ist die Schutzausrüstung erforderlich.«

Die bisherige Praktik in Form eines Webshops bezeichnet Rak als »optimal«. Es sei vor allem für die Versorgung der Patienten wichtig, eine Lösung zu finden, um wieder zu der bisher praktizierten Regelung zurückzukehren.

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