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Sophie Berner widmet ihr Programm all den lauten Frauen in der Pop-Geschichte, die sie auf ihrem eigenen Weg als (Musical-)Sängerin geprägt haben.

Zwischen Pop und Rebellion

  • VonBarbara Czernek
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»Let’s get loud« - der Song von Jennifer Lopez war Programm für Sängerin Sophie Berner und ihre Band am Freitagabend im Stadttheater. Sie lieferte eine Bühnenshow vom Feinsten ab, in der sie ihr gesamtes musikalisches Spektrum präsentierte.

Die Zeit des Lockdowns hatte Sophie Berner genutzt, um ihre persönliche Hommage an ihre liebsten Pop-Rebellinnen mit ihrer Band zu erarbeiten. Herausgekommen ist eine rockige, soulige und gefühlvolle Zeitreise zu den besten Popsongs von Interpretinnen, die durch ihr selbstbewusstes Handeln und Leben zu Ikonen geworden sind. Von daher war auch der Titel »Let’s get loud« bewusst als Zeichen gewählt, setzt sich doch damit Jennifer Lopez bewusst und mit lauter Stimme für die Frauenrechte ein.

Nicht feministisch, sondern selbstbestimmt, nicht leise, sondern rockig: Einmal die besten Popsongs jener rebellischen Frauen in den Fokus stellen, die sie auf ihrem Lebensweg begleitet und zu dem gemacht haben, was sie heute ist: eine gefragte Musicaldarstellerin und Schauspielerin. Das wollte Sophie Berner mit dem Programm erreichen und hat einen Volltreffer gelandet. Das forderte ein Höchstmaß an Energie und ihr gesamtes musikalisches Können, verlangte aber auch ihrer dreiköpfigen Band alles ab.

Von Aretha Franklin bis Carol King

Der Bogen war weit gespannt von Aretha Franklin über Nina Hagen bis hin zu Tina Turner und Carol King, deren musikalische Bearbeitungen genau auf die Musicaldarstellerin zugeschnitten waren. So verblüffte Berner das Publikum gleich zu Beginn mit ihrem Aretha-Franklin-Medley. Das rund zweistündige Programm begann bewusst mit dem Titel »Respect« von Aretha Franklin, einer jener Frauen, die so unglaublich viel bewegt haben. »Genau diese Frauen wollen wir heute abfeiern: die wildesten, rebellischsten, verrücktesten, unbeschreiblich weiblichsten und lauten Frauen«, sagte Berner zu Beginn. Und sang sich stimmgewaltig, soulig, rockig, flippig, schrill und immer mit vollem Einsatz durch ihr herausforderndes Programm. Als Rockröhre war sie voll in ihrem Element: So beeindruckte sie mit drei Tina-Tuner-Songs ebenso wie mit »Strong enough« von Cher oder mit »Girls just wanna have fun« von Cyndi Lauper.

Kräftig unterstützt wurde sie von ihrer Band: Carsten Gerlitz am Klavier, der auch die musikalische Leitung hatte, Caspar Hachfeld in der Perkussion-Abteilung und Peter Stojanov an der Gitarre. Eine Frau mit drei Männern im Hintergrund, auch das kein Zufall. »Männer machen das, was man ihnen sagt. Frauen fragen immer nach und wollen diskutieren«, scherzte Berner augenzwinkernd und erntete Zustimmung, nicht nur vom weiblichen Publikum.

Doch was bedeutet eigentlich die Bezeichnung »Laute Frauen«? Die sei eine Titulierung, die sie oft über sich von ihren Freunden gehört habe, erzählte Berner. Ihre Internet-recherche war ernüchternd: Die Bezeichnung werde vor allem im Sexualbereich mit Frauen in Verbindung gebracht. Daher lautete ihr Wunsch zum Ende des Abends: Wenn man den Begriff demnächst einmal googele, solle nicht nur dieser Unsinn kommen, sondern jene Frauen erwähnt werden, die so viel bewegt haben.

Dass sie auch eine Meisterin der leisen Töne sein kann, zeigte Sophie Berner nur an einigen wenigen Stellen, wie zum Beispiel bei »Natural woman« von Carol King. Dieses Lied habe die schönste Aussage, die eine Frau treffen könne. Als Zugabe trug sie noch ihren eigenen Song »Ich hab am Herzen einen Knutschfleck« vor, der leise und ein wenig ironisch die Herzen aller im vollbesetzten Saal berührte. Lang anhaltender Applaus war der Dank.

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