Lehrreiche Auszeit im Wald. Foto: cg
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Lehrreiche Auszeit im Wald. Foto: cg

Zwischen Bäumen, Buschwindröschen und Blaumeisen

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Aus der Ferne hört man das Rauschen des Gießener Rings, von hoch oben das Dröhnen eines Flugzeugs. Doch hier unten im Hangelstein: Die wunderbare Ruhe des Waldes, ergänzt durch ein vielstimmiges Vogelstimmenkonzert. Wer in diesen Tagen Abstand gewinnen möchte von Abstandsregeln und beängstigenden Nachrichten, ist zwischen Bäumen, Büschen und Buschwindröschen gut aufgehoben.

Schautafeln wie früher

Wie in einer anderen Zeit fühlt man sich, wenn man den Vogellehrpfad erkundet, den die Vogel- und Naturschutzgruppe Hangelstein in der Nähe des Ausflugslokals Waldfrieden hergerichtet hat. Die Schaubilder scheinen teilweise aus den 50er oder 60er Jahren zu stammen, sie erinnern an den Biologieunterricht längst vergangener Zeiten und die ersten mit Spannung verschlungenen Bücher mit Geschichten aus dem Försterhaus. Dass sie so nostalgisch anmuten, macht gar nichts, denn die präzise Beschreibung der Tiere und ihrer Lebensräume ist heute so gültig wie damals. Wer sich die Zeit nimmt, das kleine, liebevoll gepflegte Carré im Wald zu erkunden, kann eine ganze Menge lernen bzw. wiederentdecken. Neben der Beschreibung des Turmfalken steht eine verwitterte Bank, richtig romantisch. Hier eine Weile zu sitzen und zu schauen, tut den in diesen Wochen strapazierten Nerven gut. Über der Winterfutterstelle hängen noch Meisenknödel. Ein paar Blaumeisen balgen sich um die besten Brocken. Durch den dicken, trockenen Laubteppich, der vom Herbst noch übrig ist, schiebt sich das junge, saftige Grün. Das Alte vergeht, das Neue kommt.

Bevor man allzu philosophisch oder melancholisch oder beides wird, holen diverse Gesprächsfetzen einen zurück in den Alltag. Allein ist man in diesem idyllischen Waldabschnitt nicht. Spaziergänger mit Hund, Jogger und Radfahrer sind im Hangelstein unterwegs, viele zu zweit, manche in kleinen Gruppen - und fast alle unterhalten sich nahezu pausenlos.

Wer wirklichen Abstand und die Stille des Waldes sucht, muss ein ganzes Stück tiefer hinein in den Wald - aber nicht in zehn Minuten. (cg)

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