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Touristen und Einheimische in Südäthiopien: Eine typische Szene zum Thema "Fotografischer Kolonialismus".

Zwischen Alaska und Ladakh

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Gießen (pm). Nach langer Pause setzt der hiesige Alpenverein eine alte Tradition fort: Er lädt im Winterhalbjahr zu einer Vortragsreihe mit Bildern über ungewöhnliche Reiseziele und alpine Unternehmungen ein. Interessierte sind dazu an jedem zweiten Donnerstag des Monats ab 18.30 Uhr im Seminarraum des DAV Kletter- und Boulderzentrums (Rödgener Straße 70) willkommen. Der Eintritt ist frei.

Das erste Thema der fünfteiligen Reihe, die auf Initiative der 2. Sektionsvorsitzenden Ute Wächter-Pahl und der Kletterhalle-Betriebsleiterin Maren Becker zustande gekommen ist, klingt provozierend: "Fotografischer Kolonialismus - Auswirkungen touristischer Fotografie in Südathiopien" hat Florian Klimesch seinen Beitrag am 10. Oktober überschrieben. Der Bonner, der in Gießen studiert hat, war im Zuge einer Exkursion für drei Monate in Äthiopien und hat zwei Monate bei den Hamar im Süden des Landes verbracht.

Start am 10. Oktober

Dort erlebte er die Schattenseiten der gewerblich angebotenen Reisen zu indigenenVölkern, also Nachkommen von Ureinwohnern mit eigener ethnisch-kultureller Identität. Ihn beschäftigte die Frage, wie es sich auf die Einheimischen auswirkt, wenn Menschen mit einem Geländewagen in ihr Dorf kommen, 20 Minuten alles und jeden fotografieren und dann wieder verschwinden. Die einheimischen Frauen erzählten ihm sogar, dass sie immer wieder von männlichen Touristen, die sie fotografieren wollen, darum gebeten werden, ihre Oberteile auszuziehen. Das Interesse der Besucher "scheint also ganz klar auf der Sexualisierung oder Erotisierung nach westlichen Vorstellung zu liegen", empört sich Klimesch, der jetzt an seiner Masterarbeit zu Machtfragen im Ethnotourismus schreibt, nämlich die Hamar im Spannungsfeld zwischen touristischer Vermarktung und kultureller Identität.

Der 27-jährige, der beruflich ein zweites Standbein als Fotograf anstrebt, will beim Vortrag in Gießen seine Erkenntnisse mit eindrucksvollen Bildern schildern und darlegen, welche Konsequenzen er für das Reisen zu indigenen Völker zieht und wie sich dieser Tourismus anders organisiere ließe.

Die weiteren Termine und Themen der Vortragsreihe beim Alpenverein:

14. November: "Ladakh - Stok Kangri" von Norbert Hartmann.

12. Dezember: "Alaska - mit Kanu und Gleitschirm durch die White Mountains" von Thomas Bing.

16. Januar: "Hochtouren und alpine Ausbildung" von Jürgen Dersch.

13. Februar: "Reise durch die Mongolei" von Maren Becker und Jessica Zerb.

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