Graue Wolken über Sisis Lieblingsresidenz. Gießens Partnerstadt Gödöllö steht vor einer zweiten Infektionswelle. FOTO: PV
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Graue Wolken über Sisis Lieblingsresidenz. Gießens Partnerstadt Gödöllö steht vor einer zweiten Infektionswelle. FOTO: PV

Corona-Krise

Zweite Welle rollt auch durch die Sissi-Stadt

  • vonSebastian Schmidt
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Gießens Partnerstadt in Ungarn, Gödöllö, steht vor einer zweiten Corona-Welle. Dort wurden jetzt extra Einkaufszeiten für Menschen über 65 Jahre eingerichtet.

Sissis Lieblings-Residenz war Schloss Gödöllö in Ungarn. "In Wien lebt es sich kaiserlich, in Budapest königlich und in Gödöllö familiär", soll die Kaiserin von Österreich gesagt haben. Denn in der heutigen Partnerstadt von Gießen konnte Sissi abseits vom Hof ein weniger streng geregeltes Leben führen. Im Moment müssen die Bewohner der Stadt aber mit einer ganzen Reihe von Corona-Regeln leben. Dagegen demonstrieren dürfen sie nicht.

Kocsi Tamás ist Leiter einer Berufsschule in Gödöllö. Er spricht vom Beginn der zweiten Welle in Ungarn und sagt: "Die Zahl der Infizierten und diejenigen, die deswegen ins Krankenhaus müssen, steigt stetig an." Die meisten Erkrankungen gebe es in der Hauptstadt Budapest und dem Bezirk Pest, in dem Gödöllö liegt. Seit Beginn der Pandemie wurden laut John-Hopkins-Institut in Pest 37 044 Corona-Fälle unter 1,2 Millionen Einwohnern (Stand 18. Dezember) gezählt. "Genaue Zahlen aus Gödöllö kenne ich nicht, aber ich schätze, dass es gerade 400 aktiv Infizierte sind", sagte Tamás Ende November.

Masken und Ausgangssperre

Eine der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus ist auch in Gödöllö das Tragen der Maske an belebten Orten. Welche Orte das sind, legen die Bürgermeister selbst fest, erklärt Tamás. In Gödöllö müsse man deswegen auf Spielplätzen, an Haltestellen und auf dem Weg zur Grundschule oder zum Kindergarten eine Maske aufsetzen. Außerdem gebe es - ähnlich wie gerade in Gießen - eine Ausgangssperre zwischen 20 und 5 Uhr. Arbeitnehmer könnten sich davon befreien lassen, wenn der Arbeitgeber die Erlaubnis von der Regierung dazu erhalte, sagt Tamás.

Am Anfang der Pandemie wurde eine geschützte Einkaufszeit für ältere Menschen auch in Deutschland diskutiert, aber letztlich nicht verpflichtend eingeführt. In Ungarn gibt es diese Zeiten, zu denen nur Menschen, die älter als 65 Jahre sind, in die Supermärkte, Apotheken und Drogerien dürfen. An Wochentagen von 9 bis 11 Uhr und am Wochenende von 8 bis 10 Uhr.

In Gödöllö könnten die Menschen zwar auch Lebensmittel im Internet bestellen, das werde von vielen älteren aber abgelehnt, sagt Tamás. Eine gute Nachricht sei, dass es vermutlich dank der Hygienevorschriften noch keinen Ausbruch im Altersheim der Stadt gegeben habe.

Gödöllö ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Nähe von Budapest. Die Einschränkung des Hotelgewerbes trifft die Stadt deswegen schwer. Tamás sagt: "Die Hotels dürfen keine Touristen aufnehmen, nur noch Geschäftsreisende."

Parkplätze während Pandemie kostenlos

Ordnungsbehörden in Deutschland wollten während des ersten Lockdowns Demonstrationen verhindern, scheiterten aber vor Gericht. In Ungarn nicht: Dort seien Versammlungen verboten, erzählt Tamás.

Die Corona-Regeln für Schulen sind ebenfalls anders als hier. Kindergärten und Grundschulen seien bis zur achten Klasse geöffnet. Die Klassenstufen darüber und Universitäten seien zum digitalen Unterricht übergegangen. Tamás erklärt, dass die Studierenden und Lehrer dafür 30 Tage lang einen kostenlosen Internetzugang bekommen haben.

Eine gute Nachricht gibt es indes für alle Autofahrer. "Öffentliche Parkplätze sind gerade bei uns kostenlos und die gewerblichen wurden für alle geöffnet."

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