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Hundebegleiter Volker Wollenhaupts Ziel ist es, die richtige Mensch-Hund-Passung zu finden. Hündin Nela kooperiert schon recht gut.

Ehrenamt

Er ermöglicht Tierheim-Hunden wie Nela und Co. eine zweite Chance

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Bevor ein Hund aus dem Tierheim Gießen in ein neues Zuhause zieht, sollte er einigermaßen „gesellschaftsfähig“ sein. Unter anderem für dieses Alltagstraining sind die Hundebegleiter zuständig. Einer von ihnen ist Volker Wollenhaupt.

Gießen – Auf der Weide schwebt ein Reiher zu Boden. Nela bleibt stehen, die Leine spannt sich, sie fixiert den Vogel. Wenn sie könnte, würde sie durchstarten. »Sie zeigt Jagdverhalten«, stellt Volker Wollenhaupt fest. Es ist Montagmorgen, neun Uhr. Wir brechen auf zu einer Runde durch die weitläufigen Wiesen und Felder zwischen Tierheim Gießen und Struppmühle. Der Spaziergang ist eine schöne Abwechslung für den Vierbeiner, aber in erster Linie dient er nicht der Zerstreuung, sondern dem besseren Kennenlernen.

Wie reagiert der Hund auf Radfahrer, auf Spaziergänger, auf andere Hunde, auf Wildtiere? Das alles ist wichtig für die spätere Vermittlung. Werden »Baustellen« sichtbar, muss daran gearbeitet werden. Wenn der Hund von den Außenreizen nicht zu gestresst ist, kann man ganz nebenbei auch ein paar Erziehungsübungen einbauen. Nela ist kein »schwerer Fall«, sie kooperiert recht gut.

Volker Wollenhaupt wollte im Tierheim Gießen lernen, wie Hunde ticken

Wollenhaupt hat im Laufe der Jahre schon ganz andere Vierbeiner erlebt - solche, die trotz aller Bemühungen nicht »resozialisiert« werden können. Für die Tierschützer sind solche Erfahrungen bitter, sie gehören zu den dunklen Seiten dieses Jobs.

Aber oft macht er Spaß und ist eine Bereicherung. Dann nämlich, wenn es gelingt, die richtige Passung zu finden zwischen Mensch und Hund. Als der 53-Jährige vor über neun Jahren ins Tierheim Gießen kam, war sein damaliger Jack Russell Terrier gestorben. Der Hund war alt, er hat nie gut gehorcht, er hatte eine ganz eigene Persönlichkeit - Wollenhaupt hat ihn nie ganz verstanden und dennoch sehr geliebt. Er war damals gar nicht auf der Suche nach einem neuen vierbeinigen Begleiter, vielmehr wollte er zunächst herausfinden, welcher Typ Hund zu ihm passen würde.

Er wollte lernen, wie Hunde eigentlich ticken. Dass daraus eine Art Lebensaufgabe werden würde, hätte er sich nicht träumen lassen. Doch schon bald war er »angefixt«, er bekam eine Ahnung, wie Kommunikation zwischen Zwei- und Vierbeinern abläuft, er erkannte, was es bedeutet, wenn Bindung entsteht und wie man es anstellt, dass ein Tier Vertrauen fasst.

Nicht ganz unschuldig an diesem Prozess war Astrid Paparone, Hundetrainerin und heute Erste Vorsitzende des Vereins. Von ihr hat Wollenhaupt viel gelernt, er hat in ihren Kursen hospitiert und Schulungen mitgemacht.

Tierheim Gießen: Vierbeiner beste Lehrmeister für Hundebegleiter

Die besten Lehrmeister waren jedoch die Hunde; im Laufe der Zeit hat er von kleinen, biestigen Kläffern über hochtriebige Jagdhunde bis hin zu scheinbar in sich ruhenden Herdenschutzhunden alles kennengelernt. Immer wieder faszinierend findet es Wollenhaupt, wenn sich bei den Tieren ein Schalter umlegt, wenn sie eine Beziehung eingehen zu dem Wesen am anderen Ende der Leine.

Der Hundebegleiter kommt fünfmal in der Woche für zwei bis drei Stunden ins Tierheim Gießen. Er kümmert sich dabei nicht nur um seine Schützlinge, sondern macht auch »Lotsendienst« auf dem Tierheimgelände und packt da an, wo Not am Mann ist. Tierschutz, auch das hat Wollenhaupt gelernt, bedeutet immer auch Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen. In einem Tierheim spiegeln sich gesellschaftliche Strukturen, denn hier landen vergessene, abgeschobene und entsorgte Kreaturen. »Was Tieren aus Unkenntnis oder Verantwortungslosigkeit angetan wird, geht uns allen unter die Haut«, sagt Wollenhaupt.

„Uns allen“, das sind die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Tierschutzvereins. Sie geben den Tieren einen Unterschlupf auf Zeit und sind gleichzeitig auf der Suche nach einem richtigen Zuhause. Und zum Glück gehören zum Tierheimalltag auch viele Geschichten mit Happy End. Wollenhaupt ist zuversichtlich, dass sich bald Menschen finden, die Nela ganz tief ins Herz schließen.

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