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Rainer Müller (l.) und Uli Waiblinger - hier sitzend neben einer Schaufensterpuppe im Yves-Klein-Blau - stellen im Unteren Hardthof aus. FOTOS: DKL

In zwei Welten

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Zwischen den Künstlern Rainer Müller und Uli Waiblinger hat es sofort gefunkt. "Materialität und Oberfläche" lautet der Titel ihrer aktuellen Ausstellung in der Galerie im Unteren Hardthof. Im Fokus stehen Metall, Fotos, Farbe - von zwei- bis dreidimensional.

Materialität und Oberfläche" heißt die neue Ausstellung in der Galerie im Unteren Hardthof. Der Titel benennt genau die Themenstellung, die beide Künstler intensiv beschäftigt: Rainer Müller und Uli Waiblinger arbeiten in verschiedenen Medien, quasi in zwei Welten - und dennoch gibt es erstaunliche Verwandtschaften in ihren Kunstwerken. Uli Waiblinger fotografiert, bearbeitet weiter am PC und lässt die Ergebnisse professionell drucken, während Rainer Müller mit Metall, Farbe und anderen Fundstücken in die Dreidimensionalität geht.

Sie haben sich erst vor Kurzem kennengelernt, beim Verabschiedungsfest von Christiane Hartmann an ihrer Schule. Sie hatte offenbar schon die Idee, dass die beiden passionierten Künstler miteinander ins Gespräch kommen könnten, ihr Schulleiter aus Buseck und ihr Schwager aus Tübingen. Und tatsächlich, es hat sofort gefunkt, als die beiden über Kunst ins Gespräch kamen. Eine gemeinsame Ausstellung war nur folgerichtig, die Galerie im Unteren Hardthof bot sich an. Die Begeisterung der beiden war fast greifbar beim Aufbau der Ausstellung, dem kurzfristigen Wintereinbruch vor der Tür zum Trotz.

Uli Waiblinger ist von Haus aus Grafiker, hat schon immer fotografiert. Seine Arbeitsweise nennt er Fotomalerei. Ihn faszinieren Oberflächen und Strukturen, egal ob er sie auf verkratzten und angerosteten Metallgegenständen findet, auf Röntgenbildern oder in Fischhautresten in einem Kochtopf. Manche Werke zeigt Fotografie pur, etwa die Mauergraffitis, anderes ist komponiert und digital überlagert. Die farbig überarbeiteten Röntgenbilder von Tierschädeln, Muscheln und anderen Dingen sind von außergewöhnlicher Fragilität und haben eine zauberhafte Ästhetik. Dass 2020 ein Röntgen-Jubiläumsjahr ist, das war ihm nicht bewusst. Er lacht, "die Bilder habe ich im letzten Jahr gemacht." Gut, dass er einige davon in die Röntgen-Stadt Gießen mitgebracht hat.

Mit Hammer und Farbpigmenten

Rainer Müller lebt im Kreis Gießen, zur eigenen Kunstkreation wurde er durch einen Prägedruck von Günther Uecker inspiriert. Er probierte es selbst aus, schuf andere Variationen, die auf Interesse bei Profis stießen.

Und dann legte er richtig los. Experimentierte mit anderen Materialien. Mittlerweile ist er beim Metall gelandet, das er mit dem Hammer verformt und mit Farbpigmenten gestaltet. Bettlaken werden bei ihm zu Großreliefs, die wie Landschaftsaufnahmen aus der Luft wirken. Mit gefärbtem Silikon kreiert er Yves-Klein-Blau-Bilder, mit Holz und Metallfundstücken auf steinerner Struktur erinnert er an den Spanier Tapiès.

Eine spannende Ausstellung von zwei Künstlern, die vor Kreativität nur so sprühen. Die Ähnlichkeiten zu finden und Unterschiede zu benennen, das ist Teil der Freude beim Betrachten. Die Ausstellung läuft in der Galerie im Unteren Hardthof bis 15. März, jeweils samstags, 16 bis 18 Uhr, und sonntags, 10 bis 12 Uhr.

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