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Vom Empfangsraum im Leib’schen fällt der Blick durch die Öffnung ins Wallenfels’sche Haus. Studio Gründer Kirfel

Zwei Varianten für das Museum

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Die Gebäudefuge zwischen dem Leib’schen und dem Wallenfels’schen Haus soll geschlossen werden. So würden die beiden Häuser des Oberhessischen Museums barrierefrei werden und als Einheit erscheinen. Hierzu haben die zwei Erstplatzierten im von der Stadt ausgeschriebenen Architektenwettbewerb unterschiedliche Ideen. Im Folgenden eine Gegenüberstellung der Entwürfe von Studio Gründer Kirfel (1.

Preis) und studioinges (2. Preis), die nun um den Auftrag konkurrieren.

?Wie soll die Gebäudefuge geschlossen werden?

Studio Gründer Kirfel: Der Siegerentwurf des Archtiktenbüros aus Thüringen beschränkt den nach außen sichtbaren Eingriff im Wesentlichen auf die Lücke zwischen den beiden Häusern. Die Glas-Holz-Konstruktion, die als Treppenhaus alle höhenunterschiedlichen Etagen beider Häuser zugänglich macht, nimmt Bezug auf die Fachwerkstruktur und passt sich der Traufhöhe beider Gebäude an. Ein dezent zurückgesetzter Aufbau bindet die Dachgeschosse an. Über den Kirchenplatz hinweg kann man vom Treppenhaus bis hin zum anderen Museumsstandort im Alten Schloss blicken.

Studioinges: Das Studio aus Berlin plant in der Gebäudefuge eine architektonisch anspruchsvolle Lösung als markantes drittes Element, um das Zusammenspiel der beiden Häuser als ein Museum zu verdeutlichen und Neugier zu wecken. Dieses Element beinhaltet sowohl das beide Bestandshäuser verbindende Treppenhaus samt Aufzug als auch den Eingangsbereich. Das Treppenhaus ist offen gestaltet und gewährt freien Blick auf den Außenbereich. Die Treppenbrüstungen sind im Entwurf mit braungrau brünierten Messingplatten versehen. Die Wandoberflächen bestehen aus gesäuertem Sichtbeton.

?Wie ist die Eingangssituation geplant?

Studio Gründer Kirfel: Der Eingang zum Museum wird über den jetzigen Zugang im Leib’schen Haus geregelt, der dafür um die beiden anliegenden Gefache vergrößert wird. Das überhohe Erdgeschoss des Leib’schen Hauses ist als Empfangsraum für die Besucher angelegt. Von hier aus fällt der Blick durch die Enfilade (Raumflucht mit Durchsicht) auf das Stadtmodell im Wallenfels’schen Haus, das die Dauerausstellung einleitet. Der Vorplatz vor den Häusern soll rechts zudem mit einer an barocke Gärten erinnernden Heckenbepflanzung einladender gestaltet werden.

Studioinges: Das in der Fuge geplante Treppenhaus mit Aufzug ist zugleich der Haupteingang des Museums. Dieser liegt auf dem Niveau des Vorplatzes und ist somit barrierefrei. Der Haupteingang dient sowohl als Windfang als auch als Entrée. Der bisherige Eingang des Wallenfels’schen Hauses mit seiner Freitreppe bleibt als zweiter »selbstverständlicher« Eingang erhalten. Von hier aus gelangt man direkt zum Informationstresen im Eingangsbereich des Sockelgeschosses.

?Welche Eingriffe in die Bausubstanz sind erforderlich?

Studio Gründer Kirfel: Es werden nur Eingriffe vorgenommen, die für eine angemessene Nutzbarkeit erforderlich sind. Die äußere Erscheinung der beiden Häuser bleibt unverändert. Die Gewölbekeller als älteste originale Zeugnisse werden nicht angetastet. Sämtliche Innenwände, die zugunsten größerer Ausstellungsräume im Wallenfels’schen Haus entnommen werden sollen, tragen nicht zum Denkmalwert bei. Vorhandene Fenster bleiben erhalten oder werden bei Bedarf nach historischem Vorbild ersetzt. Jedem Ausstellungsraum ist ein kleiner Einführungsraum vorgeschaltet.

Studioinges: Der Einbau eines komplett neuen Erschließungskerns greift radikal in den Bestand des Wallenfels’schen Hauses ein. Dieses sei angesichts der erst 1983 entstandenen inneren Struktur des Hauses vertretbar, meint das Berliner Architektenbüro. Die rekonstruierte Fassade und Dachkonstruktion sollen erhalten bleiben, die Südfassade für den Erschließungsbau geöffnet werden. Das jetzige Treppenhaus im Wallenfels’schen Haus fällt im Entwurf weg. Hier würden so nutzbare Flächen entstehen. Durch die seitliche Erschließung blieben die historischen Eingangsbereiche und somit das Erscheinungsbild der Kirchenplatzbebauung erhalten.

?Wie wird Barrierefreiheit ermöglicht?

Studio Gründer Kirfel: Der Eingangsbereich im Leib’schen Haus wird zwei Stufen hochgesetzt, so dass er auf einer Ebene mit dem Foyer liegt, wobei der Höhenunterschied außen mit einer seitlich ausgerichteten Rampe überwunden werden kann. Der vorhandene Treppenschacht im Leib’schen Haus wird für einen Aufzug umgenutzt, der alle Ebenen bis ins Dach barrierefrei erschließt. Durch die erhaltene Treppe im Wallenfels’schen Haus sind auch die Nebenfunktionsräume unabhängig von den Ausstellungsräumen erschlossen.

Studioinges: Das in der Gebäudefuge geplante offene Treppenhaus in L-Form ist als zentrale Erschließung inklusive Aufzug gedacht und macht beide Häuser komplett barrierefrei. Über den Aufzug und die Treppenanlage würden Zugänge zu allen versetzt liegenden Etagen des Museumsbaus geschaffen - vom Keller- bis zum Dachgeschoss, inklusive des im Erdgeschoss geplanten Shop mit Café.

Im offenen Treppenhaus ist auch der Aufzug untergebracht, der alle Stockwerke erschließt. Studioinges
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