Zwei Personen - ein Stück

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Gießen(bf). Das Keller Theatre zelebriert den Rückzug aufs Wesentliche. Nur zwei Personen spielen in Cindi Lou Johnsons Drama "Brilliant traces", und alles findet nur in einer Blockhütte statt. In der exzellenten Inszenierung von Wade Gonsoulin lassen Lea Charlotte Endrigkeit und Alexander-Lars Dallmann allerdings ein Schauspiel von so herausragender Spannung und emotionaler Intensität entstehen, wie man es lange nicht erlebt hat.

Es fängt mit einem Knall an, als Henry (Dallmannn) von einer Frau aufgescheucht wird, die im Hochzeitskleid und völlig aufgelöst reinplatzt: Rosannah (Endrigkeit) ist von ihrer Hochzeit abgehauen. Sie sinkt ohnmächtig nieder. Henry packt sie in sein Bett und setzt sich in den Sessel. Nach zwei Tagen wacht sie auf.

Aber sie sagt nur, dass sie von ihrer Hochzeit abgehauen ist, nicht warum. Auch Henry verschweigt, weshalb er im Nirgendwo haust. Problem: draußen rast ein Blizzard, der beide festsetzt. Hier ringen zwei Menschen mit tiefen Problemen. Das geht teilweise äußerst dramatisch zu. Hinzu kommt die plötzlich erzwungene häusliche Zweisamkeit. Die Darsteller entwickeln die Problematik ihrer Figuren mit überfallartiger Intensität. Endrigkeit entblößt ihre seelische Zerrissenheit mit anrührender Intensität und überraschender Vielfalt, rastet auch schon mal aus. Dallmann zeigt die Belastung durch den Zwangsgast und hält zugleich hinterm Berg mit seiner Motivation.

Man lernt zwei tief verletzte Menschen kennen, durchaus am Rande einer Neurose. Zum Glück streut Johnson großzügig knackigen Witz ins Drama, was zu einer angenehmen Entlastung führt. Wie allerdings Endrigkeit in ihrer Verzweiflung und an sich selbst leidet, das ist absolut mitreißend und lässt vergessen, dass man im Theater ist. Dallmann wiederum offenbart mitmenschliche Tiefe und leidet nicht nur an seinem eigenen Schicksal. Die beiden ergänzen einander wunderbar.

Regisseur Gonsoulin führt sein Ensemble zu neuen Höhen und erreicht mit seiner Inszenierung eine bemerkenswerte Durchschlagskraft. Sie gehört zum Besten, das auf der Keller-Bühne zu erleben war. Exzellent gestalten die Darsteller alle Feinheiten, entwickeln sie weiter. Nach einer Weile jedoch zeigen sie immer mehr Mitgefühl für den anderen. Das ist packend und intensiv ausgeführt: ein toller Theaterabend. Donnernder Applaus für diese Topleistung.

Weitere Vorstellungen: 14, 21, 22, 28, 29, Februar, dann am 6, 7, 14 und 15 März, jeweils um 19 Uhr 30 in der Kleinen Bühne, Bleichstraße 28.

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