Livestream_080321_4c
+
Ausdruckstänzerin Ayla Buchholz setzt Leid und Verzweiflung in Bewegungen um.

Zwei Orgeln mit Tanz, Gesten und Poetry-Slam

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
    schließen

Gießen (gl). Die Bonifatiuskirche geht in Pandemie-Zeiten ungewöhnliche Wege. Als Livestream konnte man am Samstagabend Orgelmusik, Ausdruckstanz, Gebärdensprache und einen Poetry-Slam zum Psalm 137 erleben. Mit der ungewöhnlichen Veranstaltung »KlangRaumPsalm«, bis auf bedauerliche Tonstörungen sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt, gelang es dem Team, die Tiefe des als unbetbar geltenden »Rachespsalms« auf vielfältige Weise zu erforschen.

Dieser beschreibt durchaus drastisch die Sehnsucht des jüdischen Volkes im babylonischen Exil nach seiner Heimat.

An den beiden Orgeln spielten Regionalkantor Michael Gilles und Klara Rücker aus Aachen wuchtige Orgelimprovisationen, die das Leid und die Sehnsucht in Musik fassten. Nur zu gern hätte man das im Gotteshaus selbst gehört. Ausdruckstänzerin Ayla Buchholz interpretierte die Klänge mit ihren Bewegungen im Altarraum und zwischen den leeren Kirchenbänken. Es erklang auch Johann Sebastian Bachs »An Wasserflüssen Babylons« aus den Leipziger Chorälen, ein Beispiel für die künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Psalm 137. Dessen eingeblendete Verse gaben Orientierungshilfe.

Beeindruckend auch die Umsetzung des Textes von Gebärdendolmetscherin Alexandra Haustein, erst mit gesprochener Sprache und Gesten kombiniert, dann nur mit Gesten. Joachim Linns Poetry-Slam-Beitrag, der die biblischen Verse mit heutigen Ängsten in Verbindung setzte, war eine wunderbare Ergänzung zum von Pfarrer Hans-Joachim Wahl vorgetragenen hebräischen Ursprungstext. Gemeindereferentin Uta Kuttners Beitrag, der die Verse voller Leid und Verzweiflung, aber auch Rachedurst historisch und religiös verortete, ging leider in den immer wiederkehrenden Tonaussetzern unter. Auch Pfarrer Wahls Segen bedurfte mangels Tonübertragung eines zweiten Anlaufs.

Die ungewöhnliche Andacht zum Psalm 137 wird noch ein paar Tage länger auf www.bonifatius-giessen.de abrufbar bleiben. FOTO: PM

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare