Zwei Kuscheltanten für Baby Felix

Gießen (cg). Als das Baby auf die Welt kam, wollte niemand es haben. Dass Felix dennoch einen glücklichen Start ins Leben hatte und nun sogar in eine wunderbare Familie ziehen kann, ist vielen engagierten Menschen zu verdanken: Ärzten, Krankenschwestern, dem Jugendamt und seinen beiden "Kuscheltanten".

Das kleine, warme Bündel schlummerte in ihren Armen, und manchmal kam es Brita Ratzel so vor, als husche ein Lächeln über sein Gesichtchen. Für die ehrenamtliche Botschafterin von "Hallo Welt" war es anfangs ungewohnt, diesen zerbrechlichen Winzling zu halten, denn die Zeit der "Brutpflege" mit dem eigenen Kind liegt schon lange zurück. Aber schon nach kurzer Zeit war Felix ihr vertraut, sie erzählte ihm etwas und sang ihm Lieder vor. Dass das Baby sich irgendwann an "Weißt Du, wie viel Sternlein stehen?" erinnern wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Aber darum geht es nicht. Das Kind, das aufgrund eines medizinischen Problems von seinen Eltern abgelehnt und noch im Krankenhaus zur Adoption freigegeben wurde, hat dank Ratzel und den anderen Helfern die Wärme und Zuwendung erfahren, die ein kleiner Mensch braucht.

Das war auch die Idee von Oberarzt Dr. Harald Ehrhardt und seinem Team von der Station Moro der UKGM-Kinderklinik. Die medizinische Versorgung des Säuglings war sichergestellt, aber das ausführliche Kuscheln und Liebkosen, das normalerweise die Eltern übernehmen, fehlte. Die Krankenschwestern kümmerten sich liebevoll um den kleinen Patienten, doch konnten sie nicht so viel Zeit mit ihm verbringen, wie wünschenswert gewesen wäre. Und deshalb kam "Hallo Welt" ins Spiel. Die ehrenamtlichen Botschafterinnen besuchen normalerweise Familien zu Hause, im Falle von Baby Felix kamen sie jedoch in die Klinik. Fünf Wochen lang gingen Ratzel (hauptamtlich Geschäftsführerin von Eltern helfen Eltern) und eine Kollegin täglich ins Krankenhaus. Ihren Namen hatten sie bald weg: "Kuscheltanten". "Warum auch nicht? Das trifft es ja", sagt Ratzel und lacht.

Baby Felix heißt eigentlich anders, doch da Datenschutz berücksichtigt und die Persönlichkeitsrechte gewahrt werden müssen, heißt er in dieser Geschichte Felix – der Glückliche, denn Glück hat der kleine Mann mit vielen großherzigen Menschen um sich herum auf jeden Fall gehabt. Auf der Station Moro verbringen "Frühchen" die ersten Wochen. Außerdem liegen hier Kinder mit schweren Erkrankungen oder Behinderungen, um die sich die Spezialisten der Klinik kümmern. Auch bei Felix zeigte sich sofort nach der Geburt ein Problem. Die Eltern wollten das Kind nicht mehr haben. Während der Kleine in seinem Wärmebettchen schlummerte, begann beim Jugendamt die Suche nach Adoptiveltern. In ganz Deutschland forschte man nach einer Familie, die sich der Herausforderung stellen wollte.

Bei allen tragischen Situationen, die sich in einer Klinik abspielten, komme es immer wieder auch zu Begegnungen mit wunderbaren Menschen, die selbstlos geben wollten, sagt Dr. Ehrhardt. So sei das auch mit den "Kuscheltanten" und den neuen Eltern von Felix. Diese seien erfahren und gut informiert und zum anderen sofort in das Kind verliebt gewesen. Besser geht es nicht.

Auf der Station Moro ist das Baby schnell zum Liebling der Schwestern geworden. Wer immer einen Moment Zeit hatte, kümmerte sich um den Säugling. "Kein Wunder, denn Felix ist ein ganz entzückendes Kind", sagt die Hallo-Welt-Botschafterin. Die Besuche auf der Station seien auch für sie eine Bereicherung gewesen. Das Engagement der Mitarbeiter sowie Kraft und Ausdauer der Eltern der kleinen Patienten habe sie sehr berührt. Zum Abschied hat sie Felix ein Büchlein mit Notizen mitgegeben – damit die Eltern wissen, was der kleine Mann in den ersten Wochen seines Lebens erlebt hat. "Weißt du, wie viel Sternlein stehen?" Vielleicht sitzen irgendwo in Deutschland die frischgebackenen Eltern an seinem Bettchen und singen "sein" Lied.

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