Ein interkommunales Gewerbegebiet bei Allendorf ist noch Zukunftsmusik. FOTO: SCHEPP
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Ein interkommunales Gewerbegebiet bei Allendorf ist noch Zukunftsmusik. FOTO: SCHEPP

Zustimmung unter Vorbehalt

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Für ein Gewerbegebiet vor den Toren Allendorfs gibt es noch keine konkreten Pläne. Und trotzdem ist es Thema einer politischen Debatte. In einer fraktionsübergreifenden Stellungnahme hat der Ortsbeirat jetzt Bedingungen für eine Zustimmung genannt.

Es war nur ein Nebensatz - aber einer, der gleich für Aufregung sorgte: In dieser Zeitung war darüber berichtet worden, dass bereits im August die Grünen in einer E-Mail an die Bürgerinitiative Lützellinden eine Fläche auf Allendorfer Gemarkung angrenzend an das Gewerbegebiet in Dutenhofen als mögliches interkommunales Gewerbegebiet mit Wetzlar nannten. Die Idee stammt nicht von den Grünen: Der Magistrat hatte die Fläche 2018 für den neuen Regionalplan angemeldet. Der Allendorfer Ortsvorsteher Thomas Euler sowie die Ortsverbände von SPD und Freien Wählern reagierten auf den Zeitungsartikel überrascht: Von den Grünen, kritisierten sie, habe niemand vorher mit ihnen gesprochen. Und das vor dem Hintergrund der - erfolgreichen - Widerstände in Lützellinden gegen ein weiteres Gewerbegebiet. Deshalb betont Euler, es müsse zuerst darum gehen, auf sachlicher Basis Informationen zu erhalten, bevor der Ortsbeirat zu einer Entscheidung kommen kann. Eine Zustimmung wird mit Bedingungen verbunden sein. Dies wird in einem interfraktionellen Antrag des Stadtteil-Gremiums deutlich.

Um es vorneweg zu sagen: Konkrete Planungen für das Gewerbegebiet gibt es noch nicht, betont Bürgermeister Peter Neidel auf Anfrage dieser Zeitung. Es liegt jedoch eine grobe Bestandsaufnahme vor: Die Fläche, um die es geht, liegt zwischen Dutenhofen und Allendorf. Das Areal umfasst die Wetzlarer Straße, die Bahnlinie sowie den Kleebach. Auf dem Gießener Stadtgebiet ist diese Fläche etwas mehr als acht Hektar groß, auf Wetzlarer Seite 7,7 Hektar. Die Idee: Wenn auf Gießener Gemarkung ein Gewerbegebiet entwickelt wird, kann das bestehende in Dutenhofen bis dorthin erweitert werden. Die Fläche könnte an die Wetzlarer Straße über die Kleebachstraße und am Rübenmorgen auf Dutenhofener Gemarkung angebunden werden. Langfristig könnte außerdem eine Verbindung zur B 49 geschaffen werden.

Fokus auf Verkehr

Neidel macht deutlich: Das Gewerbegebiet ist noch Zukunftsmusik, die Umsetzung lediglich eine Idee. Vorher seien noch Gespräche mit der Stadt Wetzlar, Hessen Mobil und der Deutschen Bahn nötig. Geplant sei gewesen, danach den Ortsbeirat zu informieren und zu beteiligen, und dann mit gesicherten Informationen. Neidel betont, dass Gewerbeflächen weiterhin nachgefragt seien: Der Bedarf liege nach eigenen Ermittlungen und laut eines Gutachtens des Regierungspräsidiums Gießen bis 2035 bei etwa 100 Hektar.

Auch der Ortsbeirat hatte der Stadt Fragen zum möglichen Gewerbegebiet gestellt. Beteiligt werden, betonen SPD, FW, CDU und Bündnis 90/Die Grünen unisono, wollen sie nicht erst nach Abschluss der Planungen. Denn einen Anschluss an die B 49 lehnt der Ortsbeirat beispielsweise ab. Gleichzeitig sieht das Gremium die mögliche Größe des Gebiets kritisch und regt an, die Gießener Fläche auf sechs Hektar zu begrenzen.

Vor allem beim Thema Verkehr und beim Gefahrenpunkt Kleebachstraße/Wetzlarer Straße will der Ortsbeirat mitreden: Ansiedeln sollen sich Unternehmen, für die keine verkehrsintensive Logistik nötig ist. Wichtiger sei die Art und Anzahl der Arbeitsplätze und die Umweltverträglichkeit. Bekräftigt wird erneut die Forderung nach einem Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr in den Ortsstraßen und nach einer Ausdehnung der Tempo-30-Bereiche in den Durchgangsstraßen.

Wichtig ist dem Ortsbeirat, dass die Situation an der Einmündung von der Kleebachstraße in die Wetzlarer Straße (L 3451) mittels einer Ampel oder eines Kreisverkehrs entschärft wird. Geschaffen werden müsse außerdem eine sichere Querungsmöglichkeit für Radfahrer und Fußgänger über die Landesstraße. Das Gremium fordert außerdem, dass ein Radweg an den "Eisernen Steg" - das ist die Brücke über die Bundesstraße B 49 und Eisenbahnlinien in der Höhe des Dutenhofener Sees - geschaffen wird. Zudem sei eine Bushaltestelle der Linie 11 von Gießen nach Wetzlar als Ersatz für die entfallene Haltestelle "Mühle" vonnöten.

Sollten diese Bedingungen nicht erfüllt werden, schreiben die Allendorfer Fraktionen, werde der Ortsbeirat dem Gewerbegebiet nicht zustimmen.

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