Die Gießener Wissenschaftler wollen der Wildkatze die Wiederansiedlung in ihren angestammten Lebensräumen erleichtern. FOTO_ PM
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Die Gießener Wissenschaftler wollen der Wildkatze die Wiederansiedlung in ihren angestammten Lebensräumen erleichtern. FOTO_ PM

Zurück in der Natur

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Gießen(pm). Auf ins Freiland: Anfang Oktober sind zwei weibliche Wildkatzen wieder in die Natur entlassen worden. Die beiden Tiere waren Fundkatzen und kamen im August und September 2019 in den Opel-Zoo nach Kronberg im Taunus, wo sie aufgezogen wurden.

Mit GPS-Sender ausgestattet

Die Freisetzung wird von Wildbiologen der Arbeitsgemeinschaft Wildtierforschung der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) wissenschaftlich begleitet. Erstmals bietet sich die Gelegenheit, den Erfolg einer Wiederansiedlung von im Zoo aufgezogenen Wildkatzen zu untersuchen.

Die Tiere hatten im Gemeinschaftsgehege des Opel-Zoos mit anderen Wildkatzen zusammengelebt. Sie wurden nun mit einem GPS-Senderhalsband ausgestattet und zunächst einige Tage im Opel-Zoo beobachtet, bevor sie in ein Übergangsgehege des Forstsamts Weilburg übersiedelten. Hier wurde jeglicher Kontakt zu Menschen vermieden, der über eine Fütterung hinausging.

Nach dreieinhalb Wochen erhielten die Wildkatzen die Möglichkeit, ihr Gehege zu verlassen und in die umliegenden Wälder zu ziehen. Anfangs wurde noch Futter bereitgestellt, die Tiere sind jedoch nicht zum Fressen zurückgekehrt. Ihre Bewegungen werden von den Wildbiologen anhand der Standortdaten beobachtet und analysiert.

Bei den beiden Wildkatzen handelt es sich um Ausnahmefälle. Wildkatzenjunge sind in menschlicher Obhut einem sehr hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Zudem ist die Wildkatze eine geschützte Art und darf nicht einfach aus ihrem Lebensraum entfernt werden. "Leider passiert es oft, dass aufgefundene Wildkatzenjunge fälschlicherweise als verlassen und mutterlos wahrgenommen werden, obwohl das Muttertier nur kurz auf Jagd ist oder sich sogar in nächster Nähe befindet", sagt Teresa Nava von der AG Wildtierforschung an der JLU. "Auch wenn sichergestellt werden kann, dass das Muttertier nicht zurückkehrt, dürfen verwaiste Jungkatzen nur mit entsprechender professioneller Begleitung aufgenommen werden." Eine anschließende Aufzucht und Freisetzung sind sehr aufwändig - und die Erfolgschancen noch weitgehend unerforscht. Deshalb wird die Wiederansiedelung der beiden im Opel-Zoo aufgezogenen Wildkatzen wissenschaftlich begleitet.

Opfer im Straßenverkehr

Anhand der Daten soll die Raumnutzung der Tiere vor allem im Bereich von Straßen untersucht werden. Denn immer öfter kommt es vor, dass ein Muttertier dem Straßenverkehr zum Opfer fällt - er ist die Haupttodesursache von Wildkatzen. In diesem Zusammenhang untersucht die AG Wildtierforschung auch tot aufgefundene Wildkatzen, bei denen es sich um Straßenverkehrsopfer handelt.

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