Prädikantin Gertrude von Holdt zeigt den Studierenden die Kirchs St. Johannis auf der Hallig Hooge. FOTO: PM
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Prädikantin Gertrude von Holdt zeigt den Studierenden die Kirchs St. Johannis auf der Hallig Hooge. FOTO: PM

Zurück vom digitalen Ausflug

  • vonSebastian Schmidt
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Gießen(seg). Zwei Wochen lang sind 18 Lehramtsstudierende der Justus-Liebig-Universität mit Professor Hans-Peter Ziemek auf der Hallig Hooge im Wattenmeer gewesen. Die Exkursion findet jedes Jahr statt, wegen Corona dieses mal aber nur über das Internet - mit Videos, Live-Schaltungen und Präsentationen.

Große Sturmflut "Mandränke"

Die letzte Woche der Exkursion beginnt mit einem Besuch der Hallig-Kirche. Dort wacht Gertrude von Holdt über ihre Gemeinde. Die Prädikantin erzählt den Studierenden die Entstehungsgeschichte der Kirche. 1634 hat es an der Nordseeküste eine Sturmflut gegeben, von den Einheimischen "Mandränke" genannt.

Viele Bewohner der Nachbargemeinde Osterwohld seien ertrunken, und die Hooger haben von den übrigen Bewohnern Mauersteine, die Kanzel und das Taufbecken der Osterwohlder Kirche gekauft und daraus ihre Kirche St. Johannis gebaut, erzählt die Prädikantin.

Nach dem Ausflug in die Geschichte der Kirche ist es abends wieder soweit. Die Studierenden dürfen das zweite von drei Päckchen mit geheimen Inhalt öffnen. Die Pakete haben die angehenden Lehrer vor der Exkursion bekommen, mit dem Auftrag, sie erst an einem bestimmten Tag zu öffnen. Diesmal entdecken die Studierenden darin einen echten Bernstein, Schleifpapier, Schnur und eine Anleitung, wie man den Bernstein polieren kann. Der ist nämlich noch grob und porig. Zweieinhalb Stunden braucht Lehramtsstudentin Janina Heinigk dafür und sagt: "Das war eine coole Erfahrung." Die angehende Biologie-Lehrerin möchte in ihrem eigenen Unterricht so oft es geht praktische Elemente einbinden. Heinigk erklärt: "Durch den direkten Kontakt bekommt man einen ganz anderen Bezug dazu und man nimmt auch mehr mit."

Dienstags machen die Studierenden einen Ausflug auf die 15 Kilometer entfernte Nordsee-Insel Amrum. Dort erzählt Professor Volker Wissemann den Gießenern, wie sich mit den Jahren die Geografie der Insel verändert hat.

Am nächsten Tag erkunden die Studierenden die Salzwiesen. Diese Wiesen werden mehrmals im Jahr überschwemmt und Salz lagert sich im Boden ab. Der Lehrbeauftragte der JLU, Reinhard Marquardt, sagt in seinem Video: "Die Pflanzen müssen mit dem Salz leben." Ein wichtiger Mechanismus sei es, dass die Pflanzen einen höheren Salzgehalt haben als der Boden. Sonst würde ihnen der Boden wegen des osmotischen Drucks das Wasser entziehen.

Donnerstags, am letzten Tag der Exkursion, dürfen die Studierenden das letzte Paket öffnen. Darin finden sie Zutaten für einen "Pharisäer". Das friesische Kultgetränk besteht aus zwei Stück Zucker, einem Schuss Rum und Kaffee. Obendrauf kommt eine Schlagsahnehaube; laut Legende, um den Alkohol vor einem besonders strengen Pastor zu verbergen. Die Studierende Hannah Herbert findet das Getränk richtig lecker. Sie erzählt: "Das habe ich nicht erwartet, weil ich eigentlich weder Sahne, noch Kaffee, noch Rum mag."

Heinigks Fazit des virtuellen Ausflugs nach Hooge ist positiv. Die Studentin erklärt: "Ich fand die Exkursion wirklich spannend und lehrreich. Es wurde sich sehr viel Mühe gegeben."

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