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Zur Würde des Menschen

  • VonDagmar Klein
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Erstmalig wird in der restaurierten Basilika des Kloster Schiffenberg eine Ausstellung präsentiert. Die neu formierte Gruppe »Künstler*innen für Menschenrechte« lädt zur Ausstellung unter dem Thema »Menschenrechte« ein. Am Mittwoch war Vernissage.

Es ist schon viele Jahre her, dass in der Basilika eine Kunstausstellung gezeigt wurde. Damals hatte die Basilika noch offene Arkaden und die Großskulpturen waren auch im Hof verteilt. Die aktuelle Schau, von 13 Künstlern selbst organisiert, konzentriert sich auf den Kirchenraum, der dank der Arkadenverglasung wieder die Anmutung eines Innenraums hat. Die Größe des Raumes und das raue Mauerwerk sind Inspiration für Kunstschaffende.

Zur Eröffnung am Mittwoch kamen rund 80 Personen. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz begrüßte die Gäste, Kunsthistorikerin Dr. Eva Broschek gab eine Einführung, Marion Adloff stellte die Menschenrechtsarbeit von Amnesty International vor und brachte im Violinen-Duett zusammen mit Eunike Willared Kompositionen eines deutsch-türkischen Musikers zu Gehör.

Kann Kunst politisch Stellung beziehen, diese Frage lässt sich mit dieser Ausstellung eindeutig bejahen. Manches ist überdeutlich und sehr direkt dargestellt, andere Arbeiten symbolisch und subtil. Die Kunstwerke sind zu einem Teil Installationen, die auch in der Raummitte ihren Platz finden. Diejenigen, die Fotos oder Gemälde zeigen, haben ihre Arbeiten an großen Gittern befestigt, die wiederum an den Wänden anlehnen.

Irene Peil nutzt eine der Arkaden und hat eine Schriftfahne daran gehängt: »Die Würde des Menschen ist unantastbar« wird Buchstabe für Buchstabe gekürzt bis nur noch »Die Würde« übrig bleibt. Carola Lenz hat zwei Banner an die Herrenbühne im Westchor der Basilika gehängt. Das linke in Goldgelb mit hebräischen Schriftzeichen, die den Leitvers der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem abbildet, das rechte zeigt die siebenarmige Menorah, die im Staatswappen Israels abgebildet ist, vor tiefroter Landschaft.

In der Mitte des Raumes hat Maggie Thieme alte hölzerne Schuhleisten aufgeschichtet, was an die Anhäufung persönlicher Dinge der Menschen in NS-Vernichtungslagern erinnert. Daneben liegen Scherben mit Spuren von Rauch und Gesichtern, was an rassistische Anschläge denken lässt. Sigrun Bennemann zeigt fotografische Kompositionen mit biografischen Texten von Euthanasie-Patientin und einem der Ärzte, die diese Vernichtungsaktionen verantworteten. In der westlichen Ecke des Seitenschiffs hat Annette Köhler 30,147 Kieselsteine angehäuft, so viele Menschen sind der NS-Euthanasie zum Opfer gefallen. Angelika Nette hat eine Art Trauerbahre aufgebaut, auf dem sie weiße Lilien und Mohnkapsel als Zeichen der Trauer auflegt.

Hexenjagd und Flüchtlingsdrama

Das Thema Fremde mit Respekt und Empathie begrüßen hat Paulina Heiligenthal, die als ehrenamtliche Deutschlehrerin für Geflüchtete arbeitet, in Form eines gedeckten Tischs dargestellt. Auf Porzellantellern sind Porträtfotos von Menschen gedruckt, die ihr begegneten. Nathalie Bertrams zeigt Fotografien von Menschen in Äthiopien. Nah beim Eingang hat Gerda Waha zwei weiße Installationen aufgebaut, die Folter und Verfolgung zum Thema haben: eine Ansammlung abgehackter Hände auf dem Boden und eine Reihe weißer Anstaltshemden an einer Kleiderstange.

Im Altarbereich zeigt Karl-Heinz Hartmann Arbeiten zur Hexenverfolgung. Das Arrangement von Thomas Wörsdorfer ist als Altar inszeniert: in der Mitte ein gezeichnetes Vater-Kind-Bild, das ihn selbst zeigt. Er hat einen Gendefekt, der ektodermale Dysplasie heißt und wäre in der NS-Zeit also der Euthanasie zum Opfer gefallen. Er hat seiner Installation erklärende Texte beigegeben. Im anderen Querhausarm zeigt Wennemar Rustige drei Lichtkästen mit digitalen Fotodrucken von Flüchtlingen, die mit einem Nachtsichtgerät aufgenommen wurden. Starker Tobak also. Man sollte beim Ausstellungsbesuch Zeit mitbringen.

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