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Die Telefonseelsorge verzeichnet derzeit besonders viele Anrufe. SYMBOLFOTO: DPA

Zuhören, ermutigen, helfen

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In der Krise sind "die Einsamen einsamer, die Ängstlichen ängstlicher". Diese Erfahrung machen die Kirchen derzeit. Wie helfen sie in Zeiten abgesagter Gottesdienste?

?Gottesdienste dürfen nicht mehr gefeiert werden. Sind die Kirchen komplett geschlossen?

"Wir öffnen zahlreiche Kirchen für das persönliche Gebet", betont Matthias Schmidt, evangelischer Propst für Oberhessen. Es erweise sich, dass solche Räume der Stille für viele Menschen wichtig seien - unabhängig davon, ob sie religiös sind. Auf den Internetseiten der Kirchengemeinden und Dekanate stehen die Öffnungszeiten. Manche Gemeinden legen außerdem Briefe mit tröstenden Worten in Geschäften, Apotheken oder bei Ärzten aus. Schmidt: "Selbst wenn uns jetzt gerade nach Nähe und Berührungen zumute ist, in den Kirchen gilt auch: Abstand halten."

?Wie können die Kirchen jetzt zuhören und ermutigen?

"Unsere Pfarrerinnen und Pfarrer sind erreichbar!", betont Schmidt. Sie telefonierten viel mit Kranken, Alten und Menschen in Quarantäne. In Ausnahmefällen sei ein persönlicher Besuch möglich, etwa um Sterbende zu begleiten.

?Gibt es vermehrte Anrufe bei der Telefonseelsorge?

Ja, bestätigen die Mitarbeiter: "Die Einsamen sind in dieser Zeit noch einsamer. Und die Ängstlichen noch ängstlicher. Wir teilen die Sorgen durch Zuhören."

?Gibt es aus Ihrer Sicht positive Aspekte der Krise?

In den Kirchengemeinden wird wie andernorts solidarisch gehandelt, etwa mit Einkaufshilfe. "Auch wenn wir Abstand halten müssen, rücken Menschen innerlich zusammen", so Schmidt.

?Ist die Krankenhausseelsorge eingeschränkt?

Im Moment können die Seelsorger bei Einhaltung aller Hygieneregeln noch Kranke in den Kliniken besuchen, wenn sie gerufen werden. Viele Patienten sind auch telefonisch erreichbar. Die Pfarrer halten zudem Kontakt zu den Angehörigen, die sich gerade jetzt viele Sorgen machen.

?Was ist mit Beerdigungen, mit Taufen, Hochzeiten und den anstehenden Konfirmationen?

Taufen, Hochzeiten, auch die Konfirmationen müssen verschoben werden. Das passiert oft schon durch die Familien, die ja spüren, dass sie jetzt kein unbeschwertes Familienfest feiern können. Beerdigungen finden statt. "Und die Trauernden sind nicht allein", betont Schmidt. Es entwickelten sich "neue Möglichkeiten für Trauer und Abschied".

?Erlebt die Kirche durch das Ausweichen auf digitale Medien einen Modernisierungsschub?

"Ja, es ist wichtig, uns im Internet und in den Social-Media-Kanälen anzutreffen. Ich bin wirklich froh, dass wir damit längst begonnen haben", unterstreicht der Propst.

?Gerade ältere Menschen erreichen Sie aber so nur begrenzt.

"Deshalb erinnern wir auch an das gute alte Läuten unserer Kirchenglocken", bestätigt Schmidt. Die Menschen seien so an den Klang zu bestimmten Zeiten gewöhnt, "dass viele die ursprüngliche Bedeutung fast vergessen haben. Glocken rufen zum Gebet. Denkt aneinander, wenn ihr es abends um 18 Uhr läuten hört. Stellt euch ans offene Fenster, haltet inne. Ich bin sicher, dass das auch Menschen anrührt, die nicht religiös sind. Wir sind miteinander verbunden, wenn wir auch daheim bleiben müssen." Mehr zum Thema auf den Seiten 21, 27 und 33.

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