Hier sind Tauben willkommen. FOTO: PM
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Hier sind Tauben willkommen. FOTO: PM

Ein Zuhause für die Tauben

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Gießen(pm). Sie gelten als "Ratten der Lüfte", Stadtbewohner verbarrikadieren ihre Häuser mit Draht und Stacheln an Fenstern und Dächern gegen die ungeliebten Mitbewohner. Nirgends sind sie gerne gesehen und doch allgegenwärtig: Tauben!

Um die unkontrollierte Vermehrung der Stadttauben tierschutzgerecht einzudämmen, ermöglicht die Gießener Wohnbaugesellschaft dem Tierschutzverein seit nun als sechs Jahren ein Projekt, in dem Stadttauben ein Zuhause geboten wird. Ähnlich vergleichbaren Projekten in Frankfurt werden sie in dem zur Verfügung gestellten Raum gefüttert und können dort nisten, allerdings werden zwecks Geburtenkontrolle die Gelege gegen Gipseier ausgetauscht, was nach und nach zu einer Reduzierung des Tierbestands führt. Ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen für penible Sauberkeit in dem Schlag, um Krankheitserreger zu minimieren und kranke Tiere werden ärztlich versorgt. Ebenso finden regelmäßig Zählungen statt, um eine Entwicklung des Projekts zu dokumentieren.

Doch woher kommen sie eigentlich, die grauen Stadtvögel? Anders, als viele glauben, ist die Taube kein Wildtier, sondern wurde gezielt vom Menschen domestiziert. Zu einer Zeit ohne Autos, Internet oder Großstädte hatten die Tauben nämlich eine äußerst wichtige Aufgabe. Bereits vor 5000 Jahren begann ihre Geschichte mit den Menschen im mittleren Osten, wo die Tauben dazu genutzt wurden, Nachrichten möglichst schnell in weiter entfernte Orte zu übermitteln. Noch im Mittelalter waren Brieftauben weit verbreitet, jedoch mit zunehmendem Fortschritt wurden sie immer bedeutungsloser für den Menschen. Die nun arbeitslos gewordenen Vögel suchten, anders als die meisten Wildvögel, Schutz auf den Straßen und an den Häusern. Ihre Furcht vor dem Menschen war ihnen ja gezielt weggezüchtet worden und einen Platz in der Nahrungskette der Natur hatten sie nicht mehr. So blieb den "verlorenen" Tauben nur eine Möglichkeit zum Überleben: die Reste der Menschen aufzupicken. Freute es die Menschen anfangs noch, ein gutes, billiges Täubchen für den Mittagstisch zu fangen und zu braten, waren sie mit der Zeit immer mehr als Krankheitsüberträger gefürchtet. Das "Wettrüsten" gegen die Tiere begann.

Einige Menschen züchten auch heute noch Tauben, etwa um mit ihnen auf Wettflügen Preise zu gewinnen. Auch im Tierheim befinden sich Tauben, die den Weg nicht nach Hause gefunden haben. Leider ist für die Züchter der Wert eines einzelnen Tieres so gering, dass sie die Vögel nicht abholen. So sitzen sie dann im Tierheim und warten auf ein neues Zuhause.

Tauben sind äußerst liebenswürdige Geschöpfe: sie merken sich auch, welche Menschen nett zu ihnen waren und gehen tatsächlich lebenslange Partnerschaften ein - nicht umsonst sind sie weltweit bekannt als Symbol der Treue und des Friedens. Weitere Infos beim Tierheim Gießen unter www.tsv-giessen.de.

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