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Albrecht Beutelspacher hat seine liebsten Knobelaufgaben für diese Zeitung in einem neuen Buch zusammengestellt und aufpoliert. Auch die Rückmeldungen der Leserinnen und Lesern sind in die Mathe-Rätsel eingeflossen.

„Das Geheimnis der zwölften Münze“

„Rätseln verschafft mentale Stärke“: Mathematikum-Chef hat Knobelbuch geschrieben

  • VonSebastian Schmidt
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Seit Beginn der Pandemie entwirft der Leiter des Mathematikums, Albrecht Beutelspacher, Knobelaufgaben für diese Zeitung. Aus seinen Lieblingsrätseln ist jetzt ein eigenes Buch geworden.

Wenn Albrecht Beutelspacher ein Mathe-Rätsel erklärt, geht sein Blick ins Leere; der Professor beginnt zu gestikulieren, und wenn er mit den Ausführungen fertig ist - dann lächelt er. Dass dem Leiter des Mathematikums die Beschäftigung mit Knobelaufgaben Spaß macht, muss er nicht extra sagen, man sieht es ihm an. Seit über einem Jahr entwirft Beutelspacher nun schon Rätsel, denn seit Beginn der Corona-Pandemie versorgt er diese Zeitung und deren Leserschaft immer wieder mit Knobelaufgaben. Jetzt ist aus seinen liebsten Aufgaben ein eigenes Buch entstanden: »Das Geheimnis der zwölften Münze«. Beutelspacher schätzt, dass er »bestimmt über 200 Rätsel« seit März 2020 entworfen habe, aber nicht alle schafften es in die Zeitung. Manche seien ihm nicht gut genug gewesen, andere zu ähnlich zu bereits erschienen Rätseln. Eine noch kleinere Auswahl der Zeitungs-Rätsel hat Beutelspacher jetzt in dem Buch zusammengestellt »und aufpoliert.«

Gießen: Leiter des Mathematikums erklärt Buchtitel

Beutelspacher hat die Aufgaben im Buch in elf thematisch unterschiedliche Kategorien eingeordnet, und in jeder Kategorie befinden sich zwölf Rätsel. In der Kategorie »Familie und Gesellschaft« muss man dann zum Beispiel die Sitzordnung für eine Feier regeln, in »Im Gleichgewicht« herausfinden, welche von zwölf Münzen schwerer oder leichter als die restlichen ist.

Diese Aufgabe ist übrigens namensgebend für den Titel des Buches und laut Beutelspacher »unglaublich schwierig«. Aber in dem Buch wird zu jeder Aufgabe nicht nur die Lösung präsentiert, sondern zuerst immer der Lösungsweg. So könne man selbst bei schwierigen Aufgaben versuchen, die Lösung selbst errechnen.

Gießen: Leiter des Mathematikums über Leser-Feedback

Bei der Zusammenstellung der Rätsel seien natürlich auch die Rückmeldungen der Leser dieser Zeitung eingeflossen. »Über Fehler wird sich ja immer direkt empört«, sagt Beutelspacher und lacht. Gut erinnert er sich an ein Rätsel, bei dem man ineinander verschachtelte Dreiecke zählen sollte. Ein Leser habe direkt geschrieben, dass die Lösung des Professors nicht stimmen würde und präsentierte seine eigene. »Da hatte ich ein paar Dreiecke übersehen«, gibt Beutelspacher zu. Zwei Stunden später schreibt der gleiche Leser dann aber noch einmal: Er habe auch Dreiecke übersehen, die richtige Anzahl sei noch viel höher. »Jetzt haben wir aber bestimmt die richtige Lösung im Buch«, sagt Beutelspacher.

Die Rätsel zu entwerfen, war für den Mathematiker vor allem zu Beginn der Pandemie eine willkommene Ablenkung. »Wir hatten hier ja nichts anderes zu tun - außer Hände zu waschen«, scherzt Beutelspacher. Die Matheaufgabe seien sowohl für ihn wie auch für die Leser etwas Positives in der schwierigen Zeit gewesen. »Sie sind sehr weit weg vom normalen Alltag.« Die geistigen Übungen sind für den Mathematiker aber nicht nur Zerstreuung, sondern »ein Stück Lebensphilosophie«. Beutelspacher sagt: »Zu rätseln verschafft einem mentale Stärke«. Und was ihm auch wichtig ist: Das Knobeln ist nicht nur Spaß, »das ist eine seriöse Tätigkeit.« Der Übergang von den Rätsel-Aufgaben zur richtigen Mathematik sei fließend.

Gießen: Leiter des Mathematikums verrät sein Lieblingsrätsel

Hat der Professor unter all den Rätseln, die er seit über einem Jahr entworfen hat, auch eine persönliche Lieblingsaufgabe? Da muss Beutelspacher nicht überlegen, und stellt sie direkt: Frau Müller hat ausschließlich Münzen in ihrem Geldbeutel, aber kann nicht zwei Euro passend bezahlen. Wie viel Geld kann sie höchstens bei sich haben?

»Ich liebe diese Aufgabe und habe sie schon ganz vielen Menschen gestellt. Man kann so schön sehen, wie die Leute sich stufenweise der richtigen Lösung nähern«, sagt der Professor wieder mit diesem Lächeln im Gesicht. 1,99 Euro, verrät er, ist übrigens nicht die richtige Lösung - aber ein erster Schritt.

»Das Geheimnis der zwölften Münze«

Das neue Buch von Professor Albrecht Beutelspacher ist am 26. August im C.H. Beck Verlag erschienen. »Das Geheimnis der zwölften Münze« hat 160 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und kann im Buchhandel oder direkt im Mathematikum gekauft werden. Der Verlag stellt eine Leseprobe mit einigen Rätseln auf seiner Webseite chbeck.de bereit.

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