Ein bekehrter Eheskeptiker: Christian Lugerth. FOTO: BF
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Ein bekehrter Eheskeptiker: Christian Lugerth. FOTO: BF

Zitternde Knie nach der Corona-Pause

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Gießen(bf). Gespanntes Gemurmel ist zu vernehmen, als die literaturbegeisterten Gießener zum "2. Akt" der Reihe "Eine(r) liest" in den Marktarkaden ihre Plätze einnehmen. Christian Lugerth, der von 2001 bis 2006 festes Ensemblemitglied am Gießener Stadttheater war und dort seit 2009 regelmäßig als Regisseur tätig war, gibt heute unter dem Thema "Sag einfach Ja" verschiedene Texte und Storys zum Besten. Sie kreisen um Menschen, die ihr persönliches Glück gefunden haben. Ausgewählt hat er diese nach persönlichem Interesse, zusammen mit seinem Freund Uwe Lischper.

"Die zitternden Knie" nach sieben Monaten coronabedingter Zwangspause möge man ihm verzeihen, sagt er zu Beginn. Zu spüren ist davon nichts. Seine "Reise durch die Ehe" beginnt mit einer Erzählung über einen Mann, der in Harajuku an einem Mädchen vorbeiläuft. Zwar wirkt es völlig unscheinbar, für ihn aber ist es aber das "hundertprozentige Mädchen". Lugerth holt nun aus und erzählt die rührende Geschichte eines jungen Pärchens, dessen tiefe Liebe zueinander einem Wunder gleicht. Da sie sich zu jung für eine solche Verbindung halten, trennen sich die beiden, um zu testen, ob sie sich irgendwann wieder treffen und noch immer so lieben können. Den gespannten Zuschauerblicken sieht man die Erwartung einer Komplikation an und so kommt es auch. Nach einer Krankheit erleiden beide einen Gedächtnisverlust. Obwohl sie sich erneut in Harajuku über den Weg laufen und sich trotz fehlender Erinnerung als "hundertprozentige Partner" erkennen, bleibt das Happy End aus. Die Wege trennen sich, einer führt nach Nord-Ost, der andere nach Süd-West.

Dieser Auftakt versetzt den einen oder anderen Zuhörer zunächst in eine melancholisch-gerührte Stimmung, Lugerth schafft es allerdings gekonnt, sein Publikum kurz darauf wieder zum Lachen zu bringen: Nun geht es um Statistiken. Warum heiraten wir überhaupt? Wie unterscheiden sich heutige und frühere Ehen? Lugerth entfaltet verschiedene Perspektiven auf die Ehe. Drei Arten von Ehe-Skeptikern, zu denen er sich bis vor ein paar Jahren selbst noch zählte, unterscheidet er. Aber auch die Romantiker, die in der Ehe den Beweis der unendlichen Liebe sehen, hat er im Blick. Mit seiner ebenso trockenen wie ehrlichen Aussage "Die meisten Ehen sind glücklich, weil mehr glückliche Leute heiraten", bringt er das Publikum zum Schmunzeln.

Es folgen amüsante Gedichte von Busch, Rückert und Mozart, sowie Zitate von Wilde und Shakespeare, in denen die Frauen vor der Ehe gewarnt werden, allerdings können diese Aussagen heute auf beide Geschlechter bezogen werden, so der Vorleser. Als er schließlich Geschichten von Loriot rezitiert, kann man im Publikum zustimmendes Nicken sehen und Sätze wie "Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor" erlauschen. Zum Ende hin lässt es sich Christian Lugerth nicht nehmen, die Nützlichkeit der Ehe, besonders in Zeiten von Corona, zu betonen, denn "die Ehe kann, wenns nicht so dolle läuft draußen, sehr hilfreich sein". Er beendet seine Lesung mit einem Lied und wünscht seinen Zuhörern, die vielfach in Paaren gekommen waren, alles Gute.

Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am 30. August statt, Sascha Gutzeit wird einen neuen Fall der Detektivspinne Luise vorstellen.

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