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Dr. Max Rempel (l.) übergibt die Spende an Prof. Bernd Neubauer. FOTO: SCHEPP

Ziel: Familien entlasten

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Gießen(lkl). Die Gießener Allgemeine Zeitung hat 2500 Euro an die Station Pfaundler des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin gespendet. Chefredakteur Dr. Max Rempel übergab die Spende an Prof. Bernd Neubauer und berichtete, dass man anstelle von größeren Firmengeschenken seit mehreren Jahren diejenigen unterstütze, "die es nicht so gut haben oder die eine schwere Zeit durchleben".

Gerade im Kinder- und Jugendbereich sei im Falle einer Erkrankung die Belastung in der Regel besonders hoch - für die gesamte Familie. Aus diesem Grund sei die Wahl auf die Station Pfaundler gefallen, auf der Kinder und Jugendliche mit neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Epilepsien oder Muskelerkrankungen behandelt werden - egal, ob diese genetisch sind oder durch einen Unfall hervorgerufen wurden.

Die Behandlung beschränkt sich dabei keinesfalls auf die Diagnose und die Verordnung von Medikamenten. Vielmehr geht es darum, "einen strikten Fahrplan ganz genau einzuhalten", wie Neubauer berichtet. Krankengymnastik, Atemtherapie und andere Maßnahmen müssten genau im richtigen Moment angeordnet werden, um beispielsweise bei Patienten mit bestimmten Muskelerkrankungen die Gehfähigkeit zu erhalten.

Mehr Lebensqualität

Wenn man sich genau an den komplexen Zeitplan halte und die entsprechenden Maßnahmen ergreife, könne auch bei unheilbar Kranken eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität und in manchen Fällen nahezu eine Verdopplung der Lebenszeit erreicht werden. "Es ist keine Heilung, aber es ist ein extremer Unterschied", findet Neubauer.

Bei 600 stationären und 1700 ambulanten Patienten im Jahr ist die individuelle Betreuung jedoch eine schwierige Aufgabe. So weiß Neubauer zu berichten, dass manche Kinder im Krankenhaus einfach jemanden brauchen, der für sie da ist und sie beruhigt - manchmal auch über Nacht. Spenden, wie die der GAZ, würden daher unter anderem gebraucht, um studentische Hilfskräfte oder andere "Aufpasser" einzustellen und die Kinderbetreuung zu unterstützen. Zudem sollen die Maßnahmen dazu beitragen, gesunden Geschwisterchen, denen oftmals zu wenig Aufmerksamkeit zuteil werde, etwas Gutes zu tun und Familien, die sich in Extremsituationen befinden, zu entlasten.

Auch nach der Volljährigkeit werden die Patienten nicht des Hauses verwiesen. Wenn es keine geeigneten Ambulanzen für Erwachsene gibt, was oftmals der Fall ist, wenn Betroffene bislang nur selten das Erwachsenenalter erreicht haben, können sie auf Wunsch weiterhin auf der Station Pfaundler behandelt werden.

"Unser ältester Patient ist 62 Jahre alt", sagt Neubauer und schmunzelt. Wenn Menschen mit einer eigentlich sehr niedrigen Lebenserwartung ein hohes Alter erreichen, sei man natürlich schon stolz, sagt er. Die Erhöhung der Lebenserwartung trage zudem zur Entwicklung besserer Ambulanzen für Erwachsene bei. Im Bereich genetischer Erkrankungen erwartet er in den nächsten Jahrzehnten enorme Entwicklungen.

Rempel zeigte sich erfreut über die Eindrücke, die er im Rahmen der Spendenübergabe gewinnen konnte: "Es geht ja nicht nur darum, einen Scheck hinzulegen", betonte er. "Man möchte auch Einblick bekommen und Öffentlichkeit schaffen, um die Spendenbereitschaft zu erhöhen."

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