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JLU-Präsident Joybrato Mukherjee (l.) stellt sich den Fragen der Presse. FOTO: KHN

Zeichen der Zuversicht in der Krise

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Gießen(khn). Weihnachten, betonte Joybrato Mukherjee, werde er in diesem Jahr nicht mit dem Wort Erholsamkeit in Verbindung bringen. Der Präsident der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen sagte, stattdessen müssten viele Mitarbeiter die Weihnachtsferien wohl durcharbeiten - vor allem die aus dem Hochschulrechenzentrum. Der mittlerweile bestätigte Cyber-Angriff auf die Uni Gießen beschäftigt noch immer die Angehörigen der Hochschule und externe IT-Experten wie vom Darmstädter Forschungszentrum für Cybersicherheit ATHENE. - und wird das weiterhin tun: Mukherjee sagte am Mittwoch bei einem Pressegespräch, bis der Basisschutz eingerichtet sei, würden Wochen vergehen. Und es werde sicherlich noch Monate dauern, "bis wir da sind, wo wir vor dem Ereignis waren".

Seit dem 8. Dezember ist die Universität vom Netz getrennt. Wie Vizepräsident Michael Lierz im Senat am Mittwoch mitteilte, habe die Uni selbst diesen Schritt aus Sicherheitsgründen unternommen, nachdem eine neue, komplexe Form einer Schadsoftware entdeckt worden war. "Es gibt Hinweise, dass wir damit Schlimmeres verhindert haben", betonte er, "und damit die Angriffswelle unterbrochen haben." Positiv sei, dass der Schaden - ein möglicher Datenverlust - nicht so hoch sei wie befürchtet. Er sagte, betroffen von der Schadsoftware seien einzelne Serversysteme der JLU, "aber Daten nicht zwingend".

JLU-Präsident Mukherjee gab die Losung "Sicherheit vor Schnelligkeit" aus. Lierz konkretisierte: "Wir haben Angst, jetzt einfach so wieder ans Netz zu gehen und sichtbar zu werden. Denn die Angreifer sind blind, weil wir nicht online sind, und in diesem Zustand wollen wir sie lassen." Die Hochschule wolle sich erst wieder zeigen, wenn "höchste Sicherheitsvorkehrungen" getroffen worden seien. Mukherjee warnte davor, dass es - generell - weiterhin zu Cyber-Angriffen "mit ausgeklügelten Verfahren" kommen werde und die Uni dafür fit sein will. Ein Erpresserschreiben indes gebe es nicht, betonte er in seinem Presse-Statement.

Derweil läuft der Hochschulbetrieb trotz der Einschränkungen "unter widrigen Bedingungen", aber kreativ weiter, wie der JLU-Präsident sagte. Hochschulangehörige werden in Info-Veranstaltungen oder über die sozialen Medien auf dem Laufenden gehalten. Aktuell würden analoge Systeme etabliert, die windowbasierten Rechner der Mitarbeiter bereits zum zweiten Mal überprüft. Außerdem werden die E-Mail-Passwörter aller 38 000 Nutzer an der JLU neu vergeben; diese müssen persönlich in der Sporthalle im Campusbereich Sport am Kugelberg abgeholt werden.

Koffein, Zucker und Romantik

Derweil werden auf Twitter Bilder von kleinen Paketen mit jeder Menge Süßigkeiten und dem Hinweis gezeigt, den Mitarbeitern vom Hochschulrechenzentrum Nervennahrung zu schicken. Die antworten, dass Koffein und Zucker momentan ihre besten Freunde seien. Und eine Dozentin schreibt, ihre Studenten würden die aktuelle Situation mit "Romantik" umschreiben: Sie kommunizierten jetzt mit Menschen, mit denen sie vorher nie gesprochen hätten, würden sich gegenseitig mit Texten und Lernmaterialien helfen und persönlich statt über E-Mail kommunizieren.

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