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Beim Bombardement am 6. Dezember 1944 wurde die Gießener Innenstadt fast komplett zerstört. Daran erinnert an diesem Freitag das Gedenkkonzert des Stadttheaters. Foto: Archiv

Zeichen der Hoffnung setzen

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Am 6. Dezember vor 75 Jahren wurde Gießens dicht besiedelte Innenstadt bombardiert. Fast 400 Menschen starben. Ein Gedenkkonzert an diesem Freitag erinnert in der Pankratiuskapelle an dieses für Gießens Geschichte so wichtige Datum. Musiker und Schauspieler des Stadttheaters wollen damit aber auch ein Zeichen der Hoffnung setzen: für mehr Frieden und Toleranz in der Welt. Das Konzept erläutern Schauspieler Roman Kurtz und Musiker Peter Sanders.

Zum siebzigsten Jahrestag der Bombardierung Gießens hatte Stadttheaterschauspieler Roman Kurtz bei einer LZG-Lesung Zeitzeugenberichte der Bombennacht vom 6. Dezember 1944 vorgelesen. "Seitdem gehe ich ganz anders durch die Stadt", erzählt er nun, fünf Jahre später, im Vorfeld eines Gedenkkonzertes zum 75. Jahrestag der Gießener Schicksalsnacht. Mitglieder des Stadttheaters wollen mit diesem Konzert am 6. Dezember in der Pankratiuskapelle einen Abend der Erinnerung an die schreckliche Nacht, aber auch einen Moment der Besinnung auf Frieden und Toleranz gestalten. Das Konzert bildet den Abschluss einer Reihe von Sonderveranstaltungen des Theaters, die unter dem Titel "Drei Tage, drei Ereignisse, eine Verantwortung" an denkwürdige historische Ereignisse erinnerten: den 70. Geburtstag des Grundgesetzes, den 9. November und eben nun die Zerstörung Gießens im Bombenangriff vom 6. Dezember 1944.

"Wir feiern nicht die Zerstörung des Krieges, sondern die Macht des Friedens. Der Fokus liegt auf der Schönheit, der Hoffnung und dem Frieden", betont Roman Kurtz, der Passagen aus Charlie Chaplins Rede zu seinem 70. Geburtstag, Gedichte von Waltraut Zechmeister und Hans Dieter Hüsch, aber auch Texte von Rudolf Steiner, chinesische Weisheiten und Textpassagen aus Popsongs, die sich mit Frieden und Liebe beschäftigen, unter dem Titel "Friedenssplitter" zusammengestellt hat. Schüler der Brüder-Grimm-Schule werden zu Beginn des Konzerts historische Texte vortragen. Neben Kurtz werden auch seine Schauspielkollegen Carolin Weber, Anne-Elise Minetti und Tom Wild literarische Texte rezitieren. "Wir brauchen in diesen schwierigen Zeiten den Glauben und die Hoffnung auf das Gute", betont Kurtz. "Die Besucher sollen am Ende beseelt und voller Hoffnung die Pankratiuskapelle verlassen."

Peter Sanders vom Kammermusikverein und andere Musiker des Philharmonischen Orchesters haben das musikalische Programm des Gedenkkonzerts zusammengestellt. "Die Musik sollte Trauer ausdrücken, aber auch Trost spenden", erläutert Sanders die Auswahl, die in kammermusikalischer Besetzung im Altarraum und von der Empore der Pankratiuskapelle erklingen wird. Gesangssolisten sind Naroa Intxuatsi, Grga Peros und Samuel Marino. Johanneskirchenkantor Christoph Koerber spielt als Gast die Orgel.

"Die Stücke haben die Musiker, die sie vortragen, selbst ausgesucht", betont Sanders. Ein Auszug aus Johann Sebastians Bachs Musikalischem Opfer oder der Johannespassion erinnerten daran, dass man Trost in Religion finden könne. Der zweite Satz aus Mozarts Serenade c-Moll wirke "versöhnlich", Samuel Barbers Adagio stehe für die Klage, ebenso ein Auszug aus David Poppers Requiem für drei Celli und Klavier. "Wir haben alle sofort gesagt, das ist eine gute Sache", erläutert Sanders die Motivation der Musiker.

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