Plockstraße

Zazai und Ben Hatira investieren in "Edel-Meile"

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Achmadschah Zazai, der frühere Publikumsliebling der Gießen 46ers, und sein bester Kumpel, Ex-Eintracht-Kicker Änis Ben Hatira, schaffen sich an der Lahn ein zweites Standbein.

Irgendwann reicht es Achmadschah Zazai. Er stellt das Handy lautlos und legt es mit dem Display nach unten auf den Tisch. "Ich bin nur noch am Telefon. Ich hätte nie gedacht, dass es so anstrengend ist, einen Laden zu eröffnen", sagt der frühere Publikumsliebling der Gießen 46ers. Er klagt über Kopfschmerzen. Viel Zeit hat Zazai nicht mitgebracht, um über das neue Café mit dem Namen "Freshbrothers" zu reden, das er im April gemeinsam mit seinem besten Kumpel, dem Fußball-Profi Änis Ben Hatira, eröffnen wird. Auf der Baustelle warten die Handwerker schon auf die nächsten Instruktionen.

Der Basketball-Profi steht aktuell beim Zweitligisten Mitteldeutscher BC im rund 300 Kilometer entfernten Weißenfels in Sachsen-Anhalt unter Vertrag, seine freie Zeit verbringt der gebürtige Berliner im Moment entweder auf der Autobahn oder in der Gießener Innenstadt – in dem 130 Quadratmeter großen Ladenlokal in der Plockstraße zwischen Café Geißner und Ritas Frisurenwelt. Dass hier Mitte April eine trendige Frühstücksbar eröffnen soll, in der Müslis, Bagels mit Guacamole, Lachs und Thunfisch, Kuchen, frische Säfte und Smoothies angeboten werden, ist derzeit nicht einmal zu erahnen. Doch Zazais fleißige Helfer wirbeln mit Hammer und Pinsel durch das Lokal wie der Spielmacher früher im 46ers-Trikot über das Parkett der Osthalle. Das macht Hoffnung.

Vier Jahre hat Zazai für die 46ers gespielt. In dieser Zeit hat er sich in den Verein und in die Stadt verliebt. "Ich würde gerne wieder für Gießen spielen", sagt er nebenbei. Als er von der Möglichkeit erfuhr, den Traum von einem zweiten Standbein ausgerechnet auf der Gießener "Edel-Meile" wahr werden lassen zu können, war er sofort Feuer und Flamme. "Die Straße steht für Qualität. Hier ist das Beste versammelt, was Gießen zu bieten hat. Deswegen passen wir dazu. Ich hätte nirgends sonst in der Stadt gewagt, einen Laden zu eröffnen", schwärmt Zazai. Geschäftspartner Ben Hatira musste er aber erst für die Stadt erwärmen. "Er hätte lieber in Berlin oder Frankfurt einen Laden eröffnet, ich bin aber sicher, dass Gießen der richtige Ort ist, um mit unserem Konzept zu beginnen." Berlin und Frankfurt sollen später folgen.

Mit Ben Hatira ist Zazai schon ewig befreundet. Kennengelernt haben sie sich als Kinder in einer Sporthalle in Berlin-Schöneberg beim Basketball. Seitdem gehen sie gemeinsam durch dick und dünn. "Ich stehe zu ihm wie zu einem Bruder", sagt Zazai und zeigt auf einen Werbeflyer des gemeinsamen Cafés: "Freshbrothers". Er lacht.

Anfangs war auch Ben Hatira häufig auf der Baustelle zu finden. Seit er in der Türkei unter Vertrag steht, muss Zazai aber meistens alleine ran. "Immer wenn du denkst, du hast ein Problem gelöst, stehst du schon vor dem nächsten", sagt er. So ist das beim Bauen. Das haben die beiden Profis schnell gelernt. Und jede Neuerung kostet Geld. Bis zur Eröffnung des Ladens mit 40 Sitzplätzen und 30 weiteren Außenplätzen werden die beiden Sportler rund 130 000 Euro investiert haben. Halbe-halbe. Ein Großteil der Ausgaben wird in der Region bleiben: Das Brot kaufen sie bei Bäcker Braun, die Arbeitskleidung bei CorpoTex und das Geschäftskonto läuft bei der Volksbank Mittelhessen. Man merkt, dass Zazai seine 46ers-Kontakte hat spielen lassen.

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