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Zahlreiche Aktionen zum Weltfrauentag

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P1011474_100322_4c © Paula Erb

Gießen (per/bac/pm). Mehrere Aktionen und eine Demonstration hat es am Dienstag in Gießen zum Weltfrauentag gegeben.

850 Menschen jederlei Geschlechts versammelten sich in der Innenstadt, um gemeinsam den »Frauenkampftag« zu begehen und für Frauenrechte zu demonstrieren. Dazu aufgerufen hatten verschiedene Organisationen. Unter dem Motto »Der 8. März bleibt internationaler Frauenkampftag - Basta« zogen die Demonstrierenden vom Berliner Platz über den Seltersweg zur Kundgebung am Kirchenplatz.

Dort thematisierten die Redebeiträge unter anderem, dass Frauen stärker von Altersarmut betroffen seien als Männer. Die Gründe hierfür lägen in der ökonomischen Abhängigkeit in familiären Strukturen. Der Kampf für Gleichberechtigung habe zwar dafür gesorgt, dass Frauen ihre Partner vor der Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit nicht mehr um Erlaubnis fragen müssen. Dennoch übernähmen Frauen einen großen Teil der Kindererziehung und Haushaltstätigkeiten, die eine Vollzeitbeschäftigung nahezu unmöglich machten. Die Demonstrierenden forderten die Anerkennung der Care-Arbeit sowie eine gerechtere Verteilung dieser Aufgaben.

Ein weiteres Thema waren die Selbstbestimmungsrechte. Durch die Paragrafen 218 und 219 des Strafgesetzbuches sähen viele Frauen ihr Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch beschnitten. Hinzu komme eine gesellschaftliche Stigmatisierung von Frauen, die eine Abtreibung vorgenommen haben. Auch Frauen, die kinderlos bleiben, stießen immer noch auf gesellschaftliches Unverständnis. Zudem: Jede dritte Frau in Deutschland gebe an, bereits mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt zu haben; jeden dritten Tag werde eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet. Das seien keine Einzelfälle, sondern ein systemisches Problem.

Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und anderen weltweiten Konflikten wie dem Bürgerkrieg in Syrien betonten Redebeiträge die Notwendigkeit von Frieden und Abrüstung, um international Mädchen- und Frauenrechte zu sichern. Diese seien in Kriegs- und Krisensituationen besonders stark gefährdet.

Ein weiteres Anliegen, das vor allem durch die DKP vorgebracht wurde, war die Straßenumbenennung der Löwengasse in Esther-Bejarano-Straße, zu Ehren der 2021 verstorbenen KZ-Überlebenden und Antifaschistin.

Lohndifferenzen, ungleiche Vergabe von Führungspositionen etc. ließen sich nicht durch das Verschenken von Blumen lösen. Das Frauenwahlrecht, das Recht zu Studieren und alles weitere, was die Frauenbewegung erkämpfte, habe es nicht geschenkt gegeben.

»Eine Portion Mut« im Gepäck

Die Mitarbeiterinnen der Schwangerenberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Gießen schenkten derweil 400 Frauen »eine Portion Mut« - in Form einer Rose. Überreicht wurden diese den Klientinnen der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (IST), den Bewohnerinnen des SkF Frauenhauses, Frauen und Mitarbeitenden auf der Entbindungsstation des St.-Josefs-Krankenhauses Balserische Stiftung sowie Eltern der drei Kindertagesstätten des SkF Gießen.

Der Zonta Club Burg Staufenberg-Gießen überreichte allen Pflegediensten der Gießener Krankenhäuser eine gelbe Rose als Zeichen der Wertschätzung für ihre Arbeit, da sie sich täglich den Herausforderungen ihres Berufes stellen. Zeitgleich gingen jeweils drei Mitglieder des Gießener Service-Clubs zu den drei innerstädtischen Krankenhäusern, dem Klinikum Gießen- Marburg (UKGM), dem Katholischen Krankenhaus und dem Evangelischen Krankenhaus sowie zu der Asklepios Klinik in Lich, um jedem eine leuchtend gelbe Rose zu überreichen.

Der DGB Mittelhessen zeigte anlässlich des Internationalen Frauentags vor 250 Zuschauerinnen in Gießen den Film »Die Unbeugsamen« mit anschließender Diskussion mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Schmidt.

Mitglieder der »Steuerungsgruppe Fairtrade Town« verteilten in der Fußgängerzone Narzissen in kleinen Töpfchen - auch, um damit auf die Situation von Frauen im globalen Süden aufmerksam zu machen, die in der Landwirtschaft oft die Hauptarbeit leisten. Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, die die Verteilung unterstützte, unterstrich: »Fairtrade hat es sich nicht nur zum Ziel gesetzt, gerechte Löhne zu zahlen, sondern auch, die Position der Frauen in den Produzentenländern zu stärken.«

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_2-EV_100322_1_4c © Barbara Czernek

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