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Die Polizei führt die positive Entwicklung der Kriminalitätsstatistik auch auf erhöhte Präsenz zurück. FOTO: SCHEPP

Kriminalstatistik

So sieht die Kriminalstatistik für Gießen aus

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Weniger Straftaten und die höchste Aufklärungsquote seit zwölf Jahren: Die Kriminalitätsstatistik 2019 für die Stadt Gießen ist für die Polizei Grund zur Freude.

Das sonst so große Medienaufkommen bei der Präsentation der Kriminalstatistik blieb am Freitag aus. Der Lahn-Dill-Kreis hatte kurzfristig zur gleichen Zeit eine Pressekonferenz zum ersten hessischen Corona-Fall angesetzt. "Völlig übertriebene Panikmache", meinte einer der Polizisten hinter vorgehaltener Hand. Das Erfreuliche: Auch die Gießener Polizei sieht mit Blick auf die Kriminalität in der Stadt keinen Grund zur Panik. Und untermauert das mit Fakten.

Die Polizei hat 2019 im Stadtgebiet 8346 Straftaten erfasst, wobei ausländerrechtliche Verstöße wie illegale Einreisen nicht in die Erhebung einfließen . Das ist nicht nur ein Rückgang um 711 im Vergleich zum Vorjahr, sondern auch der niedrigste Wert seit 2013. Die Aufklärungsquote lag bei 64,5 Prozent, das wiederum ist der höchste Wert seit 2008.

Elfmal (versuchter) Mord und Totschlag

Allerdings ist Aufklärungsquote nicht gleich Verurteilungsquote. Bei der Polizei gilt ein Fall als aufgeklärt, wenn ein Tatverdächtiger ermittelt worden ist. Ob er auch verurteilt wird, steht auf einem anderen Blatt. Und auch die Fallzahlen können täuschen: Geht der Polizei ein Jugendlicher ins Netz, der an 27 Autos die Reifen zerstochen hat, sind somit auch 27 Taten auf einen Schlag aufgeklärt.

Da diese Erhebungsart aber bundesweit einheitlich ist und schon seit Jahren so praktiziert wird, lässt sie Vergleiche zu. Zum Beispiel bei der sogenannten Vermögenskriminalität, worunter etwa Tankbetrug und Schwarzfahren gezählt werden. Kreisweit ist dieser Deliktbereich um 400 Taten auf 3463 gestiegen. Zwei Drittel der Taten wurden in Gießen begangen.

Eine positive Tendenz zeigt der Blick auf die Gewaltkriminalität. Die Zahlen für Raub, Vergewaltigung und Co. sind in der Stadt von 405 auf 354 gesunken. Bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung verzeichnete die Polizei einen leichten Rückgang von 262 auf 251 Taten. (Versuchter) Mord und Totschlag beschäftigte die Polizei kreisweit 15 Mal. Elf dieser Taten ereigneten sich in Gießen. Alle wurden aufgeklärt.

Davon können die Ermittler bei Diebstahldelikten nur träumen. Immerhin liegt die Aufklärungsquote mit 37,1 Prozent leicht über dem mittelhessischen Schnitt. Dafür ist die Zahl der Diebstähle deutlich zurückgegangen, und zwar von 3280 auf 2745 Taten. Eine Tendenz, die auch bei Rauschgiftdelikten (551) zu beobachten ist. Generell ziehen die Beamten für den Bereich Straßenkriminalität ein positives Fazit. Kreisweit ist die Zahl der im öffentlichen Bereich begangenen Straftaten um ein Fünftel auf 2036 Taten zurückgegangen. Mit 1314 Fällen war die Stadt Gießen in den meisten Fällen der Tatort.

Taser zehnmal abgefeuert

"Die positive Entwicklung ist vor allem der verstärkten Präsenz geschuldet", betonte Polizeipräsident Bernd Paul. Stefan Jilg, der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Gießen, hob in diesem Zusammengang das Konzept "Sicheres Gießen" hervor. "Wir wollen mit den Kontrollen dafür sorgen, dass dieser Deliktbereich weiter reduziert wird."

Ein Wunsch, den die Polizisten auch im Bereich der Gewalttaten gegen Vollstreckungsbeamte hegen dürften, schließlich sind sie hierbei selbst Opfer. Doch dieser Wunsch wird vermutlich nicht so schnell in Erfüllung gehen. Von den 61 im Landkreis angezeigten Delikten in diesem Bereich wurden alleine 47 in der Stadt begangen. Aufgrund dieser Entwicklung tragen die Polizisten bei ihren Einsätzen seit einigen Jahren vermehrt Bodycams und greifen seit 2019 auch auf den Taser zurück. Seit vergangenem Sommer kam diese Elektroschockpistole zehnmal zum Einsatz. Fünfmal reichte die Androhung, fünfmal feuerten die Beamten. "Dabei wurde niemand verletzt", beteuerte Paul.

Den insgesamt 8346 erfassten Straftaten ordnet die Polizei 4037 Personen als Tatverdächtige zu. Weniger als ein Viertel der Taten wurde von Frauen begangen. Das heißt: Auch in Gießen ist Kriminalität vor allem Männersache.

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