Norbert Alber und Cornelia Bayer haben sich im Lockdown auf die Suche nach alten Kaugummiautomaten in Gießen begeben und über 80 Standorte aufgespürt - wie diesen hier im Asterweg (am Bushaltepunkt Schwarzlachweg).
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Norbert Alber und Cornelia Bayer haben sich im Lockdown auf die Suche nach alten Kaugummiautomaten in Gießen begeben und über 80 Standorte aufgespürt - wie diesen hier im Asterweg (am Bushaltepunkt Schwarzlachweg).

Foto-Sammlung

„Erwecken Vergangenheit zum Leben“: Auf den Spuren der letzten Gießener Kaugummiautomaten

  • Jens Riedel
    VonJens Riedel
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Trotz ihres morbiden Charmes wecken Kaugummiautomaten bei vielen Menschen Kindheitserinnerungen und Glücksgefühle. Zwei Gießener haben sich auf ihre Spuren begeben – und einige ganz besondere Exemplare entdeckt.

Gießen – Es sind stumme Zeitzeugen mit Wunden und Narben die zäh und robust Wind, Wetter und Wüterichen trotzen: Kaugummiautomaten werden getreten, geschlagen, beklebt, beschmiert, traktiert. Aber sie bereiten auch Spaß und Spannung für wenig Geld. Bei vielen Menschen wecken die Geräte Kindheitserinnerungen und Glücksgefühle - trotz ihres morbiden Charmes.

War es nicht toll, wenn man einen bunten Flummi, einen Ring oder ein Spielzeug statt eines Kaugummis herausdrehte? Als Erwachsener nimmt man die alten Automaten aber kaum noch im Stadtbild wahr.

Betagter Automat an historischem Brückengeländer: In der Bahnhofstraße an der Wieseck.

Auf den Spuren der Kaugummiautomaten in Gießen: Über 80 Standorte entdeckt

Deshalb hatten die Gießener Norbert Alber (Jahrgang 1959) und Cornelia Bayer (Jahrgang 1968) während des Corona-Lockdowns die Idee, sich auf die Spuren der Kaugummiautomaten in Gießen zu begeben. Ihr Ziel war es, möglichst viele Stellen aufzuspüren, wo diese alten Automaten noch zu finden sind. »Unser erstes Gefühl war, es gibt nicht mehr viele davon, doch dann waren wir erstaunt, wie viele Geräte wir gefunden haben.«

Über 80 Standorte haben die beiden Gießener bereits entdeckt - von A wie Asterweg über B wie Bleichstraße bis Z wie Zum Maiplatz. Alber und Bayer haben die Automaten aus mehreren Perspektiven fotografiert und in einem Ordner archiviert. Das Erstaunliche ist: Fast alle Geräte funktionieren noch. Sie hängen zum Teil an Stellen, wo fast niemand hinkommt, etwa im Rambachweg, in der Buddestraße oder in der Sternmark - aber es gibt sie auch an belebten Plätzen wie am Berliner Platz oder in der Bahnhofstraße. In der Licher Straße hängen gleich drei Automaten innerhalb von nur etwa 100 Metern.

Am Berliner Platz an der Wieseckbrücke vor der Kongresshalle.

Gießen: Besondere Kaugummiautomaten vor dem Klimbim und dem Gasthaus „Zum Grünen Kranz“

Ein Gesamtkunstwerk ist laut Bayer und Alber der Kaugummiautomat im Riegelpfad vor dem Klimbim. Das Gehäuse ist an der Rückseite mit zahlreichen politischen Aufklebern aus mehreren Jahrzehnten gepflastert. »Eine tolle Einheit bilden auch der Automat und das Gasthaus ›Zum grünen Kranz‹ in der Bruchstraße: -Beide verschmelzen quasi miteinander«, sagt Alber.

Jeder Automat ist auf seine Art einzigartig. Die oft ramponierten Geräte haben eine Ausstrahlung, der sich Bayer und Alber kaum entziehen können. »Die Automaten erwecken die Vergangenheit zum Leben und halten die Gegenwart fest. Sie strahlen zeitlose Beständigkeit aus - etwas, das in unserer schnelllebigen Zeit oft fehlt«, schwärmen Alber und Bayer. (jri)

Nostagie pur: Der Automat am Backsteinhaus »Zum Grünen Kranz« in der Bruchstraße.

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