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Der Aufbau an der Messe Gießen geht trotz Ungewissheit weiter.

Suche nach Bombe

Wut und Sorgen in Gießen: Erste Messe seit eineinhalb Jahren könnte ins Wasser fallen

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Sollte am Gießener Bahnhof eine Bombe gefunden werden, könnte die erste Messe seit eineinhalb Jahren ins Wasser fallen. Die Veranstalter sind in Sorge - und sauer.

Gießen - John Swaab ist der Verzweiflung nahe. Der Niederländer veranstaltet am heutigen Dienstag und am morgigen Mittwoch eine Messer für Werbemittel in Gießen. Seit Monaten würden die Vorbereitungen laufen, 120 Veranstalter aus acht Ländern hätten sich angekündigt, 800 bis 1000 Besucher könnten an den beiden Tagen zu den Hessenhallen strömen. Doch sollte die Sondierungsfirma am Bahnhof auf einen Blindgänger stoßen, der eine Evakuierung nötig macht, könnten die ganzen Vorbereitungen umsonst gewesen sein. »Dann wäre ich bankrott«, sagt Swaab.

Das Messegelände an den Hessenhallen liegt rund 800 Meter vom Bahnhof entfernt und somit innerhalb des Ein-Kilometer-Radius, in dem beim Fund einer großen Bombe evakuiert werden müsste. »Wir haben seit Monaten mit der Stadt über unsere Messe gesprochen, auch wegen der Corona-Bedingungen. Aber erst vergangenen Mittwoch ist uns mitgeteilt worden, dass das Gebiet möglicherweise evakuiert werden muss«, ärgert sich Swaab.

Bombensondierung in Gießen: „Sehr kurzfristig über mögliche Evakuierung informiert“

Nicht nur der niederländische Veranstaltung ist sauer, sondern auch Gießens Messe-Geschäftsführer Roland Zwerenz. »Wir wurden sehr kurzfristig über eine mögliche Evakuierung für den Fall eines Bombenfundes informiert«, sagt Zwerenz und moniert, dass die Sondierung nicht auf einen anderen Tag gelegt worden ist. »Mit der Terminentscheidung hat die Stadt die Gefahr selbst geschaffen, dabei hätte sie auf die ihr bekannte geplante Veranstaltung Rücksicht nehmen müssen. Zwischen Behörde und Veranstalter wurde wegen des Hygienekonzepts und der Festsetzung in dieser Zeit intensiv korrespondiert. Es gibt ausreichend viele freie Zeiten, in den der Entschärfungstermin hätte liegen können«, sagt der Geschäftsführer. Für den Fall eines Bombenfundes haben die Verantwortlichen bereits einen Shuttle-Service organisiert, um Besucher und Aussteller aus der Gefahrenzone bringen zu können.

Messe Gießen und Bombensondierung heute: „Schlechte Kommunikation“

Eine Evakuierung würde nach Meinung von Zwerenz nicht nur die Messe und den Veranstalter wirtschaftlich hart treffen. »Wir haben eine internationale Veranstaltung für unseren Standort gewonnen, die in den kommenden Jahren in Gießen bleiben will. Das ist gut für das Gastgewerbe und viele andere Dienstleister und Handwerker.« Sollte die Messe jedoch ins Wasser fallen, könne es sein, dass Swaab künftig andere Städte in Betracht ziehen würde. »Das eigentlich Enttäuschende ist, dass der betroffene Veranstalter und wir gemeinsam den Mut gefasst haben, diese Messe durchzuführen. Jetzt stehen wir vor einer Situation, in welcher erheblicher wirtschaftlicher Schaden von unerwarteter Seite droht.«

Swaab sieht es genauso und ärgert sich vor allem über die »schlechte Kommunikation«. »Das ist furchtbar«, sagt der Niederländer und fügt hinzu: »Bleibt zu hoffen, dass keine Evakuierung notwendig wird.«

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