Stefan Bolz Zentrumsleiter
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Stefan Bolz Zentrumsleiter

Das "Wunsch- und Wahlrecht" funktioniert bis heute

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Gießen(pm). In der Siemensstraße 6 freut man sich über einen runden Geburtstag: Das Kompetenzzentrum berufliche Bildung der Lebenshilfe Gießen, kurz "KobBi" genannt, feiert am 1. September sein zehnjähriges Bestehen - und blickt nach eigener Einschätzung auf eine Erfolgsgeschichte zurück.

Zur Gründung des zentralen Berufsbildungsbereichs vor einer Dekade gab es rund 25 Teilnehmer - heute sind es circa 120. Die Absolventen erhlaten seit 2018 jährlich im Hermann-Levi-Saal des Rathauses - im Beisein der Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz - ein Zertifikat. "Eine Würdigung inmitten der Stadt, vor Publikum, gemeinsam mit den Angehörigen - das ist eine tolle Sache. Das ist Inklusion und wertschätzt die Arbeit, Anstrengungen und Bemühungen der Teilnehmer", betont Dirk Oßwald, Vorstand der Lebenshilfe Gießen. Für dieses Jahr ist die Zertifikatsübergabe für den 3. November geplant.

Von Beginn an war es Ziel des Berufsbildungsbereichs, dessen Leitung heute Stefan Bolz innehat, Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung oder einer chronischen psychischen Erkrankung bessere Wahlmöglichkeiten beim Ergreifen eines Arbeitsplatzes zu gewährleisten, differenzierter auf die Teilnehmer eingehen und eine umfassende berufliche Orientierung und Qualifizierung bieten zu können. "Vorher war die berufliche Bildung eher Teil des Produktionsalltags und konzeptionell nicht ganz einheitlich aufgebaut", erinnert sich Bolz.

Heute gliedert sich die berufliche Bildung bei der Lebenshilfe Gießen - nach einem durch die Agentur für Arbeit anerkannten Konzept - in drei Abschnitte mit einer Gesamtlaufzeit von 27 Monaten: Nach einem dreimonatigen Eingangsverfahren kommt es zur einjährigen Grundlagenqualifizierung, dem sich im zweiten Jahr die sogenannten Aufbauqualifizierung anschließt.

Neue Standards geschaffen

Im Rahmen des Berufsbildungsbereichs können Menschen mit Behinderung nicht nur in den Werkstätten der Lebenshilfe Gießen reinschnuppern und Kompetenzen erwerben, darüber hinaus kommt es auch zu Praktika auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. "Das, was vor zehn Jahren begann, war eine Professionalisierung der beruflichen Bildung. Es konnten ferner einheitliche und werkstattübergreifende Arbeitsstandards geschaffen werden, zudem hat sich auch die gegenseitige Vernetzung unserer Werkstätten und des BBB noch einmal verbessert", resümiert Stefan Bolz und freut sich vor allem über den Umstand, dass das "Wunsch- und Wahlrecht" bis heute funktioniert: "In der Regel bekommt jeder, der den Berufsbildungsbereich durchläuft, auch den Arbeitsplatz, den er sich wünscht. Die Werkstätten orientieren sich an den Anforderungen und Vorstellungen der Teilnehmer."

Unter dem Dach des Kompetenzzentrums feiern indes noch weitere Lebenshilfe-Einrichtungen mit beim zehnjährigen Jubiläum. Heute finden sich in dem Gebäude in der Siemensstraße noch die Mitarbeiter der "Unterstützten Beschäftigung" (UB). Auch der Eingangsbereich der Tagesförderstätten der Lebenshilfe hat hier seine Räume, ebenso die Familien-, Krisen- und Sexualberatung und das Büro der Oldtimerspendenaktion.

Weitere Infos bei Stefan Bolz, Tel. 06 41/9 72 10 55-1 00, E-Mail info@kobbi-giessen.de.

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