Tenor André Khamasmie nach dem Auftritt in der Petruskirche. FOTO: JOU
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Tenor André Khamasmie nach dem Auftritt in der Petruskirche. FOTO: JOU

Würdiger Orchester-Ersatz

  • vonSascha Jouini
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Gießen(jou). Das Programm am Samstagabend mit Arien aus Bach-Kantaten bildete den Auftakt einer kleinen Konzertreihe in der Petruskirche nach der pandemiebedingten Pause. Dass das Musikleben von der Normalität noch weit entfernt ist, war freilich nicht zu übersehen: Wäre Tenor André Khamasmie unter anderen Umständen von einem Instrumentalensemble begleitet worden, so beschränkte sich Kantorin Marina Sagorski nun auf eine Orgeluntermalung. Doch war das Konzert mitnichten eine Notlösung.

Der international renommierte Leipziger Tenor Khamasmie sang bereits unter Leitung so berühmter Dirigenten wie Kurt Masur, wirkte zudem an zahlreichen CD-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen mit. Sein glanzvoller Auftritt bei einem Konzert mit Vaterunser-Vertonungen vor fünf Jahren in der Petruskirche war nachhaltig haften geblieben.

Sängerische Klasse und virtuoses Spiel

Große sängerische Klasse demonstrierte Khamasmie nun erneut bei geistlichen Arien von Bach. Sagorski lieferte an der Orgel schon zu Beginn, in "Mein alles in allem" aus der Kantate "Jesus nahm zu sich die Zwölfe", eine virtuos ausgeschmückte Begleitung - ein würdiger Ersatz für ein Streichorchester. Im Text eines unbekannten Dichters geht es um die Bitte eines Christen, Herz und Mut zur "Entsagung des Fleisches" zu stärken, damit Jesus ihn nach dessen Tod nach sich ziehen könne. Khamasmie vermittelte mit seinem klanglich schillernden, ausdrucksvollen Gesang souverän religiöse Zuversicht.

Gleichermaßen beseelt gelang ihm die Arie "Die Liebe zieht mit sanften Schritten" aus der Adventskantate "Schwingt freudig euch empor"; Sagorski sorgte an der Orgel für vorantreibende Energie. Besonders reizvoll erschien in "Meine Seele wartet auf den Herrn", dem vorletzten Satz von "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir", die figurative Umspielung des Gesangs durch die Orgel. Im Ganzen verströmte die Darbietung in hohem Maße Beschaulichkeit. Die nuancierte Gestaltung des Duos bestach. Den Genuss steigerten noch Orgel-Intermezzi. Zu Christian Heinrich Rincks 250. Geburtstag widmete sich Sagorski dessen Fantasie und Fuge Es-Dur.

Von ansteckender Vitalität war die Musik im Kopfsatz von Bachs Concerto G-Dur BWV 592. Melancholie ging hier demgegenüber vom Grave aus, ehe das Presto den Bogen zum Beginn zurückschlug. Bach schuf sich mit seinen in den letzten Lebenswochen niedergeschriebenen "Achtzehn Chorälen" ein musikalisches Denkmal. Über der Fantasia super "Komm, heiliger Geist, Herre Gott" stehen, um göttliche Gnade bittend, die Initialen J.J. (Jesu juva, Hilf Jesu). Andächtig lauschten die Besucher Sagorskis inspirierter wie facettenreicher Interpretation, die Lust machte auf ein weiteres Bach-Programm am Samstag, 24. Oktober, um 19 Uhr an selber Stelle: Gemeinsam mit Flötistin Ulrike Höfs wird Sagorski an Orgel und Cembalo Sonaten des Thomaskantors und seiner Söhne spielen.

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