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David Poppers Requiem für drei Celli und Klavier. FOTO: RW

Wort und Musik für Frieden

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Sinnträchtig der Ort, sinnreich die Veranstaltung, gelungen die Gestaltung: Zum Gedenken an den Luftangriff am Nikolaustag 1944, der die Innenstadt Gießens in eine Ruinenlandschaft verwandelte und den Einwohnern Leid brachte, war die Pankratiuskapelle am Freitag der Besinnung gewidmet.

Das schlichte Gotteshaus im Schatten des Stadtkirchenturms, 1949 als Notkirche von Otto Bartning (1883-1959) errichtet, ist auch heute noch ästhetisch und funktional ansprechend und gehört zu den Hessischen Kulturdenkmälern. Zwischen den Holzständern sind Trümmersteine der zerstörten Stadtkirche sichtbar vermauert. Passender konnte kaum ein Ort in der Stadt sein für das gut besuchte Benefizkonzert des Stadttheaters zu Gunsten der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik in Kooperation mit der Evangelischen Stadtkirchenarbeit und der Stadt.

Schülerinnen und Schüler der Brüder-Grimm-Schule rezitierten zur Einstimmung kurze Zeitzeugenberichte, die das Grauen der Bombardierung präsent machten. Bariton Grga Peroš interpretierte einfühlsam zusammen mit Christoph Koerber (Orgel) aus Johann Sebastian Bachs Kantate "Ich habe genug" die Arie "Schlummert ein". Mitglieder des Philharmonischen Orchesters schlossen sich an in einer stilsicheren Darbietung von Largo und Allegro aus Bachs c-Moll-Sonate: Carol Brown (Flöte), Gowoon Baek (Violine), Attila Hündol (Cello) und Yuko Masuda-Dreher (Cembalo).

Den Theaterbesuchern ist Countertenor Samuel Mariño aus Venezuela schon bekannt, zuletzt aus Händels "La Resurrezione". Der 26 Jahre alte Sänger ließ seinen raumfüllenden Sopran in der Arie "Piangeró" aus Händels "Giulio Cesare" erklingen (am Klavier Evgeni Ganev). In der Mittellage von ergreifendem Ausdruck, kontrastierten dazu die Höhen in stählerner Strahlkraft (wir warten auf ein Piano!); virtuose Beweglichkeit deutete sich an.

Aus Mozarts Serenade c-Moll für Bläseroktett spielten Gottfried Köll und Peter Sanders (Oboe), Anna Deyhle und Roland Dreher (Klarinette), Gesine Beck und Maria Oliveira-Plümacher (Fagott) sowie Alvaro Artuñedo Garcia und Victor Lozano Mariano (Horn) zwei Sätze. Akustische Abwechslung brachte ihre Platzierung auf der hinteren Empore, von wo auch Bachs Arie aus der Johannespassion "Ich folge dir gleichfalls" zu hören war. Hier glänzten die Sopranistin Naroa Intxausti, bis 2016 fest am Stadttheater, sowie Carol Brown, Attila Hündol und Christoph Koerber. Frömmigkeit des Komponisten Anton Bruckner vermittelte die Darbietung des Theaterchors im "Locus iste".

Zu den suggestiven Stücken gehörte John Williams melancholisch-eingängige Musik aus "Schindlers Liste" mit Martin Gericks (Horn), Andrea Braun, Martin Gierden, Johannes Osswald (Trompete), Kurt Förster, Alexander Schmidt-Ries, Philippe Schwarz (Posaune). Besonders intensiv gelang die Originalfassung des Adagios für Streichquartett von Samuel Barber, das eher in der weichgespülten Orchesterfassung geläufig ist: Die schwebende Stimmung fingen Cornelius Jensen und Alexandra Speckbrock (Violine), Jorid Helfrich (Viola) und Torsten Oehler (Cello) konzentriert ein. Nachhaltig beeindruckte David Poppers Requiem für drei Celli und Klavier, dem Emily Härtel, Attila Hündöl und Torsten Oehler sowie Evgeni Ganev am Klavier wahren Schönklang verliehen.

Die Schauspieler Tom Wild, Carolin Weber und Anne-Elise Minetti trugen Texte von Charlie Chaplin, Hanns-Dieter Hüsch, Rudolf Steiner, Wilhelm Busch und Pablo Neruda vor, Roman Kurtz steuerte "Friedenssplitter" bei, ein Gebet von Vertretern des Interreligiösen Rats thematisierte den pazifistischen Gedanken, der den facettenreichen Abend durchzog. Sopranist Mariño beschloss mit dem "Ave Maria" von Bach/Gounod das abwechslungsreiche künstlerische Manifest für den Frieden.

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