Wort des Jahres

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Und? Was ist dein Wort des Jahres?" So fragt mich meine Kollegin, als wir auf dem Weg zur Besprechung sind. An diesem Morgen war das Wort des Jahres 2020 bekannt gegeben worden: Corona-Pandemie. "Da werden einige Wörter zusammenkommen, die ich mit diesem seltsamen Jahr verbinde. Ein richtiges Corona-Wörterbuch", antworte ich. Wir eilen die Treppe hoch in den 2. Stock. Die Kollegin bleibt kurz auf dem Treppenabsatz stehen. "Stimmt", sagt sie etwas atemlos. "Da fällt mir auch einiges ein. Lockdown. Maskenpflicht. Hygienekonzept. Noch vor einem Jahr hätte kein Mensch damit etwas anfangen können. Und wer kannte schon einen Epidemiologen? Und ›Social Distancing‹"?" Nachdenklich sagt sie diesen letzten Begriff. Im Frühjahr war ihr Vater schwer erkrankt und sie durfte ihn nicht im Krankenhaus besuchen. Es war eine schreckliche Zeit. Und jedes dieser Worte steht für schreckliche Erfahrungen.

Gab es 2020 eigentlich auch Worte, die Gutes erzählen?

"Ich habe dieses Jahr ein altes Wort wiederentdeckt. Zuversicht", sage ich, als wir den Raum am Ende des Flurs betreten. Ausgerechnet dieses fast altertümliche Wort habe ich immer mal wieder gehört und gelesen. In Reden und Nachrichten, nicht nur in der Kirche.

In der Sitzungspause google ich. "Zuversicht ist die Lebensenergie, die uns das Gefühl gibt, es lohnt sich morgens aufzustehen und sich einzusetzen", so lese ich. Es hat also etwas damit zu tun, meine eigenen Kraftquellen ernstzunehmen. Meine Ressourcen. Zuversicht entsteht, wenn ich weiß, was mir Kraft gibt. Kein Wunder, dass dieses Wort auch in der Bibel auftaucht. Menschen erzählen dort, dass ihr Glaube ihre Kraftquelle ist: "Gott ist meine Zuversicht."

Ich schreibe der Kollegin eine WhatsApp-Nachricht: "Mein Wort des Jahres: Zuversicht. Die anderen Wörter muss ich hoffentlich bald nicht mehr benutzen. ;-)"

Pfarrer Matthias Schmidt

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